Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 336
(PDF, 174 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0380
~*-sg5> AUSSTELLUNGEN DENKMÄLER KUNSTLITTERATUR -C^^

er die Natur mit wachen Augen, bald träumt er,
bald ist er Realist, bald Romantiker. Von seinen
zahlreich vorhandenen Bildern prägen sich nur das
in einen »Lindwurm« übersetzte Bergwasser, der
in dunkler Nacht sich um einen brennenden Holz-
stoss schlingende bäuerliche »Herbstreigen«, die drei
nackten am sonnenbeschienenen »Strande« spielenden
Jungen und ein paar ehrlich gesehene Landschaften
ein. Der Norweger Otto Hennig stellt eine Karikatur
von Hans Thoma vor, Frank Daniell (Col-
chester) entpuppt sich als unausstehlicher Kitschmaler
, Ludwig Bartning als ein Unfähiger mit
idealistischen Ambitionen und Theodor Rocholl
hat »Aus den Chinawirren« nicht einmal den Schein
des Künstlertums retten können. Emil Oestermann
(Stockholm) kann nach den hier gebotenen
Beweisen leider nicht mehr für ein Licht unter den
Porträtmalern gelten. Dagegen erfreut bei den ausgestellten
Arbeiten des Simplicissimus-Zeichners
Reznicek und den gemalten Studien Curt Rüger's
die unverwüstliche kecke Münchner Note. H. R.

YWTEN. Um die Mitte des März hat der »Hagen-
" Bund« seine zweite Ausstellung eröffnet. Allerlei
Graphik, Aquarelle, Pastelle und Kleinwerke
der Plastik sind vereint. Das Ehepaar Mediz tritt
mit einer Reihe interessanter Arbeiten hervor.
Heyda bringt Reliefs, von Rathausky ist das
Adalbert Stifter-Denkmal zu sehen. In bunter Reihe
tragen die Landschaftsmaler des »Hägen-Bundes«
hübsche Naturmotive herbei. Zu erwähnen ist
noch der Märchen-Kalender von Leffler und
Urban, Reznicek's und Hampel's Humoresken,
Plastiken von Gurschner etc. Diese Darbietung
dauert nur ganz kurze Zeit, da am 15. April eine
aus den Anregungen des Dresdener Kunstbildungs-
Kongresses hervorgegangene Ausstellung »Die
Kunst im Leben des Kindes« eröffnet werden
wird. In derselben werden Typen von Kinder-Wohn-
und Spielzimmern gezeigt werden, künstleriches
Spielzeug und künstiericher Wandschmuck für Schulräume
sollen zur Ausführung gelangen. Auch werden
anschliessend an die Ausstellung öffentliche Vorträge
die Bedeutung der Frage erläutern. B. Z.

[/" ARLSRUHE. Jubiläums-Kunstausstellung. Zu
Ehren des fünfzigjährigen Regierungsjubiläums
des Grossherzogs von Baden veranstaltet der badische
Staat in der Zeit von Ende April bis Oktober d. J. in
einem eigens zu diesem Zwecke erbauten Gebäude
eine grosse internationale Kunstausstellung, die
durchaus den Charakter einer ,,Elite - Ausstellung"
tragen soll und das Beste, was Deutschland und das
Ausland auf dem Gebiete der Plastik und Malerei
bietet, in sich schliessen wird. Selbstverständlich
wird die badische Kunst, zu deren Blüte der
kunstsinnige Jubilar so überaus viel gethan, ebenfalls
in glänzender Weise und auf breiterer Basis
vertreten sein, indem hierauch Werke hervorragender,
jetzt nicht mehr lebender Meister, die aber mit der
Geschichte der heimatlichen Kunst aufs engste verbunden
sind, herangezogen werden. Wir nennen
hier z. B. nur Anselm Feuerbach, Hermann Baisch
u. a. Hinsichtlich der Zulassung der einheimischen
Kunst wird ein strenger Masstab angelegt und damit
dieselbe nur in hervorragender Weise vertreten ist,
jegliche Marktware prinzipiell ausgeschlossen. Die
Idee zu dieser Elite-Ausstellung ging von dem
kunstbegeisterten, früheren Staatsminister Dr. Nokk
aus, dem auch das Ehrenpräsidium übertragen wurde,
während das Protektorat darüber der Erbgrossherzog
von Baden übernahm. Das leitende Komitee, dessen
erster Vorsitzender der Akademieprofessor Dill,

