Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 206
(PDF, 174 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0240
-*-4^> BÖCKLIN IN DER NATIONALGALERIE <^=*>-

Werkes enthält. Aber es fehlt ihr durchaus
die stark persönliche Note, sie ist in
einem klaren, feinen Ton gehalten und
wirkt wie eine Studie nach der Natur.
Vielleicht hat das die Bestellung erleichtert,
denkt man des Hallos, mit dem das Bild
bei seiner Aufstellung in Berlin empfangen
wurde. Erst bei der Durchführung bringt
Böcklin alle die Mittel in Wirkung, die dazu
dienen, den Raum fühlen zu lassen. Alle
Mittel? Nein. Gerade die Auswahl, die er
trifft, ist das, was seiner Kunst ihr eigentümliches
Gepräge giebt. Vor allem verschmäht
er beinahe völlig die reichen und
feinen Hilfsmittel zur Raumgestaltung, die
der modernen Malerei durch den Pleinairismus
erwuchsen. Dass sein scharfes Auge
diese Seite der natürlichen Erscheinungen
nicht unbeachtet gelassen, beweisen seine
früheren Werke. In der Berührung mit dem
italienischen Boden und der Schönfarbigkeit
der Primitiven findet er immer deutlicher
die seiner romantischen Anlage entsprechende
Darstellungsform. Sein Kolorismus wird im
Sinne der poetischen Ausdrucksfähigkeit gesteigert
, aber keineswegs malerisch verfeinert.
Dass Böcklin, wie naive Bewunderer rühmen,
nun dem Himmel, dem Wasser, den Bäumen
und Blumen eine Schönheit der Farbe verleiht,
die nicht von dieser Erde sei, kommt gewiss
der beabsichtigten Märchenstimmung seiner
Bilder zu gute, geht aber auf Kosten der
Schönheit des Kolorits, das nicht in der Intensität
, sondern in der Harmonie der Farben
besteht. Und es geht, wie schon gesagt, auch
auf Kosten der raumbildenden Funktion des
Kolorits, da das Wesen der Luftperspektive
eben in der Dämpfung der Farben durch das
umgebende Medium beruht. So wird er gezwungen
, statt mit zarten Uebergängen, mit
starken Kontrasten zu arbeiten. In den „Gefilden
der Seligen" deckt ein mächtiger Wolkenschatten
den Vordergrund. Blauschwarz
ist das Wasser, schwarzgrün das Laubwerk
der Pappeln und der Gebüsche wie der Rasenstreifen
am Ufer und im rechts ansteigenden
Felsen gähnt eine nachtschwarze Höhle. So
wird das Auge förmlich gedrängt, die sonnige
Ferne zu suchen, die zwischen den Baumstämmen
durchblinkt und durch das kalte
Weiss und die harte Silhouette der Schwäne
im Vordergrund warm und weich erscheint.
Das sind die spezifisch malerischen Mittel,
die, mit der eben berührten gegenständlichen
Anregung sich gegenseitig bestimmend und
ergänzend, die Raumempfindung zu schaffen
haben.

Diese starke einheitliche Wirkung wird für

mein Gefühl wenn nicht gestört, so doch
jedenfalls nicht gehoben durch das Landschaftsidyll
, das sich rechts über der Felswand
aufbaut. Wie der warme Frühlingswind
die weissen Wölkchen über das Himmelsblau
treibt und durch die Weidenkronen bläst,
dass die silbern glänzenden Unterseiten der
Blätter im Lichte blitzen, wie die Sonnenstrahlen
in den dünnen Schatten des Thäl-
chens tupfen, aus dem ein Wässerlein niederrieselt
und an dessen Rand ein Faun sein
Flötenspiel klingen lässt, das ist entzückend
und echtester Böcklin, aber für den malerischen
Effekt des Ganzen ist dieses Stück Erde nicht
zwingend, obwohl die in dem unteren Teil
angeschlagene Stimmung hier noch einmal,
nur weniger festlich rauschend, wiedertönt.
Hierin erscheint die Skizze überlegen, in der
die ganze rechte Seite, ziemlich gleichmässig
dunkel gehalten, neben der hellen Ferne gar
nicht selbständig spricht. Dafür zeigen die
Pappeln ein lichtes, durch den Wolkenschatten
wenig gedämpftes Grün.

Zehn Jahre später hat Böcklin in der „Insel
des Lebens", dem heiteren Gegenstück der
Toteninsel, einzelne Motive und den malerischen
Gedanken der Gefilde wieder aufgegriffen
, ohne ihn indes zu einer konzen-
trierteren oder nur ebenso konzentrierten
Wirkung zu bringen.

(Der Schluss folgt)

GEDANKEN

Du klagst und sagst, es wäre viel
Zu bessern noch auf Erden.
Merk' dir: wenn d u nicht anders wirst,
Wird es nicht anders werden. .

J. Münz

*

VOLKSKUNST

Der Kunstgenuss bleibt stets ein Festtagsschmaus,
Der schliesst Alltägliches von selber aus.
Weil Schwarzbrot oft den Reichen Leckerei,
Glaubt nicht, dass es beim Volke auch so sei!

A. Stier

*

SPÄTE ERKENNTNIS

Jung kann man sich genug nicht thun
An reicher Ueberladenheit,
Doch wird man alt, erkennt man bald,
Die Schönheit ist nur Einfachheit!

Max Bewer

AN EINEN KÜNSTLER

Was willst du, Schöpfer, über Undank klagen?

Ist dir's im ewigen Reifen nicht genug:

statt Frucht zu ernten — Frucht zu tragen?

W. v. Scholz

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