Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 173
(PDF, 174 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0195
-B-Sö- HANS VON MAREES' FRESKEN IN NEAPEL <^=^

beiden Selbstporträts. Aber der echte Marees
ist auch diesmal der späte. Und da erscheint
immer wieder die offene Bühne der freien
Natur, im Vordergrund ruhig bewegte nackte
Menschen, in der Tiefe ein dunkler schöner
Klang des schweigenden Lebens von Wald,
Wiese, Berg und Bach. Die christliche Legende
hat er kaum dargestellt; sein Georg, sein
Martin, sein Hubertus sind keine Heiligenbilder
. Ebensowenig ist der „Raub der Helena"
eine Schilderung der antiken Sage. Der
freudig rücksichtslose Held und das bang
zögernde Weib finden sich zwar hier so gut
wie auf dem bekannten antiken Relief in
Neapel, das Marees sicher zu seinem Bild
angeregt hat. Aber wir vergessen die Bedeutung
der Figuren völlig über der Grösse
der Formen und der Kraft ihrer Mitteilung.

In einem Künstler von so ausgesprochenem
Raumempfinden musste sich die Sehnsucht
nach einem Freskoauftrag ganz besonders
steigern. Einmal ist dieser Wunsch in Erfüllung
gegangen, 1873, nach neunjährigem
Aufenthalt im Süden; und doch, wie er selbst
meinte, zu früh. Der Gründer der zoologischen
Station in Neapel, Dr. Dohrn, bat ihn,
die Bibliothek des Aquariums auszumalen.
Gern hätte er später einen zweiten Auftrag
übernommen, als er sich noch reifer glaubte;
aber dieser blieb aus. Da die Fresken in
Neapel sehr wenig bekannt und Photographien
davon nicht im Handel sind, glauben wir manchem
einen Gefallen zu thun, wenn wir die
Wandbilder hier abbilden, freilich nach nicht
ganz geglückten Aufnahmen.

Das im ersten Stock der Station gelegene
Bibliothekzimmer, mit der einen Breitseite
zum Golfe, ist an den Unterwänden ganz mit
Bücherregalen und Schränken umstellt, deren
dunkler Ton wie ein fester Unterbau wirkt.
Von den durch keine architektonische Cäsur
zerschnittenen glatten Oberwänden ist die eine
Längswand durch Fenster geteilt, zwischen
denen nur schmale Pfeilerwände stehen. Es

HANS VON MAREES

FRESKO IN DER ZOOLOGISCHEN
STATION ZU NEAPEL

173


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0195