Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 148
(PDF, 174 MB)
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-sr^> KARL VON PIDOLL <^==^

Geschlecht, das dem Wandel der Zeiten entrückt
, dem Spiele oder den uranfänglichen
Thätigkeiten menschlicher Kultur, der Jagd,
dem Fischfang, dem Feldbau zurückgegeben
schien. Es ist bedeutsam für diese Art
figürlicher Komposition, und auch die in
Abbildung hier beigegebenen Proben zeigen
es, wie sie den Hauptnachdruck auf die
Deutlichkeit von Bewegungsausdruck und
Raumvorstellung legt; die Form des Geschehens
, nicht das Geschehnis selbst ist es,
was ins Auge fälllt. Nun ist heutzutage
niemand mehr, wenigstens niemand, der auf
ein künstlerisches Urteil Anspruch macht,
so unschuldig, dass er den Gehalt des Kunstwerks
nach der Fabel beurteilte, die ihm
etwa zu Grunde liegt. Aber die trotz alledem
an bestimmte Ideengänge gewöhnte Mitwelt
steht nur zu oft ratlos einem dialektischen
Verfahren gegenüber, das an eine so abstrakte
Form der Phantasiethätigkeit wie bei Marees
und seinen Nachfolgern gebunden ist. Wo
ist, so kann man fragen hören, das Spiegelbild
des menschlichen Erlebens, wo der

KARL VON PIDOLL

SCHLOSS ELZ

Widerhall von Mitgefühl, von Leidenschaft,
als deren Träger man gewohnt ist, das künstlerische
Gebilde hinzunehmen und die trotz
aller Ueberlegenheit einer besser unterrichteten
litterarischen Kritik ein Millet, ein Böck-
lin und genug andere verwandte Naturen aus
ihren Schöpfungen herauszufühlen doch in der
That erlaubt haben? Es ist wahr, jene Art
hat es abgelehnt, ihr Innerstes unmittelbar
zu zeigen. Und doch, was Marees anlangt,
ist es möglich, ihm den poetischen Gedanken
abzusprechen? Ist es möglich, den Klang eines
persönlichen, seelischen Empfindens zu überhören
, der den feingestimmten Harmonien
seiner Bilder innewohnt und wäre es auch
vielleicht statt der Heiterkeit, die anderen
verliehen war, nur ein verhaltener Klagelaut
der Sehnsucht nach einem verlorenen oder
nie gefundenen Glück? Es ist eben so wenig
denkbar, dass derselbe Künstler seine Schüler
dem dichterischen Empfinden so entfremdet
haben sollte, dass ein entsprechender, be-
wusster Stimmungsgehalt nicht auch bei ihnen
zu finden wäre.

In einer anderen Hinsicht dürfte
mit mehr Grund eine gewisse selbstgezogene
Schranke dieser Kunst zu
erkennen sein. Es ist keine Frage,
je mehr der gestaltende Wille sich
richtet auf die Hervorbringung von
menschlicher Figur schlechthin, je
mehr auch unter dem Einfluss dieser
Intention die Beziehungen im Bilde
von Gestalt zu Gestalt sich lösen zu
Gunsten der Einzelfigur und ihrer
besonderen Funktion, um so mehr
tritt hier ein plastisches Bildungsprinzip
hervor und aus der Kunst
des Malers wird eine statuarische
Kunst. Ich will nicht behaupten,
dass manche figürliche Vorstellung
von Marees und seinen Schülern
besser in Plastik als in Malerei zum
Ausdruck gelangt wäre. Allein es
giebt auf jeden Fall zu denken,
dass der grösste Künstler, der aus
diesem Kreise hervorgegangen ist,
der Mann, der recht eigentlich als
der schöpferische Genius dieser
Schule gelten muss ein Bildhauer
ist.

Tritt uns in den intellektuellen
Grundlagen von Pidolls Kunst der
überzeugte Anhänger seines Lehrers
deutlich entgegen, so erkennen wir
diesen ebenso in der Praxis des
künstlerischen Handwerks und vor
allem in der Aneignung von einem

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