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^t^D- WILHELM BUSCH -C^=^
mit durchschlagendem Erfolge. Unglaublich
komisch, wie nach soeben gefeiertem Versöhnungsfest
sofort die Reibereien zwischen
diesen beiden ehrenwerten Gruppen wieder
beginnen und in eine solenne Rauferei ausarten
, bis der Nachtwächter die Ruhe wieder
herstellt.
Noch heute wird diese Perle gesunden
Humors gerne in Gesangsvereinen aufgeführt,
immer mit dem gleichen Erfolge.
Bei einem Frühlingsfeste in Neuhofen
tauchte plötzlich ein höchst verdächtiger Kerl
auf, welcher sich schnurstracks dem Festplatze
näherte. Der Wirt, der dies sah, eilte
auf ihn zu und wollte ihn hinauswerfen. Da
stellte es sich nach heftigem Wortwechsel
heraus, dass dieser Lump unser Freund
Bassermann war, der sich so echt kostümiert
hatte um die „Lumpenlieder" von Busch
recht anschaulich vorzutragen. Allgemeine
Heiterkeit und stürmischer Applaus!
Es liegt nahe, dass, wer „Max und Moritz"
geschrieben und dadurch eine sehr ergiebige
Erfindungskraft auf dem Gebiete der „tollen
Streiche" an den Tag gelegt hat, sich auf
die Dauer nicht damit begnügte, diese bloss
mit Feder und Stift durch andere theoretisch
ausführen zu lassen, sondern dass er auch
gelegentlich einmal das Bedürfnis fühlte,
selbst als Held eines solchen Streiches aufzutreten
. Wir Jung-Münchener hatten die
Gepflogenheit,
dass, wenn
einer von uns
auf längere
Zeit verreiste,
wir uns vollzählig
zum Abschiede
am
Bahnhofe einfanden
, ebenso
zum Willkomm
. So trafen
wir auch
einmal an
einem rauhen
Frühlingstage
zu früher
Morgenstunde,
nachdem wir
fast die ganze
Nacht hindurch
Abschied
gekneipt
hatten,
dort zusam-
W. BUSCH gez.
Erster Entwurf zu einer Rednerstatue
. Karikatur auf Th. Pixis
W. BUSCH gez.
Type von einer maskierten Kneipe
Aus dem Karikaturen-Buch „Jung-Münchens" Serm
men, um unBusch
das Geleite zu geben. Es wimmelte schon
von dunklen übernächtigen Gestalten, jeder
Neuankommende suchte mit den Augen
herum: „Wo ist Busch?" „Der ist noch
nicht da!" Die Passagiere hatten alle Platz
genommen; aller Augen waren auf den Eingang
der Halle gerichtet
, doch nichts rührte
sich. Ein Pfiff, und der
Zug fährt ab — ohne
Busch! — Wir waren
sprachlos und gafften
einander mit dummen
Gesichtern an. Plötzlich
rief einer von uns:
„Ja, ist nicht heute
der erste April?" — Es
war wirklich so. — Da
hatte nun also Busch
unser tief eingewurzeltes
Freundschaftsgefühl
recht zum besten gehabt
, es ist auch noch
lange Zeit ein begreifliches
Misstrauen in
die dauernde Ehrlichkeit
seiner Freundschaft
zurückgeblieben.
Einst, es war am 5. April 1863, am schönen
Ostertag, gab unser wohlsituierter und in
unseren Augen ein Krösus scheinender
Freund Hermann Krüger, der jetzt schon seit
Jahrzehnten in Düsseldorf als Landschaftsmaler
weilt, ein ganz opulentes Diner im
damaligen Hotel Havard am Karolinenplatz.
Wirjung-Münchener, seine Gäste, beschlossen,
diesem Feste einen politisch-diplomatischen
Anstrich zu geben und erschienen in Galawägen
, geschmückt mit Orden aller Art.
Nach diesem Fest schrieb Busch in den politischen
Beiwagen der Kneipzeitung einen humoristischen
Artikel, der ein Meisterwerk der
Satire genannt werden kann, während unser
Wilhelm Diez die Scene der Auffahrt zeichnete
, die a. S. 318 abgebildet ist: Fürst Krüger
verbeugt sich feierlich vor dem eben aussteigenden
, verflossenen, langjährigen Präsidenten
von Jung-München, Pixis, während
im folgenden Wagen der Bauch von Freund
Krempelsetzer in sprechender Aehnlichkeit
sichtbar ist. Rögge hat schon feierlich die
Stufen des Heiligtums betreten. Im Vordergrunde
des Volksgedränges erblicken wir u. a.
auch Wilhelm Diez und Wagmüller.
Als Busch wieder einmal, lange nach dieser
Zeit, zu längerem Aufenthalte in München erschien
, fand er völlig veränderte Verhältnisse
vor. Jung-München hatte sich in abge-
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