Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 268
(PDF, 174 MB)
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-^2s^> GUSTAVE MOREAU <^=s>-

Schönheit, wie „Galatea" und „Venus".
Immer aber ist es ihm, wie Muther sagt,
„die mysteriöse Kraft der Verderbtheit und
der Versuchung, die Dienerin des Satans,
der Geist des Bösen". Leda, Europa, Delila,
Medea, die Töchter des Thestius, Galatea,
Messalina, Pasiphae, Ariadne, Lucretia, De-
janira, Semele, die Sphinx, Andromeda, Eva,
Judith, Circe, Susanna, Omphale, Kleopatra,
die Sirenen, Sappho, so lauten die Unterschriften
der hierher gehörenden hauptsächlichsten
Werke Moreaus.

Zwei Frauengestalten vor allen zogen ihn
an, in immer neuen Varianten lässt er sie
vor uns erstehen: die jüdische Salome, die
ihm das dämonische Weib des Orients, die
Helena der Trojaner, die ihm das der hellenischen
Antike verkörpert. Vielfach hat er
die erste dargestellt, Salome an der Säule,
Salome im Garten, Salome im Gefängnis und,
die bedeutendsten Bilder, die auch hier abgebildet
seien: der Tanz der Salome (Sammlung
Mante) und „Die Erscheinung" (Luxembourg-
Museum). Im Halbdunkel seines riesenhaften
Palastes, unter gewaltigen Wölbungen, die
von mit schillernden Metallen bekleideten
Onyxsäulen getragen werden, sehen wir auf
dem letzten Bilde Herodes, sitzend auf goldenem
Thron, starren Blickes, schier erdrückt
von der Last seiner Satrapen-Tiara. Zu den
Klängen der Guitarre, die von einer schlaftrunkenen
Sklavin gespielt wird, tanzt vor
ihm Salome. Sie ist fast nackt. In der Aufregung
des Tanzes (in dessem Beginn sie
auf dem anderen Bilde erscheint) haben sich
die Kleider gelöst, die Goldstoffe sind herabgefallen
. Nur noch mit dem Goldschmuck
und den durchsichtigen Juwelen ist sie behangen
. Mit weit geöffneten Augen, eine
Hand krampfhaft auf den Busen gepresst,
stösst sie mit einer Gebärde des Entsetzens
die Vision zurück: das abgeschlagene Haupt
des Johannes, das, von einer Glorie umwoben,
in der Luft schwebt, und die kalten, starren
Augen auf die Tänzerin heftet. Auch
„Helena" ist für Moreau ein Werkzeug in
der Hand des Fatums. Kalt und gefühllos,
mit keinem Blick für die Krieger, die, um
sie kämpfend, dicht vor ihren Füssen sterben,
sehen wir sie auf den Wällen Ilions schreiten.

Im Moreau-Museum, wo sich die Mehrzahl
seiner soeben erwähnten Werke vereinigt findet,
begreift man am ehesten die eigenartige Bedeutung
des Meisters. Aus einer vermöglichen
Familie stammend, nicht genötigt für seinen
Unterhalt zu sorgen, war Moreau auch nicht
darauf angewiesen, sich seiner Werke durch
Verkauf zu entäussern. Einige wenige Kunstfreunde
nur, wie wir sie z. T. eingangs genannt,
dürfen sich des Besitzes einer Reihe seiner
Schöpfungen rühmen, den grössten Teil derselben
behielt er bei sich und als der 1826 ge-

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