Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 242
(PDF, 174 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0280
EUGENE BURNAND C^=^

sich die Vorstellung von einer Persönlichkeit
ohne weiteres; schwieriger ist es schon, eine
solche in Schöpfungen zu finden, deren Urhebersein
höchstesZiel darin erblickt,dieNatur
möglichst wahr zu sehen und darzustellen,
weil gar viele Künstler dieselbe Absicht haben.
Wer aber aus der grossen Masse der Wahrheitssucher
die Aufmerksamkeit der Beschauer
in der Weise auf sich zu ziehen weiss, wie
es Burnand gethan den wird man selbst
dann als Persönlichkeit ansprechen müssen,
wenn man nicht in der Lage ist, sich aus der
Kenntnis seines Lebenswerkes eine zureichende
Vorstellung von seiner Besonderheit zu verschaffen
. Je mehr Einblick man jedoch in
die künstlerische Thätigkeit des Schweizer
Malers erlangt, je besser man den Umkreis
seiner Bestrebungen kennen lernt, um so
leichter wird sich nachweisen lassen, warum
man Burnand auch in einzelnen Werken als
Persönlichkeit von seinem ersten Auftreten
an empfunden hat.

Den ersten starken Eindruck von der Künstlerschaft
Burnands hatte man in Deutschland
Mitte der neunziger Jahre von seinem „Bauer",
einem vorzüglichen Pleinairbilde, das erst in
Schultes Salon in Berlin, darauf im Münchener
Glaspalast ausgestellt war. Dann erregte im
Januar 1898 die „Flucht Karls des Kühnen"
in demselben Berliner Salon eine durch Her-

EUGENE BURNAND DIE MUTTER DES

KÜNSTLERS « « «

man Grimms kurz vorher in der „Deutschen
Rundschau" veröffentlichten Aufsatz über den
Künstler noch gesteigerte Aufmerksamkeit.
Und endlich bot eine im Winter 1899 ebenfalls
in Schultes Salon veranstaltete Kollektiv-
Ausstellung von Burnands Werken Gelegenheit
, ein Urteil über die verschiedenen Phasen
der Entwicklung des Schweizer Meisters zu
gewinnen. Ausser jenem feinsinnigen Aufsatze
Herman Grimms liegt eine im Oktoberheft
1899 der Schweizer Zeitschrift „Le foyer
domestique" erschienene Studie von Joseph
Autier, die in sachverständiger und ausführlicher
Weise, ebenso anschaulich wie sympathisch
, das Leben und Wirken des Künstlers
darstellt, als Litteratur über ihn vor.

Eugene Burnand befindet sich ungefähr in
demselben Alter wie Liebermann, Uhde und
Trübner, die für Deutschland das bedeuten,
was er für die Schweizer Kunst bedeutet.
Er ist 1850 in Moudon im Kanton Waadt geboren
, genoss aber in Schaffhausen, wo er das
Gymnasium besuchte, eine durchaus deutsche
Erziehung. Und als er von 1868 bis 1871 das
Züricher Polytechnikum absolvierte, um sich
zum Architekten auszubilden, waren zwei berühmte
Deutsche seine Lehrer: der unver-
gessliche Gottfried Semper und der hochgemute
Gottfried Kinkel, bei dem er Kunstgeschichte
hörte, und die beide als Lehrer
und Menschen den tiefsten Eindruck auf den
jungen Mann machten. Allein die eigentliche
Neigung Burnands gehörte der Malerei, und
so sattelte er eines schönen Tages um und
trat als Schüler in das Atelier von Barthelemy
Menn in Genf ein. Dieser Künstler, der ein
ausserordentlich gebildeter, in seinen Anschauungen
höchst origineller Mann und ein
Schüler des neuerdings wieder so sehr geschätzten
Ingres war, dessen strenge Prinzipien
er nicht nur hoch hielt, sondern auch
weiter zu verbreiten suchte, wies ihn mit
Beharrlichkeit auf die Wichtigkeit des Zeichnens
für die Malerei hin und legte so den
Grund für das tüchtige Können Burnands.
Das Jahr 1872 findet den jungen Schweizer
bereits in Paris, wo er in das Atelier Gerömes
in der Ecole des Beaux-Arts eintritt und Verkehr
mit seinem berühmten Landsmann Gleyre
unterhält. Seine Schwärmereien im Louvre
sind Rembrandts „Jünger von Emmaus", Raf-
faels „Castiglione" und die Primitiven. Er
macht häufig Studienreisen nach Südfrankreich
, verbringt aber den Sommer ziemlich
regelmässig auf der Besitzung seiner Eltern
in Sepey bei Moudon. Dieses friedliche und
ländliche Stückchen Erde mit seinen Wiesen
und Wäldern, mit den Dörfchen, die zwischen

242


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0280