Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 298
(PDF, 174 MB)
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WIENER AUSSTELLUNGEN -C^=^

Luft und Farbenharmonien verwandeln kann,
dann ist er ein Meister seiner Kunst geworden.
Ein solches Dokument innerster Weltenempfindung
ist die Frauengestalt, welche lässig
in einen Fauteuil gelehnt, ihr fein modelliertes
Antlitz dem Zuschauer zuwendet. In eine
vibrierende Atmosphäre ist das Bild getaucht,
eine .zitternde, hingehauchte Harmonie in
Grau. Die graue Tüllwolke der Toilette
wertet sich auf dem Grau des Fauteuils,
welches in das flimmernde spielende Grau
des Hintergrundes verhuscht. Die elfenartige
Pinselleichtigkeit Klimts schafft auch die
lyrischen Naturmomente, welche eine so weich
musikalische Harmonie besitzen. Seine Landschaftsmotive
bewegen sich dieses Jahr in
keiner neuen Richtung.

Karl Moll bringt vier Landschaften, ein
Motiv Nadelwald, dann eine Stimmung-Abend-

NIC. GYSIS del.

sonne, einen Abend und eine Dämmerung.
Man sieht schon aus der Motivenangabe,
in welcher Richtung sein Schaffen sich dieses
Mal bewegt. Es ist feinste Differenzierung
der durch den Wechsel der Tageszeiten veränderten
Naturstimmungen. Die so gar nicht
auf den Effekt gemalten Bilder setzen sich
aus einer Fülle still und wahr empfundener
Schönheiten zusammen. Intime Nuancen,
die nur ein poetisches Erfassen jener süssesten
und melancholischesten Tagesstunden
des Ueberganges vom Tag zur Nacht ermöglicht
, verleihen den Bäumen, den
Wiesenplänen, den Gewässern eine weiche
Traumhaftigkeit. Das Regungslose dieser
Abschiedsstunde weiss Moll durch die Stille,
welche er der durchströmenden, alles um-
fliessenden Luft zu geben vermag, so auszudrücken
, dass man den leisen Atemzug
der einschläfernden Natur zu spüren vermeint
. Der Weg, von dem im Meister
befangenen Schindler-Schüler über die Aufpeitschung
einer im Norden erworbenen
festen und klaren Naturalistik hinweg, durch
die Farbe, Sonne und Licht lehrende impressionistische
Wiedergabe hindurch bis zu der
Abgeklärtheit einer eigenen Naturerfassung;
dies ist eine Entwicklungsetappe, wie sie
nur ein Künstler, der auch ein Denker ist,
durchmachen kann. Andri bringt wieder seine
lauten, bunten Volkstypen, er ist sehr farbig,
sehr kräftig, sehr fröhlich. Jettmar, der immer
die Dramatik in der Natur zu gestalten suchte,
hat diesmal durch ein Thema, das ihm besonders
lag, viel Erfolg errungen. Drei Gewitterstimmungen
gestaltet er immer in
anderer Beleuchtung und unter anderen Bedingungen
wirkend und löste dieses Problem
in interessanter Weise. Bernatzik bringt
ein dekoratives Panneau für einen in Blau
gestimmten Raum die Flamme. Sehr
geistvoll ist die Tönung des Bildes in jener
mystischen, letzten Farbenausstrahlung einer
lodernden Flamme, in dem bläulich schimmernden
Schein der spitzen Feuerzacke
gehalten.

Wenn wir von Wienern noch Maximilian
Lenz, List, Nowak, Stöhr, Myrbach,
Jäger, König als Landschafter erwähnen
und die vielversprechenden Leistungen Ilse
Conrat's, einer ganz jungen Schülerin Van
der Stappens, die durch die Kraft ihres
Temperaments und die Reife ihres Könnens
auffällt, gedenken, sowie auch der in ihrer
Einfachheit so rührenden Grabesfigur Canci-
anis, so haben wir, wenn auch leider nur
im Fluge, die hauptsächlichsten Leistungen
der Wiener Secessionisten erwähnt. Der

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