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-sr4^> PERSONAL- UND ATELIER-NACHRICHTEN
MÜNCHEN. Der Historien- und Genremaler
Prof. Andreas Müller ist am 7. Dezember
gestorben. Der Beiname »Komponier-Müller«, mit
dem er, schon frühzeitig, vielfach kurzweg zur Unterscheidung
von Kunstgenossen gleichen Namens bezeichnet
wurde, deutet bereits auf das Wesentliche
der künstlerischen Begabung des jetzt Verewigten,
zu deren Bethätigung er auf dem Gebiete des figurenreichen
Historienbildes sein eigentliches Feld fand.
1830 zu Stephans - Ret-
T, tenberg (im Algäu) ge-
j^//^ boren, genoss er seine
künstlerische Ausbildung
in München, wo hauptsächlich
W. von K aul-
bach und Moriz von
Schwind seine Lehrer
waren. Schon seine originellen
Zeichnungen zu
der bei Braun & Schneider
erschienenen »Haus-
chronik«, seine Beiträge
zu den »Fliegenden Blättern
« und den »Münchener
Bilderbogen« zeugten
neben einer Reihe von
religiösen Kompositionen
von dem hervorragenden
Talent des Künstlers
, das von einer reich
quellenden Phantasie un-
empfahl seinen Zögling
ANDREAS MULLER
(f 7. Dezember)
terstützt ward. Kaulbach
an den damaligen Erbprinzen von Meiningen, dessen
Residenzschloss Müller mit historischen Fresken
schmückte, ebenso die dem Prinzen gehörende »Villa
Carlotta« am Comersee. Auf einer Studienreise nach
Rom entstand nach der vom Prinzen gegebenen Anregung
eine Apotheose auf die verstorbene Herzogin
von Meiningen. Alsbald nahm Müller seinen dauernden
Wohnsitz wieder in München, konnte sich, von
König Maximilian beauftragt, u. a. mit zwei Fresken
an der Ausschmückung des alten Nationalmuseums
beteiligen und auch der historischen Galerie des
Maximilianeums zwei Werke (»Hochzeit Alexander
des Grossen« und »Mohamed zerstört die Kaaba zu
Mekka«) beisteuern. Nach Schraudolphs Ableben
wurde Müller 1875 Professor für kirchliche Kunst an
der hiesigen Akademie, welchem Lehramt er 1893
entsagte, worauf Karl Marr und der jetzt auch schon
verstorbene Alex. Liezen-Mayer sich darin teilten. Als
die originellste Hauptarbeit des Künstlers kann der
Freskeneyklus in der Kirche zu Weissenborn gelten.
Auch in Entwürfen zu Glasfenstern hat der Künstler
sich, besonders seit Uebernahme der akademischen
Thätigkeit, vielfach bethätigt. Aus früheren Jahren
sei noch eine Reihe von Zeichnungen erwähnt, mit
denen sich Müller an der im Bruckmannschen Verlage
erschienenen »Schiller-Galerie« und dem Bilder-
cyklus zu »Schillers Glocke« beteiligte.
DERLIN. Prof. Friedr. Kallmorgen in Karls-
ruhe wurde als Nachfolger Eugen Brachts an
die hiesige Akademie berufen. — Die Gattin Anton
von Werners, Malwine, geb. Schroedter, eine
Tochter des Schöpfers der bekannten Rheinkompositionen
, ist am 16. Dezember, von einem Schlaganfall
betroffen, plötzlich gestorben. Der Maler
und Kunstschriftsteller Theodor Kutschmann ist
am 18. November nach langem Leiden gestorben.
Zu Quedlinburg am 9. Februar 1843 geboren, war
der jetzt Verewigte zuerst Kaufmann, dann Lithograph
und Zeichner. Illustrationen zu Geibels Gedichten
zählen u. a. zu seinen ersten Arbeiten dieser
theodor KUTSCHMANN
(f 18. November)
Art. Seit 1880 nur noch
künstlerisch und schriftstellerisch
thätig, erwarb
er sich späterhin, in langjähriger
redaktioneller
Mitarbeit an Schorers
Familienblatt, mancherlei
Verdienste um die
künstlerische Veredelung
der Zeitschriften-Illustration
. Auch als Freskomaler
und auf dekorativem
Gebiete war der
Verewigte nicht ohne
Bedeutung. Eine zweibändige
»Geschichte der
deutschen Illustration«,
die von deren jetziger
Renaissance allerdings wenig zu berichten weiss,
ist Kutschmanns letzte grössere litterarische Arbeit
gewesen. — In der Siegesallee ist am
18. Dezember die letzte der Denkmals-Anlagen
enthüllt worden. Es ist die von Martin Wolff
geschaffene Gruppe des Kurfürsten Johann Georg,
mit den Büsten des Grafen Rochus Lynar und des
Kanzlers Lampert Diestelmayr. Der dadurch vollzogene
Abschluss der Ausschmückung der Siegesallee
war dem Kaiser ein Anlass, die dafür von
ihm beschäftigten Künstler zu einem Festmahl um
sich zu versammeln. Auf die dabei von ihm gehaltene
Ansprache, in welcher der Kaiser sich darüber
ausliess, was er von der Kunst der Gegenwart
denkt und seine Anschauungen vom Wesen
und von den Aufgaben der Kunst entwickelte, werden
wir im nächsten Heft zurückkommen. Der Wortlaut
der Rede dürfte durch deren Veröffentlichung
in den Tagesblättern wohl keinem unserer Leser
unbekannt geblieben sein.
P\ÜSSELDORF. Am 5. Dezember verschied der
Landschaftsmaler Heinrich Ludwig Frische.
Am 9. Januar 1831 zu
Altenbruch geboren, war
er zuerst in Hamburg
bei einem Dekorationsmaler
in der Lehre und
besuchte, nachdem er
einige kleinere Reisen
als Porträtzeichner und
Maler unternommen
hatte, von 1858 —1862 die
hiesige Akademie als
Schüler des Professors
Hans Gude, fortan auch
dauernd hier verbleibend
. Seine gut komponierten
Landschaften
meist aus dem Harze,
später auch von der englischen
Küste, aus Tirol,
sind in vielen Galerien,
wie in Hannover, Köln,
Magdeburg, Wien, Rostock usw. vertreten. tz.
heinr. ludw. frische
(f 5. Dezember)
/GESTORBEN: In Wien am 11. November der
Historienmaler Emanuel Kratky, neunundsechzig
Jahre alt; in Danvers (Massachusetts) der
Bildhauer Adolf Kraus; in München am 6. Dezember
der Tiermaler Ludwig Sellmayr, achtundsechzig
Jahre alt, auch als Hersteller virtuos
gezeichneter sogen. Rauchbilder bekannt; ebenda
am 14. Dezember im Alter von zwanzig Jahren die
Malerin Hanna Horst.
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