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-*-435> PERSONAL-NACHRICHTEN VON AUSSTELLUNGEN
DÜSSELDORF. Der ausgezeichnete Tiermaler
Ludwig Beckmann feierte am 21. Februar in
voller Rüstigkeit und Frische seinen achtzigsten
Geburtstag. In Hannover am 21. Februar 1821 geboren
, gehört Beckmann seit einem halben Jahrhundert
zur Düsseldorfer Künstlerschaft. Er schuf
hier eine Reihe vorzüglicher Tierstücke, meist für
englische Kunstfreunde, und ist zugleich als Illustrator
von Büchern und Zeitschriften, zu welchen
Bildern er zumeist auch den Text schrieb, in hervorragender
Weise thätig gewesen. tz.
1V/TÜNCHEN. Im Wettbewerb um die Ausmalung
des Rathaussaales zu Wasserburg hat sich die
Jury in ihrem Urteilsspruch dahin geäussert, dass der
Entwurf des Malers Max von Mann-Tiechler
der zur Ausführung geeignetste und dem Prinzregenten
zur Genehmigung vorzuschlagen sei.
GESTORBEN: In Dresden am 12. Februar, sechsundsiebzig
Jahre alt, der Kunstschriftsteller
Friedrich von Bötticher, der Herausgeber des
erst jüngst (H. 5 d. 1. Jahrg.) als vollendet von uns
angezeigten ausgezeichneten Nachschlagebuches
»Malerwerke des neunzehnten Jahrhunderts«; in
New York am 19. Februar der Landschaftsmaler
Albert Bierstadt; in Nizza Ende Februar der
französische Kupferstecher Marcelin - Gilbert
Desboutin.
nicolaus gysis
VON AUSSTELLUNGEN
UND SAMMLUNGEN
C TUTTGART. Am 15. Februar fand die Eröffnung
^ der „Schwäbischen Kunstausstellung" statt, die,
wie schon früher auch hier erwähnt, der Württembergische
Kunstverein zur Feier seines fünfund-
siebzigjährigen Jubiläums veranstaltet. Die Vorführung
des Ganzen wird in drei Abteilungen vor
sich gehen. Freilich wäre eine geschlossene Darbietung
der nunmehr etwas zerrissenen Ausstellung
vorzuziehen gewesen, schon der interessanten Totalwirkungwegen
, allein der Kunstverein hätte in diesem
Falle sich gezwungen gesehen, fremde Räume aufzusuchen
und viel — Geld dafür auszugeben. Das aber
wollte der Kunstverein sowohl als sein trefflicher
Leiter, Prof. Stier, vermeiden, denn die Ausstellung
soll eine Art Benefizausstellung, ein Ausdruck des
Dankes an die Künstlerschaft, bedeuten und so galt
es, die Mittel zusammen zu halten. Auf diese Weise
sind insgesamt 48000 M. verfügbar zu Ankäufen,
eine recht stattliche Summe und der Württembergische
Kunstverein erscheint gewissermassen als
»das Mädchen aus der Fremde«, er
»Teilte jedem eine Gabe.....
Und jeder ging beschenkt nach Haus.«
Eine Frage von ganz besonderem Interesse ist
die: Trägt diese Ausstellung wirklich
einen spezifisch nationalen Charakter,
prägt sich in ihr so etwas aus wie
schwäbische Eigenart, jene sonderbare
Mischung von »gutmütig und tückisch«,
die Nietzsche den Deutschen im allgemeinen
, ganz besonders aber den
Schwaben zuschreibt. Wir glauben,
dass ein Specificum alemannicum auf
unserer Ausstellung nur bei wenigen
gefunden werden kann, am meisten
vielleicht in den Bildern von Kornbeck
, Käppis, Drück, Kielwein; allein
Fernstehende sehen hierin schärfer
und würden, trotz allem Internationalismus
in unserer heutigen Malerei,
eine gewisse besondere Art der Empfindung
auch an sonstigen Bildern entdecken
können. Freilich keine leichte
Aufgabe bei dem grossen Zuzug von
fremden Künstlern in den letzten
Jahren. Auffallend ist der Mangel an
grossen Bildern, man hielt durchweg
sein Format in bescheidenen Grenzen.
Dagegen fehlt es nicht an einzelnen
hervorragenden Werken und als das
reifste, vollendetste unter diesen darf
wohl Otto Reiniger's »Landschaft«
bezeichnet werden, jener prächtige
Sommernachmittag, mit den Eichen
im Vordergrund, mit seiner schönen
Fernsicht und den weissen, mächtig
sich ballenden Wolken am blauen,
sonnigen Himmel. Den Münchnern
ist es ein wohlbekanntes Bild; es hat
dort im vergangenen Jahre die erste
goldene Medaille erhalten. Es ist so
recht ein Werk aus der Freude an der
Schönheit herausgeschaffen, eines jener
seltenen Bilder, die Künstlern und Publikum
in gleichem Masse gefallen.
Und es ist auch in seinen Linien gross
und mächtig aufgebaut, eine deutliche
Belehrung für alle diejenigen, welche in
tanzstunde
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