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-^ss5> DER IMPRESSIONISMUS
EDUARD SELZAM STUDIENKOPF
die Wirklichkeit brutal sei, und dass ein
verfeinerter Geschmack die bunten Strahlen
durch künstliche Mittel umgestalten müsse:
sänftigen oder verstärkend vereinfachen. Seine
Augen, hingenommen von den zauberischen
Lichtspielen der Sonne, können sich keine
wirksamere Schönheit träumen als das Gold
und Perlmutter, das sie auf dem Wasserspiegel
malt, oder das Smaragdgrün, das der
Abendschatten über die Wiesen ausbreitet.
Was uns also im Wirklichen entzückt, sollte
im Kunstwerk nicht heimatsberechtigt sein,
sollte erst einer Adelung bedürfen? Ihm
wird man das nimmermehr einreden. Er
lässt nicht von dem Geschauten und darum
ist Wahrheit und Kraft in seiner Farbe bei
aller Märchenlieblichkeit. Und wenn wir uns
an ihr erquicken, so geschieht dies um so
inniger, weil wir unsere eigenen Erinnerungen
in diesen begeisterten Zeugnissen vom Wirklichen
wiedererkennen.
Es Hessen sich noch mehr Beispiele anführen
für diese Umwandlung, die immer
mehr offenbar werden wird, aber es kommt
nicht darauf an, viele Namen zu nennen.
Wer so die Augen auf die neue Entwicklung
der deutschen Malerei richtet, der kann gleichzeitig
jenseits des Rheins ein Symptom nicht
übersehen, das auf einem ähnlichen Rückschlag
basiert. Auch von französischen Ma-
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