Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 248
(PDF, 174 MB)
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-sr-^> EUGENE BURNAND -C^=^

und auch der „Schmerzensmann" besonders
teuer, aber sie stehen in malerischer Beziehung
seinen Bildern profanen Inhalts bedeutend
nach. Die Farben sind trübe, schwer
und trocken, und trotzdem beide Bilder in
einer gewissen Beziehung originell sind, haftet
ihnen etwas Hergebrachtes an, das man gerade
bei einer so souverän ihre Mittel beherrschenden
Künstlernatur nicht gern sieht.
Und in dem „Verlorenen Sohn" kommt die
Absicht des Künstlers, auszudrücken, welch
ein unvergleichliches Glück der Besitz eines
Vaterhauses auch für den Elendesten ist, nicht
so klar zum Ausdruck wie es nötig wäre, um
dem Bilde neben anderen hervorragenden, dasselbe
Thema behandelnden Schöpfungen eine
besondere Stellung zu geben. Diese religiössymbolischen
Bilder Burnands mögen einem
innerlichen Bedürfnis ihre Entstehung verdanken
— die eigentliche Begabung des Künstlers
liegt auf dem Gebiet, dem er sich jetzt
bewusst abwendet. Indessen wird man einem
so ernsthaften und hochstrebenden Maler auch
da, wo er zu irren scheint, die Achtung nicht
versagen. Vielleicht ist es unsere Schuld,
dass wir nicht fühlen, was er gefühlt hat,
vielleicht liegen uns die besten Gedanken der
christlichen Religion zu fern, vielleicht ist
uns die Malerei zu sehr Augenkunst geworden.
Jedenfalls hat Burnand als Maler und Charakter
Anspruch auf die Sympathien, die man nur
jenem kleinen Kreise zollt, in dem mit dem
Einsätze des ganzen Menschen um die Kunst
gekämpft wird.

APHORISMEN

Kunst nur für Eingeweihte, wenn sie nicht ein
Ferienzeitvertreib, ist der müssiggängerische Wahnwitz
der eitelsten Selbstsucht.

*

Laie dem Schönen gegenüber bleibt niemals, wer
lebensvoll und begeisterungsfähig ist.

Die lokale Färbung eines Kunstwerkes macht,
dass dasselbe mit dem Wiegenliedzauber unserer
Muttersprache zu uns redet.

Die Kunst soll die Natur weder abschreiben noch
ersetzen. Frei schaffend soll sie uns von ihr in
durchgeistigtem Ausdruck wahrheitsgetreu erzählen.

*

Für Kunst und Leben werden heute zahlreiche
Zeitschriften gegründet . . . Für Dunst und Leben -
das wäre ein sinniger Druckfehler.

*

Die Kunst im Dienste der Mode wird zu einer
Marionette der Eitelkeit, die Kunst im Gefolge der
Politik zur Maitresse des Ehrgeizes.

*

Die Beschreibung von Gegenden, die man nicht
kennt, oder ein schwärmendes Reden über Gemälde,
die man nicht sah, beides wirkt gespensterartig.
Kunst und Natur haben die Kraft des Lebens für
alle nur in ihrer unmittelbaren Beziehung zu jeder
besonderen Menschenseele.

Aus „Greift nur hinein . . . ."
Neue Aphorismen von Georg von Oertzen
(Heidelberg, Carl Winters Univ.-Buchhdlg.)

EUGENE BURNAND IM FREILICHT MALEND

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