Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 263
(PDF, 174 MB)
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^-ss5> VON AUSSTELLUNGEN PERSONAL-NACHRICHTEN -

immer vervollständigt wurde. Gleichen hat mit
diesem Geschenk an das Museum die Absicht verbunden
, ein übersichtliches Bild seines Lebenswerkes
zu schaffen. Nachdem der Sohn des Verstorbenen
, Freiherr Alexander von Gleichen-Russwurm
, dankenswerterweise nun auch sämtliche
Skizzenbücher seines Vaters dem Museum zum
Geschenk machte, besitzt dieses eine so umfangreiche
und, in Bezug auf den Entwicklungsgang
des Verstorbenen, so vollständige Sammlung seiner
Werke, wie sie von anderen Künstlern in gleicher
Vollständigkeit kaum zu finden sein dürfte. r.

PERSONAL- UND

ATELIER-NACHRICHTEN

FRANKFURT a. M. Otto Scholderer, der besten
einer aus dem Kreise der älteren Frankfurter
Künstlergeneration, ist hier am 23. Januar d. J. im

nicht ganz vollendeten

achtundsechzigsten
Lebensjahre gestorben.
Er hat gleich Goebel
und Burnitz und seinem
Schwager Victor Müller
zu den Frankfurter Künstlern
gehört, die am koloristischen
Aufschwung
der deutschen Schule in
den sechziger und siebziger
Jahren in hervorragendem
Masse beteiligt
gewesen sind. Dabei
hat das allen den Genannten
gemeinsame
französische Penchant
auch ihn vorzugsweise
geleitet. Er hat, nachdem
er 1849 bis 1851
den Unterricht des Städelschen Instituts bei Passavant
und Jakob Becker genossen, ernsten und eindringlichen
Studien in Paris obgelegen. Besonders
nahe schloss er sich dort an Fantin-Latour an, mit
dem er bis an sein Ende in freundschaftlichen Beziehungen
gestanden hat. An Fantin erinnert auch
manches in seiner subtilen, zarten, im Porträt zuweilen
etwas verblasen wirkenden Technik: sie kennzeichnet
in alle Wege die feine, verinnerlichte Art
seines künstlerischen Empfindens, die ihm später
auch in England während eines Aufenthaltes von
zwanzigjähriger Dauer Freunde und vielfache Anerkennung
erwarb. Als Scholderer sich vor etwa
zwei Jahren, von England zurückgekehrt, in Frankfurt
aufs neue niederliess, gab uns eine von ihm
veranstaltete Ausstellung im Kunstverein Gelegenheit
zu einer näheren Würdigung seines künstlerischen
Wirkens, das sich nach verschiedenen
Seiten, nicht nur im Porträtfach, sondern auch im
Figurenbilde, und — was uns hier in den letzten
zehn Jahren am häufigsten begegnete — in einer ganz
eigenartigen Stilleben-Malerei bethätigt hat. Wie es zuweilen
im alten Holland vorkam, so hat auch er mit
seinen Stilleben nicht in glänzenden Dekorationsstücken
, sondern umgekehrt in gänzlich anspruchslosen
Arrangements von Blumen, oder Früchten oder
Tischgerät ganz entzückende Dinge hinzustellen ge-
wusst, in einer niemals aufdringlichen, immer massvollen
und doch ganz brillanten farbigen Wirkung.
Mit Recht ist von Scholderer gesagt worden, dass er
ein Mann war, der wartete, bis man ihn aufsuchte. In
dieser Zurückhaltung der Persönlichkeit lag zugleich
ihre Stärke: seine Bilder haben wohl nie einen eigent-

otto scholderer
(f 23. Januar)

liehen Kurswert auf dem Markte gehabt, um so gewisser
wird ihnen der ideelle Wert des reinen und
echten Kunstwerks erhalten bleiben. |#-

TJAMBURG. Der in der Konkurrenz um das
*^ „Bismarck-Denkmal" mit dem ersten Preise
gekrönte Entwurf »Dankesopfer« (Bildhauer Hugo
Lederer, Architekt Emil Schaudt) wurde in einer
vorberatenden Sitzung des engeren Ausführungskomitees
zwecks Weiterempfehlung an das grosse
Komitee am 18. Januar angenommen und seitens
dieses letzteren Komitees, das zu einer abschliessenden
Sitzung am 25. Januar zusammentrat, endgültig
und unwiderruflich den beiden oben genannten
Künstlern zur Ausführung übertragen. Als Material
für Unterbau und Standfigur wurde »womöglich
deutscher, jedenfalls aber bester Granit, ohne Rücksicht
auf die Kosten« festgesetzt. Die Fertigstellung
des Unterbaues dürfte zwei, die der Standfigur zweieinhalb
bis drei Jahre in Anspruch nehmen. An
Mitteln zur Ausführung des Denkmals stehen zur
Verfügung 426538 M. W.

JV/IÜNCHEN. In dem am 19. Januar im Alter von
dreiunddreissig Jahren verstorbenen Bildhauer
Emil Dittler ist der Münchener Kunst wieder
ein hoffnungsvolles, schaffensfreudiges Talent durch
frühzeitigen Tod entrissen worden. Aus Pforzheim
gebürtig war Dittler an der hiesigen Akademie
Schüler von Prof. S. Eberle und nach einem mehrjährigen
Aufenthalt in Italien, in welcher Zeit u. a.
ein selbst vom Künstler in Marmor ausgeführtes
Grabmal für seine Familie entstand, seit ungefähr
sechs Jahren dauernd wieder in München ansässig.
Ein Bismarck-Denkmal für seine Vaterstadtund einige
weitere Grabdenkmäler für Pforzheimer Familien
(zum dekorativen Schmuck eines solchen gehören
die a. S.262 nach den Entwürfen abgebildeten Reliefs),
eine Reihe kraftvoll eleganter Bronzen, von denen
eine, »Bogenschütze«, von der hiesigen Glyptothek
erworben wurde, ein Medusen-Relief (Abb. a. S. 340
d. XIII. Jahrg. d. Z.), das Porträt-Medaillon seines
gleichfalls frühverstorbenen Freundes P. Hetze
(Abb. S. 410 d. XVI. Jahrg.) und schliesslich der
ihm nach einer Konkurrenz zur Ausführung in Auftrag
gegebene und in den Modellen vollendete
Monumentalbrunnen für Weissenburg sind aus dem
Lebenswerk des Verewigten zu nennen. Dittler war
Mitglied der Münchener »Secession«.

pvÜSSELDORF. Am 26. Januar ist der Landschafts-
maier Carl Ludwig Fahrbach, einer der
letzten noch übriggebliebenen Schirmer-Schüler, gestorben
. Geboren 1835
zu Heidelberg, kam
Fahrbach im Anfang
der fünfziger Jahre
nach Düsseldorf und
begann seine Studien
auf der königlichen
Kunstakademie. In
der Landschaftsklasse
wurde er Schüler Joh.
Wilhelm Schirmers.
Darnach ging er zur
weiteren Ausbildung
nach München, kehrte
aber bald nach dem
ihm liebgewordenen
Düsseldorf zurück, wo
er seinen ständigen
Wohnsitz nahm. Seine ludwig fahrbach
Waldbilder, meist Mo- (f 26. Januar)

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