Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 355
(PDF, 174 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0403
-^35> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^=^

Kunstvereinsräumen eines der elegantesten Ausstellungslokale
des Vaterlandes besitzt. Entsprechend
der äusseren Dekoration hat man in anerkennenswerter
Weise auch den künstlerischen Wert
der Ausstellung selbst zu heben verstanden. Man
ist dem Beispiele des hannoverschen Kunstsalons
gefolgt und hat die auswärtige Künstlerschaft durch
persönliche Besuche für das Unternehmen, das mit
seiner siebzigsten Ausstellung in eine neue Aera
eintritt, zu interessieren gesucht. Das ist in erfreulicher
Weise gelungen: die Ausstellung ist mit ein-
tausenddreihunderteinundachtzigNummern beschickt
(darunter auch eine Reihe von Werken ausländischer
Künstler) und übertrifft nicht nur der Quantität sondern
auch der Qualität nach ihre sämtlichen Vorgängerinnen
. Aus dem Nachlasse Böcklins sind
siebenundzwanzig Nummern ausgestellt und mit
einem Selbstporträt des Meisters und einer Büste
von Cifariello in einem Saale vereinigt. Len-
bach ist mit neunzehn Porträts vertreten, weitere
Kollektiv-Ausstellungen sind von Prof. Christian-
sen-Flensburg (vierzehn Nummern), Prof. Henseler-
Zehlendorf (sechsundzwanzig Nummern), Prof. Her-
TERiCH-München (einundvierzig Bilder und Studien)
und Prof. schnars-älquist-Hamburg (acht Nummern
) veranstaltet. Auch sonst zeigt die Ausstellung
ein erhöhtes Niveau, da die Jury dieses Jahr natur-
gemäss ihres Amtes mit grösserer Strenge als früher
gewaltet hat, und im Gegensatze zu anderen Jahren
die Bildhauerei stärker, mannigfaltiger und besser
vertreten ist. Wenn die allgemeinen Verhältnisse
vielleicht auch die Zahl der privaten Ankäufe — wie
überall — ungünstig beeinflussen dürften, so werden
die Erwerbungen des Vereins, der Kunstwerke im
Werte von etwa 60000 M. für die Verlosung anzukaufen
in der Lage ist — und die Ankäufe für die
öffentlichen Sammlungen, für welche dieses Jahr erhebliche
Mittel zur Verfügung stehen, einen etwaigen
Ausfall voll decken. So dürfte wohl mit Sicherheit
vorherzusagen sein, dass die siebzigste Ausstellung
des Kunstvereins für Hannover, neben ihrer ideellen
Wertsteigerung, zum Segen der deutschen Kunst
auch einen entsprechenden materiellen Gewinn
zeitigen wird. PI.

TARESDEN. Der kgl. Gemäldegalerie ist als Ge-
schenk eines kunstbegeisterten hiesigen Grossindustriellen
soeben Arnold Böcklins Gemälde »Der
Sommertag«*)zugeführt worden. Das Gemälde stammt
aus dem Jahre 1881 und wurde in Dresden zuerst 1883
durch die Böcklin-Ausstellung bekannt, welche der
Berliner Kunsthändler Fritz Gurlitt auf der Brühl-
schen Terrasse veranstaltete. Der Katalog war mit
einer kleinen Radierung des Sommertags von Max
Klinger geschmückt und verzeichnete zehn Gemälde,
darunter die Burg am Meer, Im Spiel der Wellen,
Kentaurenkampf, Prometheus,Odysseus und Kalypso,
den Abenteurer, die Muse, drei Frühlingsbilder und
Daphne. Schon damals traten in Dresden Ferdinand
Avenarius, Paul Schumann und Gotthard Winter
warm für Böcklin ein, aber an einen Ankauf für
die kgl. Gemäldegalerie war trotz der verhältnismässig
billigen Preise nicht zu denken, da die
klassizistische Richtung in Dresden noch zu mächtig
war. Der »Sommertag« ging dann in Berliner
Privatbesitz über. Jetzt hat Kommerzienrat Lingner
65000 M. dafür gezahlt. Die Anregung zu der gegenwärtigen
Erwerbung ging vom »Dresdener Anzeiger«
aus, dessen Kunstredakteur zu einer Subskription

