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-*-4^> DER IMPRESSIONISMUS UND SEIN AUSGANG
EMILE RENE MENARD
FRÜHLING
Ausbrüchen als in einer völligen Harmonie
ganzer Bildflächen äussert. Auch schwankt
gerade dieser Künstler noch manchmal zurück
und stellt eine Gestalt, die er mit derber
Freude am Leben bildete, in eine Umgebung,
die nichts ist als Dunst und schwächliche
Farbe der eigentlich falsch verstandene
Impressionismus.
Eines der vorzüglichsten Mittel, um die
Plastik der Erscheinung hervorzuheben, findet
die Malerei, indem sie mutiger das Hell und
Dunkel gegen einander setzt, als es in den
Tagen des überzeugtesten Plein-air erlaubt
war. Sogar das Schwarz, dem damals mit
Leidenschaft die Existenz abgesprochen wurde,
taucht wieder auf. Es wäre doch auch sonderbar
gewesen, wenn es in Wirklichkeit, wie
impressionistische Koloristen haben wollten,
nichts anderes als ein verkapptes Violett
gewesen wäre. Woher dann nur das Wort
„schwarz" in der Sprache?
Jedenfalls sucht der deutsche Kolorismus
von neuem sein Heil in einem vertrauenden
Anschluss an die Natur, bei der er am sichersten
seine Schönheit zu finden erwartet. Unter
den ersten Ludwig von Hofmann. Ihm, dem
wie vielleicht keinem zweiten Deutschen der
französische Geschmack eine leitende Hand
geworden, blieben zum Teil auch die Gefahren
nicht erspart, die jenem drohen. Die malerischen
Stimmungen drängen sich in solcher
Fülle zu ihm, dass er den einzelnen häufig
die wünschenswerte Prägnanz der Ausgestaltung
versagt. Die Grenze zwischen impressionistischer
Absicht und skizzenhafter Leichtherzigkeit
verschiebt sich dabei zuweilen und
so berührt seine Linie manchmal jene Klippe,
die sich der immer weiteren Ausbildung des
Impressionismus, wie wir gesehen haben,
drohend entgegenstellt. In der Farbe dagegen
lässt Hofmann sich von der Naturtreue
nichts abdingen. Mögen andere klagen, dass
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