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-sr4^> MÜNCHENER FRÜHJAHR-AUSSTELLUNGEN <^=^
die poetisch erdachte „Schmetterlingsjagd"
mit den lustigen Putten und dem gravitätischen
Faun demselben Autor zuteilen wie
die beiden Landschaftsbilder mit einer anmutigen
Kuhhirtin und einer jungen Mutter.
Hier bewährt sich Geffckens sicherer Takt
namentlich in der reizenden Zusammenstimmung
der schönen Farben des Kostüms mit
dem Grün des Wiesenplanes. Matiegzeck
bewährt seine difficile, qualitätenreiche Malweise
in zwei hübschen Kinderköpfchen.
Eine stark plastische Wirkung erzielt Kaeser
mit dem Bildnis einer jungen Dame in meergrünem
Kleide.
Eleganter, aber ein wenig trüb in der
Farbe präsentiert sich das schöne „Mädchen
mit dem Rosenhut" von Raff. Schuster-
Woldan. Einen kräftigen Studienkopf, ein
anziehendes Mädchenprofil, bringt Froitzheim
, während Büchtger in dem sachlich
und ehrlich gemalten Bildnis eines alten
Landmanns den interessanten Versuch macht,
sein prächtiges Modell in der ganzen Schlichtheit
seiner Erscheinung inmitten seines landschaftlichen
Milieus darzustellen, in ähnlicher
Auffassung und auch mit ähnlichen Mitteln
wie das bisweilen von Hans Thoma geschehen
ist. Paul Hey giebt wiederum eine
Probe seines liebenswürdigen Talentes in der
Darstellung des kleinstädtischen Daseins. In
decenter Gouachemalerei schildert er einmal
einen sonnenbeschienenen, stillen Kirchenplatz
, wo im Schatten der Linden ein paar
alte Damen sich mit dem Strickstrumpf zu
einem nachmittägigen Plauderstündchen zusammengefunden
haben, dann einen fränkischen
Marktplatz mit altem Barockbrunnen,
so freundlich und heimlich, dass man so was
wie Heimweh davor spürt.
Mit dieser gewählten und doch reichhaltigen
Ausstellung waren indes die Kräfte der
Luitpoldgruppe noch nicht erschöpft. Eine
teilweise Auswechselung der Bilder, welche
nach Verlauf von drei Wochen stattfand, giebt
uns Gelegenheit zu einigen Nachträgen. Karl
Hartmann zeigt sich in einem namentlich als
Vordergrundstudie sehr gründlich durchgearbeiteten
Motiv aus der Gegend von Burghausen
als tüchtiger Landschafter und ferner
als Stillebenmaler von intimer Beobachtungsgabe
in einem kleinen Stücke mit Fliegenpilzen
im Walde. Ubbelohde Hess auch in einem
Stallbilde mit braunen Rindern die Helligkeit
seiner Palette und die wohlthuende geschmeidige
Art seines Vortrags nicht vermissen
, während Geffcken, um den ganzen
Umfang seines Talentes zu erweisen, mit
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