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-sr4££> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN
Kabinett ist da, mit teilweise recht guten Arbeiten, unter
denen wir die Namen Lauxmann, Heini Rath,
Missfeld, Laiblin,Elise Drück,Jung, Lebrecht,
Palmer, Max Weber nennen wollen. Im Vestibül
ist ein silberner Brunnen zu sehen, von Otto Rieth
entworfen und von Amberg (Heilbronn, Bruckmann)
modelliert, welcher auch in der Pariser Weltausstellung
zu sehen war und die Kleinigkeit von
80000 M. kostet. Im übrigen ist die Plastik fast
nur durch kleinere Arbeiten vertreten und zwar durch
zwei kleinere Figürchen von Rheineck, ferner
durch Kiemlen, Karl Donndorf jr., Scharrath
und Gimmi. H.T.
DRESLAU. Das
Schlesische
Museum der bildenden
Künste er-
warbdankderFrei-
gebigkeitseiner oft
bewährten Gönnerin
, Fräulein Marie
von Kramsta auf
Muhrau, ein bedeutendes
Jugendwerk
Wilhelm
Leibl's aus dem
Jahre 1867. Es ist
der Studienkopf
eines blinden alten
Bauern,von machtvoller
Grösse der
Auffassung und
koloristisch überaus
reizvoll.
Welcher Brunnen
dereinst den Platz
vor dem Universitätsgebäude
zieren
wird, wurde schon
kurz erwähnt.
Wenn man im definitiven
Entscheid
über den dafür erlassenen
Wettbewerb
schon nicht
auf die Brücke treten
wollte, die gedankenreiche
Skizze Christian
Behrens'.
der
NICOLAUS GYSIS
man den ersten
Preis nicht hatte
vorenthalten können
, unter der
Hand des Meisters
sich ausreifen zu lassen, so muss die jetzt getroffene
Wahl auf allgemeine Zustimmung rechnen. Wir
dürfen die Erwartung hegen, endlich wieder einmal
ein bedeutendes plastisches Kunstwerk als Schmuck
eines öffentlichen Platzes in Breslau zu erhalten.
Hoffentlich gelingt es den Halben und Prüden über
deren Einwände gegen den prächtigen nackten Fechter
Lederer's bereits berichtet wurde, nicht doch noch
eineVerschlimmbesserung seines interessanten (i. vor.
H. abgebild.) Werkes durchzudrücken. — In Lichtenbergs
Ausstellung errangen der „Märkische Künstlerbund
" sowie Kollektionen von Ludwig Dill und Max
Lieber wohlverdiente Erfolge. M. S.
JV/f ÜNCHEN. Im Kupferstich-Kabinettistvorkuvzem
iV* ein neuer, für wechselnde Ausstellungen eingerichteter
Saal eröffnet worden. Es erwies sich
dies als nötig, um einerseits den Benützersaal, der
bisher zur Ausstellung von Stichen mit verwendet
wurde, zu entlasten, andrerseits die durch den erhöhten
Etat naturgemäss stark anwachsenden Neuerwerbungen
dem grossen Publikum zeitweise zugänglich
zu machen. Mit diesem letzteren Programm
dürfte die nächste Zeit ausgefüllt sein. Bei der
ersten Ausstellung konnte nur ein Bruchteil dessen,
was in den letzten fünf Jahren erworben wurde,
herangezogen werden; es wurden Werke von etwa 1830
bis heute gewählt. Selbstverständlich nehmen hier die
Münchener einen breiten Raum ein, insonderheit die
jüngeren und jüngsten
Zeichner und
Graphiker. Jedoch
erscheinen auch
einige der grossen
Bahnbrecher
(Thoma, Klinger),
und neben ihnen
die Zeichner aus
der Mitte des Jahrhunderts
. Andrerseits
sind auch
die anderen Deutschen
, vor allem
die Karlsruher
Lithographen, vertreten
, vom Ausland
besonders die
französischen Farbenstiche
, deren
Sammlung im Kabinett
noch im Anfangsstadium
steht
und weitergeführt
werden soll. Doch
sind mit dieser
Ausstellung die
neueren Meister
noch lange nicht
erschöpft, sie gestatten
vielmehr
noch eine reichliche
Nachlese;
auch eine grosse
Zahl neuerworbener
alter Werke
harrt der Oeffent-
lichkeit. So wird
sich dieser ersten
Ausstellung noch
eine Reihe gleich
interessanter an-
schliessen können.
DIE KUNST UND IHRE
GENIEN (Entwurf)««««
DASEL. In der Kunsthalle übt gegenwärtig eine
Ausstellung von holländischen Bildern grosse
Anziehung aus: Israels, Blommers, Artz, Mesdag,
Breitner, Apol, Maris sind vertreten. Hauptsächlich
aber interessieren in dieser »Permanenten«
zwei grosse religiöse Bilder des jüngst in d. Z.
ausführlich besprochenen Waadtländers Eugene
Burnand. Es sind die hier schon abbildlich gegebene
»Invitation au festin« (»Das grosse Abendmahl
« nach Luc. XIV) und »La priere sacerdotale«
(»Das hohepriesterliche Gebet« nach Ev. Joh. XVII).
Ein drittes Bild Burnands »Le soir«, den Lesern d.
»K. f. A.« auch bereits bekannt, streift — mit Glück -
ins Mystisch-Symbolische hinein. Von vier Skulpturwerken
des Zürchers Richard Kissling ist eine
Mozartstatuette (Sitzfigur) am bedeutendsten. Ein
Gottfried Keller-Medaillon, den Dichter auf dem
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