ARNOLD BÖCKLIN SOMMERTAG
(Soeben in die Dresdener Galerie gelangt)

*) Die nebenstehend gegebene kleine Wiedergabe des Bildes
möge dazu dienen, die nachfolgenden Ausführungen sinnfälliger zu
gestalten, eine grössere, ganzseitige Reproduktion des Werkes erschien
in dieser Zeitschrift bereits früher (XII1. Jahrg., H. 1). D. Red.

zum Ankauf des Bildes aufforderte. Die Herren
Adolf und Ludwig Gutbier (Ernst Arnoldsche Hofkunsthandlung
) haben sich dann wochenlang und
in gänzlich uneigennütziger Weise nicht ohne Erfolg
bemüht, diese Subskription ins Werk zu setzen,
schliesslich hat, nachdem noch u. a. Ferd. Avenarius
in warmen Worten auf den hohen Wert des Gemäldes
aufmerksam gemacht hatte, das thatkräftige Eingreifen
des Dresdener Oberbürgermeisters Beutler
dazu geführt, dass der genannte Kunstfreund die
ganze Summe spendete. Das Bild wurde durch die
genannte Kunsthandlung der kgl. Gemäldegalerie
bereits übergeben. Wenn nun noch, wie zu erwarten
steht,
demnächst das
Gemälde »Der
Krieg« in den
Besitz der Dresdener
Galerie
übergeht, so ist
Böcklin in dieser
geradezu
glänzend vertreten
, da diese
schon den reizvollen
Frühlingsreigen
von
1869 und ein
noch älteres
Bild »Pan und
Syrinx« besitzt.
Das ist ganz
ungemein erfreulich
, denn
wie Avenarius
sagt: als Maler
einer der besten
und vielleicht

der deutscheste seiner Zeit, ist Böcklin als Geisteskünstler
unter allen bildenden Zeitgenossen schlechtweg
der grösste gewesen. Die reichste Geisteskultur
der Gegenwart hat hier aus einer Persönlichkeit
von beherrschender Gewalt mit der Ursprünglichkeit
mythenbildender Vorzeiten geschaffen. Unter
Böcklins Symbolisierungen der Menschheitsleiden
ist aber der »Krieg« eines der mächtigsten Werke
und unter seinen Landschaften ist der »Sommertag«
die alleredelste Blüte. Stellt man sich Böcklins
Schaffen als Kreis vor, so steht der »Sommertag«
dem »Krieg« diametral gegenüber. Der uns dort
markerschütternd das Grausigste zeigt, durchleuchtet
uns hier mit Lebensschönheit das tiefste Herz.
Welches Bild unserer gesamten Malerei kann an
Ausdruckskraft mit diesem Farben - Glücksgesang
auch nur verglichen werden? Glück auf zu weiteren
derartigen Erwerbungen für die Dresdener Galerie!
Das Bild steht vorläufig im Raum 36 der Dresdener
Galerie auf einer Staffelei und bildet dort das Ziel
von Tausenden von Besuchern, die mit Entzücken
weilen vor diesem »Jungbrunnen edler Freude für
jedes Herz, das durchs Auge zu trinken vermag«.
Sobald die elende Raumnot der Gemäldesammlung
gehoben ist, erhält es einen festen, seiner würdigen
Platz. Auch jetzt schon wirkt es ganz prachtvoll. *

T EIPZIG. Für das Städtische Museum wurde
*^ durch Vermittlung von Ernst Arnold's Hofkunsthandlung
in Dresden (A. Gutbier & Sohn) aus
deren jüngst veranstalteten Böcklin-Ausstellung des
Meisters »Frühlingshymne« (Abb. »K. f. A.«, VI. Jahrgang
H. 21) um den Preis von 65000 M. angekauft;
des weiteren wurde das Oelgemälde »Am Leinenschrank
« von Joh. Dreydorff erworben.

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