Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 167
(PDF, 174 MB)
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KUNSTLITTERATUR -C^=^

gegen, der den Urteilen der Künstler über Kunst
im allgemeinen und die einzelnen Kunstwerke beizulegen
ist. Ein System, das in zwei kräftigen
Bänden niedergelegt ist, kann nicht in den wenigen
hier zur Verfügung stehenden Zeilen analysiert und
gewürdigt werden. Es sei darum hier nur noch
die wirklich streng realistische, vielleicht sogar zu
realistische Definition des Begriffes Kunst gegeben,
die der Verfasser als folgerichtiges Ergebnis seiner
Beobachtungen aufstellt. »Kunst ist eine teils angeborene
, teils durch Uebung erworbene Fähigkeit
des Menschen, sich und anderen ein auf Illusion
beruhendes Vergnügen zu bereiten, bei dem jeder
andere bewusste Zweck als der des Vergnügens
ausgeschlossen ist.« — Zum Schlüsse sei der
äusserst sorgfältige Druck gebührend anerkannt.
Das Buch ist inhaltlich und äusserlich sehr angenehm
zu lesen. Umschlag, Einband, Vorsatzpapier
wurden, was noch bemerkt sei, nach Entwürfen
von Bernhard Pankok hergestellt. vi.

Gabriel von Max, Christus als Arzt, Photogravüre
. (Prag, Nie. Lehmann, 30 M.)

Die ganz individuelle, porträtartige Wiedergabe
der Frauenschönheit ist dasjenige, was die moderne
Zeit vor jeder früheren voraus hat. Selbst Raffael
hat sie nur einmal in seiner Madonna di San Sisto
erreicht und von allen seinen Zeitgenossen erreicht
nur Tizian sie in seiner Himmelfahrt Mariä und
sonst nicht wieder. Rubens giebt immer nur zwei
oder drei Modellfiguren ohne eigentliche Individualität
, wie fast alle seine zeitgenössischen Künstler
und Nachahmer. Unter den Neueren hat nun
wohl keiner diese Verbindung von Idealschönheit
und feinster Individualisierung so wunderbar
erreicht, als Gabriel Max in seinem berühmten Bilde
»Jairi Töchterlein«, das bei seinem ersten Erscheinen
auf der Pariser Weltausstellung von 1878 sofort dadurch
einen europäischen Ruf erlangte, wie ihn
seinesgleichen nirgends mehr fand. Dies Prachtstück
moderner Kunst hat nun der obengenannte
Kunstverleger unter der nicht übel gewählten Bezeichnung
»Christus als Arzt«, in einer durch ihre
Grösse (das Gemälde hat in ihr eine Bildgrösse
von 47:69 cm.) wie Schönheit gleich ausgezeichneten
Photogravüre dem grossen Publikum zugänglich gemacht
und wir verweisen hier um so lieber darauf,
als ein zweites Bild dieser Art kaum existieren
dürfte, das Blatt überhaupt aber einen wundervollen
Wandschmuck darstellt. F. Pt.

Ueber Farbensehen und Malerei von
Prof. Dr. E. Raehlmann. (München, Ernst Reinhardt
, 2 M.)

Der Verfasser bietet in dieser kurzen Broschüre
von 55 Seiten ein klares, übersichtliches und allgemein
verständliches Bild der physiologischen Vorgänge
beim Sehen der Farben, lässt uns die individuelle
Verschiedenheit der Funktion des menschlichen
Auges erkennen und zeigt die Folgen davon für
das Wiedergeben von Farben, also für die Malerei.
Die verdienstvolle kleine Schrift ist aus zwei
Vorträgen entstanden, welche der Autor im Auftrage
der Deutschen Gesellschaft zur Beförderung
rationeller Malverfahren im Künstlerhaus in München
gehalten hat und zerfällt gleich dieser ursprünglichen
Fassung in zwei Teile: 1. Ueber individuelle Unterschiede
in der Farbenempfindung; wobei auch das
teilweise und völlige Farbblindsein behandelt wird;
und 2. Ueber die Harmonie der Farben und die
Verschiedenheit harmonischer Systeme. Sechs interessante
farbige Tafeln sind beigegeben, die den
Text sehr anschaulich erläutern. Wer sich ausübend

oder geniessend für Malerei interessiert, ja wer
immer sich Rechenschaft zu geben sucht über die
Ursachen der grossen Gegensätze, welche ihm allüberall
in den Werken der Maler entgegentreten,
wird diesem Büchlein manche Aufklärung, manche
Anregung zu besserem und gerechterem Verständnis
danken.

Grundriss der Anatomie für Künstler,
von Mathias Duval. Autor. Uebersetzung, herausgegeben
von Prof. Dr. Nelson, zweite Auflage bearbeitet
von Prof. Dr. Gaupp. Mit 78 Abbildungen
im Text. (Stuttgart, Ferdinand Enke. 6 M.)

Mir scheint, dass die deutsche Ausgabe des Du-
valschen Werkes eines der besten unter den vorhandenen
Lehrbüchern ist. Es muss für den Künstler,
dem das Studium der Anatomie nicht nur ein lästiger

ABBOTH H. THAYER EIN GESCHWISTERPAAR
« « «

Zwang, sondern ein Herzensbedürfnis ist, direkt eine
Freude sein, das vorliegende Buch zu benutzen. Sein
Umfang ist zu gering, um die Materie zu erschöpfen;
aber es ist nach den bisherigen Erfahrungen begreiflich
, dass die Herausgeber sich bemühten, den
Umfang nach Möglichkeit zu reduzieren. Denn noch
immer lassen sich bei uns die Künstler durch die
Forderung allzugrosser Gründlichkeit in die Flucht
schlagen; noch immer spukt in den Schulen das
Vorurteil von der Unvereinbarkeit ernsten wissenschaftlichen
Studiums mit Künstlertum. Das vor-
liegendeWerk will seiner Vorrede nach mehr eine synthetische
Methode einschlagen. Trotzdem analisiert
es die einzelnen Teile in so klarer, anschaulicher
Weise, dass es in erster Reihe als Lehrbuch der
Anatomie empfohlen werden kann. Zum wirklichen
Studium reicht ja ein einzelnes Werk doch nicht
aus. Der meisterhafte Spalteholzsche anatomische
Atlas könnte da als vortreffliche Ergänzung dienen,
um so mehr, als der Schwerpunkt des Duvalschen

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