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-a-s^> WILHELM BUSCH
ungebundenen Wesen wohl und heimisch fühlen
werde; und es dauerte in der That nicht lange,
bis er sich vollständig gehen Hess.
Ein bildhübscher Bursche mit langen
blondbraunen Haaren, einem jugendlichen
Schnurr- und Knebelbärtchen, den Kopf bedeckt
mit einer eigentümlich geformten, grünkarierten
Mütze, so steht er noch lebhaft vor
meinen Augen. In dieser Lieblingskopfbedeckung
hat er sich auch mehrere Male karikiert
(s. Abb. a. S. 313); sie war so eine Art
Wahrzeichen geworden und als sie später bei
irgend einer maskierten Künstlerkneipe verloren
ging, war Busch sehr betrübt.
Gewöhnlich still und in sich gekehrt, war
er, wenn er aus sich herausging, einer der
heitersten und anregendsten unter uns und
bald unser aller Liebling. Sein klarer Kopf,
sein Witz und sein Humor fanden stets einen
dankbaren Wiederhall.
Ausser dem persönlichen Verkehr war der
Haupttummelplatz seiner poetischen und seiner
tollen Einfälle die „Kneipzeitung von Jung-
München". Es war immer ein Festtag für
uns, wenn dieselbe erschien und vorgelesen
wurde. Was hiernicht ausgetobt werden konnte,
Aus dem Karikaturen- WILHELM BUSCH gez.
Buch „Jung-Münchens"
das wurde im „Karikaturenbuch" niedergelegt
. In letzteres hat namentlich auch noch
der Bildhauer und Maler F. Walker zahlreiche
Beiträge geliefert, u. a. auch eine wohlgelungene
Karikatur von Busch selber.
Die ganze Art unseres damaligen künstlerischen
Strebens und Schaffens, die „akademische
Strömung", wie es Busch nennt,
war ihm durchaus nicht sympathisch und so
kam es denn, dass man ihn eigentlich niemals
ernstlich arbeiten sah, und dass, wenn wir am
Starnbergersee oder im Gebirge, namentlich in
Brannenburg, unsere Studienplätze aufgesucht
hatten, unsere Staffeleien aufschlugen und
emsig zu malen anfingen, unser guter Busch
sich ganz behaglich ins Gras niederstreckte
und Gott einen guten Mann sein Hess. Da
musste ich immer an einen grossartigen Ausspruch
denken, den unser alter Freund und
Kollege Kunde aus Berlin einmal vom Stapel
laufen Hess. Es war in Olevano. Die dortige
Malerkolonie war von der Künstlerherberge
Casa Baldi aufgebrochen, hatte sich an ihrem
Studienplatz häuslich eingerichtet und fing
an, emsig zu malen. Nur Kunde bot ein
ähnliches Bild, wie oben Busch, es schien
ihm pudelwohl zu sein. Da rief einer
seiner Freunde: „Aber Kunde, schämen
Sie sich denn nicht, so zu faullenzen!
Bei dieser herrlichen Beleuchtung ist es
ja ein wahres Vergnügen, zu arbeiten!"
„Ach, man muss sich auch hie und da
ein Vergnügen versagen können", ertönte
es trocken aus seinem Munde.
Busch hat sich dieses Vergnügen sehr
oft, fast immer versagt, sich aber dafür
ein um so grösseres dadurch bereitet,
dass er uns aufmerksam beobachtete
und dann später, manchmal auch in
flagranti, karikierte, so z. B. den
Schreiber dieses am Fusse des Riesenkopfes
, Schwörer etc. etc. (S. d. Abb.
a. S. 316.)
Dass das Aufsehen, das die Busch-
schen Produkte erregten, nicht auf
diesen kleinen Kreis beschränkt blieb,
ist leicht zu begreifen und so waren die
„Fliegenden Blätter" die ersten, die
Einzelnes aus der Kneipzeitung reproduzierten
. Bei Braun & Schneider erschienen
auch die herrlichen „Münchener
Bilderbogen" und alsdann „Max
und Moritz". Von da ab war das Glück
unseres Freundes gesichert. Es folgte
der „Heilige Antonius", den ursprünglich
Eduard Hallberger erworben hatte,
aber, nachdem ihm allerlei Bedenken
gekommen waren, nicht zu publi-
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