Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 225
(PDF, 174 MB)
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-sr4g5> NEUE SKULPTUREN VON MAX KLINGER <^*-

für die wohlgeformte Hand. Seelisch bietet
das Werk wenig, aber mit feinstem Formgefühl
sind Kopf und Hand in voller Natürlichkeit
wiedergegeben und die prachtvolle
Transparenz des schimmernden Marmors
kommt in den grossen und doch weichen
Formen köstlich zur Geltung.

Die Vielfarbigkeit der Plastik, welche
Klinger — im Gegensatz zu Hildebrand —
so warm für die Plastik in Anspruch nimmt,
zeigt am entschiedensten von den hier abgebildeten
Werken die Büste der Schriftstellerin
E. Asenijeff (S. 226). Von der Pracht der
buntfarbigen Gesteine, aus denen im Gegensatz
zu Brust und Angesicht Gewand und
Haar gemeisselt sind, giebt die Abbildung
einen vollen Begriff, mag hier auch das Gewand
etwas schwer erscheinen.

Einen Ausflug in die angewandte Kunst
hat Klinger sodann mit seinem Leda-Relief
(S. 221) unternommen. Auch dieses gehört in
die Gruppe seiner plastischen Werke, welche
seine Kunst und seine Lust, in den engsten
Raumverhältnissen seine Bildnerkraft zu erproben
, bekunden. Die kleine Marmorplatte
war nur ein Rest von der Stufe, aus welcher
er den Oberkörper der Amphitrite schuf.
Den oberen Rand belebte er mit vollem Laubwerke
, in dem Hohlraum darunter ruht eng
zusammengebeugt der Körper der Leda mit
ihrem Schwan und Glühlämpchen, die im
Laubwerk versteckt sind, werfen auf die
Glieder geheimnisvolle Lichter.

Im Gegensatz zu diesen Gestalten, die mit
feinster Berechnung aus der Beschränkung
des Materials geboren sind, zeigen die beiden
letzten Werke eine köstliche Freiheit: das
(hierunter abgebildete) Mädchen in Bronze,
das auf dem Steine liegend, so behaglich und
mit so viel natürlicher Anmut seine schlanken
Glieder streckt, war ursprünglich für ein kleines
Becken komponiert, für das der Künstler
eine krystallisierte Flüssigkeit zu schaffen
vergeblich sich gemüht hat. Wie wir es hier
sehen, wirkt es noch freier und lebendiger. Als
ein erfreulicher Beweis endlich, dass Meister
Klinger auch der Humor nicht fremd ist, kann
die Gruppe der drei Tänzerinnen (S. 224) gelten
, die sich im übermütigen Reigen um den
kleinen Amor drehen, der unentwegt auf
seinem Töpfchen das Waldhorn bläst.

Max Klinger ist, wie die grossen Meister
der Renaissance, ein Universalkünstler: schon
von Anbeginn seiner künstlerischen Laufbahn
schuf er sowohl mit dem Pinsel wie mit der
Radiernadel gleich Grosses. Es war nur selbstverständlich
, dass er, der mit so begeisterten
Worten für die Darstellung des menschlichen
Körpers durch die Kunst eintrat, auch ein
Bildhauer werden musste, und nicht minder
selbstverständlich ist, dass die Begeisterung
für die Herrlichkeiten des Marmors ihm nicht
bloss das Modellierholz, sondern auch vor allem
den Meissel in die Hand drückte zu eigenhändiger
Bearbeitung des Steins. Was er aber
schuf auf diesem Gebiete, zeigt neben kraftvoller
Gesundheit und monumentaler Grösse
nicht minder die Eigenart und Selbständigkeit
persönlichen Stils, die wir an allem bewundern
, was aus Klingers Werkstatt hervorgeht.

Paul Schumann

SELBSTWÜRDE

Am Herzen manchen Künstlers zehrt
Der Ehrgeiz wie ein Brand,
Dass, wenn man froh die Grössten ehrt,
Nicht er wird mitgenannt.

O fühl' dich frei von dieser Qual,
Wenn du nur selbst was bist,
Der Rose ist es ganz egal,
Wie gross der Eichbaum ist.

Max Bewer

MAX KLINGER fec.

Die Kirnst für Alle XVII.

225

2-.I


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