dessen zweiter Galeriedirektor und Akademieprofessor
HansThoma ist, wurde vom Staate ernannt. Demselben
gehören ferner noch Vertreter des Staates, hervorragende
Künstler und Gelehrte und sonstige Honoratioren
an. Aus privatem Besitz wird manches
wertvolle Stück der Oeffentlichkeit wieder einmal
zugänglich gemacht werden; u. a. werden z. B. aus
der Galerie Knorr in München dreissig ausgesuchte
Meisterwerke zur Ausstellung kommen. Was die
Beteiligung des Auslandes an der Ausstellung betrifft
, so wurden vermittelst persönlicher Rücksprachen
an Ort und Stelle mit den hervorragendsten
Künstlern in London, Paris, Brüssel, Mailand,
Venedig, sowie auf den grossen Ausstellungen in
München, Berlin, Dresden und Stuttgart und durch
Besuche, denen sich Professor Dill und Konservator
A. v. Bayer in oft mühevoller Weise unterzogen,
speziell von diesen Komiteemitgliedern ausgewählte
Gemälde jener Meister zur Ausstellung erbeten, wodurch
der Charakter einer wirklichen Elite-Ausstellung
gewahrt wird. 0

DENKMÄLER

OUDAPEST. Die Konkurrenz für das Königin
Elisabeth-Denkmal ist zunächst ergebnislos verlaufen
. Von den eingelaufenen achtzehn Entwürfen
wurde von der Jury keiner der Ausführung für wert
erachtet. Man beschloss drei gleiche Preise von je
10000 Kronen zu kreieren und eine neue allgemeine
Konkurrenz auszuschreiben. Die drei Preise erhielten
: 1. Bildhauer György Zala, Architekt Zoltan
und Lajos Jambor; 2. Bildhauer Alajos Strobl und
Architekt Kaiman Gerster; 3. Bildhauer Ede Telcs
und Architekt Emil Töry. Ausserdem wurden sechs
Entwürfe mit je 4000 Kronen angekauft.

T ÜBECK. Der Ausschuss für das hier geplante
Bismarck-Denkmal hat beschlossen, den beabsichtigten
Bau eines Bismarck-Turmes aufzugeben
und dafür die Errichtung eines Standbildes nach
dem bei der Hamburger Denkmals-Konkurrenz mit
einem der zweiten Preise bedachten Entwürfe Emil
Hundrieser's in die Wege zu leiten.

KUNSTLITTERATUR

Walther Siegfried. Adolf Stäbli als
Persönlichkeit. (Zürich, Art. Institut Orell
Füssli. 2V2 M.)

Eine prächtige Schrift, die jeder Leser mit einem
herzlichen »Hab' Dank!« an den, der sie geschrieben,
aus der Hand legen wird. Mit der warmherzigen
Anteilnahme des Freundes und der gestaltenden
Kraft des Poeten aus mancherlei Einzelheiten geformt
, erhalten wir hier ein Bild des »Menschen«
Stäbli, wie es anschaulicher kaum hätte hingestellt
werden können. Es stecken viele Intimitäten in
dem Büchlein, hinsichtlich derer es die zurückhaltende
Natur des Schweizer Künstlers bei Lebzeiten
kaum zugelassen hätte, dass sie der grösseren
Oeffentlichkeit bekannt würden; ist aber mit dem
Verfasser der Schrift darob zu rechten, dass er auch
sie hervorholt, um ein völlig treues Bild des Verewigten
auch denen zu zeichnen, die ihn nicht
persönlich als den humor- und geistvollen, warmherzigen
Menschen kennen gelernt haben, der er
war? Dass in einer solchen Schilderung auf die
künstlerische Thätigkeit Stäblis manche interessante
Streiflichter fallen, ist erklärlich, sie werden in hübscher
Weise unterstützt durch die eingestreute Reihe
von Autotypie-Wiedergaben einer Anzahl seiner
Werke.

Redaktionsschluss: 22. März 1902. Ausgabe: 3. April 1902.

Herausgeber: Friedrich Pecht. — Verantwortlicher Redakteur: Fritz Schwärtz.
Verlagsanstalt F. Bruckmann a.-g. in München, Nymphenburgerstr. 86. — Druck von Alphons Bruckmann, München.


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0380