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-a~s=£> MAREES UND SCHACK -Cö^u^
habe. Abgesehen davon, ist ja auch alles,
was ich hier mache, Ihr Eigentum, und vielleicht
werden Zeichnungen nach Ghirlan-
dajo, Filippo Lippi u. a., auch nicht ganz
uninteressant sein.
Sie werden mir verzeihen, Herr Baron,
wenn ich soviel über meine Angelegenheiten
spreche. Es ist aber notwendig,
dass Sie meine An- und Absichten
kennen. Gegen meine Ueberzeu-
gung kann ich nicht handeln, wer
das thut, muss sich schliesslich in
Unwahrheiten verstricken, und da
wäre es ja schliesslich besser gar
nicht zu existieren.
Ich bin überzeugt, Sie werden
mich für alt genug halten, meinen
Weg mit Ueberlegung und Eifer
fortzuschreiten, für rechtschaffen
genug, um niemals zu vergessen,
wessen Hand mich aus dem Elend
gezogen hat.
Hoffend, dass Sie mich nicht
missverstehen werden, verbleibe
ich mit der grössten Hochachtung
ganz ergebenst Hans von Marees."
Als Marees Ende 1865 Florenz ver-
liess, wo er im Gegensatz zu den in
seinem Briefe entwickelten Plänen
drei sehr tüchtige Kopien gemalt
hatte, war er mehr wie je von dem
Verlangen erfüllt, sein eigentliches
Können in einigen Originalbildern zu
dokumentieren, welche er in Rom
malen wollte. Hierbei schwebte ihm
die Naivetät und Ruhe Giorgiones
als Muster vor. Wie schwer ihm die
Ausführung seiner selbstgestellten
Aufgabe wurde, beweist der nachfolgende
Brief an Schack:
„Rom, den 11. Mai 1866. Hochgeehrter
Herr Baron! Verzeihen
Sie mir, dass ich so lange geschwiegen
und nicht nur dieses,
sondern dass ich auch bis jetzt
nicht im stände war, mein Versprechen
betreffs der beiden abzusendenden
Bilder halten zu können.
Es ist für mich allerdings ein nicht
wenig drückendes Gefühl, Ihnen
meinen Eifer und meine Absichten nicht
so schnell durch fertige Werke beweisen
zu können, wie ich es wohl anfangs glaubte
und dadurch vielleicht Ihre Unzufriedenheit
zu erregen. Wenn Sie indessen in
Erwägung ziehen, Herr Baron, wie viel
mir mangelte, wie Vieles ich zu lernen
hatte und noch habe, um in meinen Werken
nur einigermassen mit der Umgebung zu
harmonieren, so werden Sie gewiss noch
einige Geduld mit mir haben. Ich weiss
sehr wohl, dass ich nicht so bald im stände
sein werde, Tadelloses zu leisten, aber
zum wenigsten muss die Intention eines
Bildes klar ausgedrückt sein, ehe ich ein
solches die Reise von Rom nach München
HANS VON MARfiES DER H. HUBERTUS
Das Original in der kgl. Galerie zu Schieissheim
machen lassen darf. An meinen Anstrengungen
werden Sie nicht zweifeln,
und überzeugt dürfen Sie sein, dass ich
dasjenige, was Sie von mir erhalten werden,
sei es wie es sei, das beste sein wird,
was ich aus mir habe sozusagen herauspressen
können. Aber ich bedarf unbedingt
noch der Sommermonate dazu. Auch kann
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