http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0284
-sr4^> EUGENE BURNAND -C^s^
langt, die mit ihren Schneebergen und der
schönen roten Kuh auf grüner Weide auf
vielen Giebeln in deutschen und französischen
Städten zu finden ist. Mit zwei anderen
Künstlern inalte Burnand 1892 das Panorama
der Berner Alpen, das man noch 1900 im
„Schweizerdorf" der Pariser Weltausstellung
sah, und das ein schöner Beweis für die
Wirksamkeit der Zerlegung der Tonalität in
ihre Bestandteile gerade für derartige Arbeiten
ist. Die Illusion von Luft und Sonne kann nicht
vollkommener sein. Das Jahr 1894 brachte
gar drei hervorragende Bilder des Künstlers
, jenen „Bauersmann" (S. 245), der in der
heissen Mittagssonne des Herbstes seine beiden
Ochsen über eine Dorfstrasse führt; „Die
Ruhe der Hirten" (Motiv aus Languedoc) und
„Die Flucht Karls des Kühnen nach der
Schlacht bei Murten" (S. 243), von der Her-
man Grimm meinte, sie sollte nur „Flucht"
heissen, weil sie über den historischen Fall
weit hinausgehe und alles enthalte, was man
unter dem nackten Worte „Flucht" sich denkt.
Ein ausgezeichnetes Bild „Die Berner Alpen",
von St. Beatenberg aus gesehen, steht 1895
neben dem ersten Versuch auf dem Gebiet der
religiösen Malerei „Der hl. Franz von Assissi
segnet die Schafe", der in Fontfroide bei Montpellier
gemacht wurde, wo auch die anderen
religiösen Bilder Burnands entstanden sind.
„Das Einbringen der Herde" (1895), das dekorative
Gemälde „Landknechtsgruppe" (1896)
und das ein schönes luminaristisches Problem
behandelnde Bild „Der Hirt" (1898) (S. 259)
sind nebst einigen vortrefflichen Porträts die
letzten Werke Burnands in der realistischen
Richtung.
Der Künstler ist als Illustrator kaum minder
bedeutend denn als Maler. Seine Radierungen
in der bei Hachette-Paris erschienenen Luxus-
Ausgabe von Frederi Mistrals „Mireio" gehören
zu den schönsten Gaben der Illustrationskunst
überhaupt. Wie eine leise Musik begleiten
sie die Worte des Dichters und zaubern dem
einsamen Leser dazu die blühende Anmut
der Landschaft der liederreichen Prouven^o
vor die Seele. Auch eine Ausgabe der
Contes de Daudet ist von Burnand mit Radierungen
geziert. In die Geheimnisse der
Radiertechnik hatte ihn sein Schwiegervater,
der ausgezeichnete Paul Girardet eingeweiht.
Illustriert hat der Künstler ferner die in
246
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0284