Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 210
(PDF, 174 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0244
-*-s^> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN

pvÜSSELDORF. Die Düsseldorfer Künstler-Verei-
nigung „St. Lukas-Club" hat, wie nun schon seit
einer Reihe von Jahren, auch heuer im Dezember eine
Sonderausstellung bei Eduard Schulte veranstaltet.
Dieselbe ist aus naheliegenden Gründen diesmal
von geringerem Umfang wie gewöhnlich. Die Düsseldorfer
Künstler sind mit Arbeiten für die grosse
nationale Kunstausstellung, die hier im nächsten
Jahre, verbunden mit einer Industrie- und Gewerbe-
Ausstellung stattfinden wird, beschäftigt und es
konnte sich an der diesjährigen Veranstaltung nur
etwa die Hälfte der Mitglieder des St. Lukas-Clubs
beteiligen. Die »piece de resistance« ist ein grosses
Gemälde von Alexander Frenz, für das Gerichtsgebäude
in Essen bestimmt,
für welches Frenz auch
das in der vorigjährigen
Ausstellung des Lukas-
Clubs ausgestellte grosse
Bild »Das bürgerliche Gesetzbuch
« gemalt hat. Das
jetzt zur Schau gebrachte
Bild hat den Titel »Wahrheit
« und stellt sehr eindrucksvoll
eine Gerichtsverhandlung
dar, die in die
Zeit des Mittelalters, in das
vierzehnte Jahrhundert, verlegt
ist. In einer hohen
romanischen Halle sitzt auf
hohem Stufenthrone der
König, in dessen Namen
Recht gesprochen wird. Etwas
unter ihm sitzen, rechts
und links von dem Thron,
die Richter und die Schöffen
in schwarzen Talaren. Auf
dem Boden steht eine Bahre
mit der Leiche eines Ermordeten
, über welche die
Angehörigen sich wehklagend
beugen. Links von
dieser Gruppe steht der des
Mordes Angeklagte, gefesselt
, und bewacht von einem
Geharnischten. Seine Gebärde
drückt die Beteuerung
seiner Unschuld aus. Ihm
gegenüber steht ein Jüngling
, die Hand zum Schwur
erhoben, ein Zeuge der
Blutthat. Das einzige allegorische
in dieser sinnfälligen
Darstellung des mittelalterlichen
Gerichtswesens ist ein von oben herabschwebender
Engel, einen Spiegel in der Hand
haltend, dessen Widerschein das Auge des Angeklagten
blendet. Wenn Frenz in der Art der Darstellung
freie Wahl hatte, so war es ein glücklicher
Gedanke von ihm, ein Bild der älteren deutschen
Gerichtsverfassung zu malen, die in ihren einfachen,
sinnfälligen Formen das Wesen der Rechtspflege,
die hohe Aufgabe der Justiz, die Wahrheit an den
Tag zu bringen und dem Recht zum Siege zu verhelfen
, klar und leicht verständlich veranschaulicht
und so dem Zweck des Gemäldes, als Schmuck
eines Gerichtssaales zu dienen, vorzüglich entspricht.
In dem monumentalen Aufbau des Ganzen, in der
Anordnung der Gruppen und Verteilung der Massen
in Licht und Schatten, zeigt Frenz seine Beherrschung
grosser Flächen. — Von den übrigen Mitgliedern
des St. Lukas-Clubs sind diesmal im ganzen
noch etwa zwanzig Bilder ausgestellt. Professor

jules breton

Jul. Bergmann hat zwei Bilder von starker farbiger
Wirkung in dieser Zusammenstellung, eine am Flussufer
Gänse hütende Frau und ein auf einem Acker
mit einem Ochsengespann pflügendes bäuerliches
Paar; beide Bilder sind vorzüglich schön im Ton.

— Heinr. Hermanns brachte ein sehr interessantes
Rokoko-Kircheninterieur, ein Motiv aus Amorbach
im Odenwalde mit einem besonders bemerkenswerten
kunstvollen Lettner, ausserdem zwei Waldlandschaften
und zwei Winterbilder, alle von grösster
Naturwahrheit in der Stimmung und stark im Ton.

— Der von hier als Lehrer der Landschaftsmalerei an
die Königsberger Akademie berufene Professor Olof
Jernberg ist dem St. Lukas-Club treugeblieben und

hat drei kleinere vorzügliche
Landschaften beigesteuert,
die ungern vermisst worden
wären, da Jernberg in dieser
Ausstellung stets und immer
bedeutend vertreten war.
Auch Eugen Kampf und
Helmuth Liesegang sind
mit besonders für diese
Ausstellung gewählten trefflichen
Bildern vertreten ;
Kampf mit einem ungemein
stimmungsvollen Herbstbilde
und zwei kleineren
charakteristischen niederländischen
Motiven. Helmuth
Liesegang hat mehrere
seiner fein empfundenen
Stimmungsbilder vom Niederrhein
und einige nicht
weniger fein beobachtete und
naturwahr wiedergegebene
Dünen-Motive von der holländischen
Küste, sowie intime
deutsche Waldbilder
hier. Ausser Frenz, der
neben seinem grossen Bilde
noch mehrere interessante
Studien zu dem grossen,
jetzt ausgestellten Bilde und
zu dem im vorigen Jahre
gemalten ersten Bilde für
dasselbe Gerichtsgebäude
und Pastellporträts ausstellt,
hat nur Peter Philippi
ein Figurenbild gebracht,
den originellen Kopf eines
älteren weiblichen Wesens,
dessen altjüngferliche Züge
mit liebenswürdigem Humor
, meisterhaft gemalt, wiedergegeben sind. Trotz
des geringeren Umfangs findet auch diese Ausstellung
des St. Lukas-Clubs das diesen Veranstaltungen stets
entgegengebrachte Interesse. tz.

DUDAPEST. Winterausstellungen. Im Nemzeti-
Salon, welcher den Reigen der Ausstellungen
eröffnete, hat sich mit dem Wechsel in der Leitung
auch ein Systemwechsel eingestellt; anstatt der
früheren periodischen Ausstellungen wurde eine
permanente eingeführt. Dadurch, dass sich nunmehr
unsere Künstler lebhafter an den Ausstellungen beteiligen
, hat auch das Ueberwuchern der Dilettantenarbeiten
aufgehört. In der vor kurzem eröffneten
Ausstellung ist es allerdings nur ein Bild von
Stefan Csok, welches unser Interesse erweckt:
»Der Erlöser«. — Ein recht schwer zu verstehendes
Bild, welches aber durch vorzügliche Farbe und tiefe
ernste Stimmung sich auszeichnet. — Was sonst

studie für das bild
«« »appel du soir« ««

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