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PERSONAL- UND ATELIER-NACHRICHTEN -C^^
gegeben, welche ein eingehendes Studium des
Meistervolkes der Impression, der Japaner, allein
ihm möglich machte. b. z.
DRESDEN. Der Privatdozent an der hiesigen
Technischen Hochschule, Dr. phil. Jean Louis
Sponsel, wurde zum ausseretatsmässigen ausserordentlichen
Professor ernannt.
MÜNCHEN. Der Privatdozent Dr. Heinrich
Bulle wurde zum ausserordentlichen Professor
an der Universität Erlangen ernannt und demselben
die Archäologie als Lehraufgabe übertragen. — Dem
Maler Adolf Hengeler wurde der Titel eines
k. Professors verliehen. Der Direktor der Akademie
der bildenden Künste, Bildhauer Ferdinand
von Miller, wurde vom Prinzregenten zum lebenslänglichen
Reichsrat der Krone Bayern ernannt.
W/TEN. Mit dem am 27. März, im zweiundsieb-
™ zigsten Lebensjahre heimgegangenen Hofrat
Josef von Storck, dem einstigen Direktor der
hiesigen Kunstgewerbeschule, ist einer der Letzten
von der alten Garde des österreichischen Museums
vom Schauplatz
verschwunden.
Auf allen kunstgewerblichen
Gebieten
thätig,
wusste der Verstorbene
in seinem
Lehramt
höchst anregend
auf seine Schüler
zu wirken. Den
Lehrberufbegann
Storck 1862 als
Assistent van der
NülPs an der
Akademie, 1866
wurde ihm die
Dozentur für Ornamentik
an der
Wiener Technischen
Hochschule
übertragen, 1868 erfolgte die Berufung an
die neu begründete Kunstgewerbeschule. Das bleibendste
Verdienst dürfte sich Storck mit der Schaffung
des Zentralspitzenkurses erworben haben. Der neuen
Richtung im Kunstgewerbe war und blieb er ein
starrer Gegner.
T EIPZIG. Max Klinger's »Beethoven«, der, jetzt
vollendet, demnächst in der Wiener Secession
zur öffentlichen Ausstellung kommen wird, ward
hier im Atelier des Künstlers gezeigt. Eine eingehende
Würdigung des in seiner Wirkung überwältigenden
Kunstwerks uns vorbehaltend, sei jetzt
nur kurz die Gestaltung des Ganzen skizziert, in
dem sich höchster Kunstwert und kostbarster Stoff
vereinigt. Als ein Olympier auf dem Götterthron
hat Klinger den Heros der klassischen Musik dargestellt
. Beethoven, eine halbnackte Gestalt in
Marmor, über deren Unterkörper ein faltenreicher
Ueberwurf aus braungelb gestreiftem Onyx wallt,
sitzt mit vorgebeugtem Körper, das rechte Bein
über das linke geschlagen, den rechten Arm auf
den Oberschenkel gelegt, auf einem mit Reliefs
bedeckten Prunkstuhl. Gewaltiger Ernst und verklärter
Ingrimm liegen auf den Zügen des Meisters,
in ihnen und in der charakteristischen Körperhaltung
ist die ganze gewaltige Persönlichkeit Beethovens
in ihrem innersten Sinn dargestellt. Zu seinen
JOSEF VON STORCK (f 27. März)
Nach einer Plakette von Anton Scharff
Füssen breitet, auf einem Felsblock von wirr-ge-
adertem dunkelrot - violettem Marmor sitzend, ein
gewaltiger Adler aus schwarzem, leicht weiss-ge-
adertem Marmor seine Schwingen aus. Der mächtige
Bronzesessel, dessen geschwungene Armlehnen in
geglättetem Golde erglänzen, enthält eine Reihe
Beethovens weite, grosse
Gedankenwelt symbolisierende
Relief-Darstellungen
(Adam und Eva,
Baum der Erkenntnis,
Kreuzigung Christi) mit
einer Fülle von Einzelgestalten
. Der obere Rand
des Thronsessels ist belebt
durch fünf liegende
menschliche Gestalten,
an der inneren Kante
zeigt sich ein von Engelsköpfen
in Elfenbein unterbrochenes
Band von
kostbaren Steinen, antiken
Glasflüssen und
Goldplättchen.
PETER JANSSEN
F\USSELDORF. Am 1. April feierte Professor
Peter Janssen, der Direktor der Düsseldorfer
Königl. Kunst-Akademie, das fünfundzwanzigjährige
Jubiläum seiner Lehrthätigkeit. In Düsseldorf 1844
geboren, wurde Peter Janssen am 1. April 1877
Professor an der Akademie, im Jahre 1895 Direktor
derselben. Seit 1885 ist er Mitglied der Akademie
der Künste zu Berlin. Viele bedeutende Künstler
verdanken dem ausgezeichneten Meister ihre Ausbildung
, und die Düsseldorfer Akademie bewährt
unter seiner zielbewussten Leitung ihren alten Ruf.
In seinem Schaffen ist Peter Janssen den Lesern
dieser Zeitschrift bekannt geworden durch das ihm
gewidmete Heft (K. f. A., XIII. Jahrg., H. 14). tz.
LJANNOVER. Am 28. März starb, dreiundachtzig
Jahre alt, der Architekt Geheimer Regierungsrat
Conrad Wilhelm Hase. Am 2. Oktober 1818 in
Einbeck geboren, war der jetzt Verstorbene Schüler
der polytechnischen Schule in Hannover, später von
Gärtnerin Münchenund bildete sich auch durch Reisen
in Italien, Frankreich
, Deutschland
und den
Niederlanden zu
einem eifrigen
Vorkämpfer des
mittelalterlichen
Stils, sowohl des
gotischen als
auch des romanischen
aus. Viele
Kirchen,hierund
auswärts,das hie-
sigealteMuseum,
die Marienburg
im Leinethale
zählen zu seinem
Lebenswerk. Das
Bildnis des Verewigten
geben
wir nach einer
Plakette, die ihm
zum achtzigsten
Geburtstage von
Freunden und Conrad Wilhelm hase
Schülern über- (gest. 28. März)
reicht wurde. Nach einer Plakette von Karl Gundelach
Die Kunst für Alle XVII. 353 45
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