Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 175
(PDF, 174 MB)
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HANS VON MAREES

HANS VON MAREES

FRESKO IN NEAPEL

andere schleppen die schweren Netze herbei,
unter deren Last sie fast erliegen, deren
lange Enden sie mühsam raffen. Die Felsenbucht
zeigt in der Tiefe menschliche Wohnungen
, die wie amalfitaner Häuser an die
Felsen gedrängt sind. Eine Paranze liegt in
der Bucht, vor der ein Mann im Kahn auf
dem ruhigen Wasser kreuzt - das Ganze ein
intimes klassisches Genrebild. Ein gewaltiges
Felsenthor zur Seite, die grosse geschlossene
Kontur des Berges im Hintergrund stellen zu
dem antiken Arbeitsbilde des Vordergrundes
die monumentale Coulisse.

Von den beiden Pfeilern der Fensterwand
trägt der westliche ein echtes Hesperiden-
stück: im Wald pflückt der nackte stehende
Jüngling rechts den goldenen Apfel; der Greis
im Hintergrund gräbt sein Grab; Kinder und
Kaninchen spielen selig auf dem Moosboden.
Durch die kahlen Stämme dämmert der helle
Tag des Südens. Also drei Lebensalter, wie
bei Böcklin; jedes beruhigt bei seinem Lose.

Das andere Pfeilerbild zeigt einen ähnlichen
Wald. Auf der Steinbank inmitten
einer steinernen Rotunde vorn sitzen zwei
Frauen, die eine die Mutter des im Gras
schlafenden Buben, die andere jünger, den
Worten der Freundin lauschend. Soll hier
das Frauenleben im Gegensatz zum Leben
des Mannes (vor. Bild) dargestellt sein?
Weshalb die bange Unentschlossenheit des
Mädchens, das die Hände im Schoss faltet?
Was will der eifrige Zuspruch der andern?
Wir ahnen, aber fragen nicht. Der Wald
hütet auch dies Geheimnis.

Endlich das Bild der Eingangswand, ein
Blatt der zoologischen Hauschronik und zugleich
ein Bild schönster Eintracht bei gemeinsamer
Arbeit. Vor dem hochragenden
Gebäude sitzt die alte Schaffnerin, die an
Tizians Eierfrau auf Marias Tempelgang erinnert
, mit der letzten Ausbeute, die das
Meer hergab. Sie ist so gut Porträt wie das
junge Mädchen auf der Treppenbrüstung und

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