Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 356
(PDF, 174 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0404
-sr-s^> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN -C^=u^

CTUTTGART. Wie wir schon in unserem ersten
^ Bericht erwähnten, wurde die »Schwäbische
Kunstausstellung« in drei Abteilungen eingeteilt,
deren jede zwei Wochen lang zur Schau stand.
Indessen sind in der IL, am 1. März eröffneten
Serie eine Anzahl der schönsten Bilder aus Serie I,
so Reiniger's prächtige »Sommerlandschaft« wieder
mit ausgestellt worden, da bei der weisen Beschränkung
im Format, welche sich die meisten Künstler
im Hinblick auf das »Mädchen aus der Fremde«,
d. h. auf die Kunstvereinsankäufe auferlegt haben,
keinerlei Raummangel herrschte. Auch hier, in
dieser II. Serie, ist das Auftreten Pleuer's und
Reiniger's von solch imponierender Art, dass ihre
Werke als die Hauptwerke der Ausstellung bezeichnet
werden müssen, und zwar vor allem des ersteren
Bild »An der Maschine«. Wir befinden uns im
Innern einer Eisenbahnbetriebswerkstätte, durch das
offene Thor strömt das leuchtende Licht des Tages
herein in den nächtig dunklen Raum. Zwei Arbeiter
sind knieend und liegend mit dem Reinigen einer
Lokomotive beschäftigt, ein dritter steht daneben,
seinen Arbeitskittel ausziehend, und rechts auf dem
Bilde wäscht sich ein bis zum Gürtel entblösster
Mann, niedergebeugt vor einem Wassereimer. Man
sieht ein Motiv, das alle Gefahren zu einem langweiligen
Bild in sich trägt — für Maler von mittleren
Qualitäten. Was aber hat Pleuer, dieser
eminente Kolorist, daraus zu machen gewusst, wie
ist der aus dem dunklen Inneren heraus gesehene
und deshalb um so intensiver leuchtende Himmel
gemalt und vor allem der von oben her beleuchtete,
nackte Rücken des sich Waschenden! In der That
dürfte diese Malerei des menschlichen Fleisches
den Höhepunkt der Kunst Pleuers bedeuten; eine
solche Klarheit und Sicherheit der Farbenanschauung
, die auch in den Schattentönen niemals versagt
, d. h. sich mit einem billigen Ton begnügt,
eine solch' verblüffende Bestimmtheit, mit der hier
so gleichsam selbstverständlich jeder Pinselstrich
klar und offen hingesetzt ist, lässt dieses Bild als
eines jener Werke erscheinen, die als Malerei von
höchster Qualität in einer stets zugänglichen Staatsgalerie
den einzig würdigen Platz finden. Aber
auch Otto Reiniger ist mit einer grandiosen Stimmungsmalerei
erschienen. Während in der »Sommerlandschaft
« das hohe Stil- und Schönheitsgefühl des
Künstlers, der stets ein besonderer Verehrer von
Preller und Rottmann gewesen ist, einen so prächtigen
, pompösen Ausdruck gefunden hat, scheint
uns aus den gelben, feurigen Wolken seines »Sonnenuntergang
« die Sonne selbst entgegenzuleuchten.
Namentlich an trüben Tagen ist die Wirkung eine
unvergleichliche. Die Stimmung des Bildes ist die
am Abend eines regenreichen Tages; die Sonne ist
durch die Wolken hindurchgebrochen und übergiesst
alles mit ihren feurigen, in der dampfenden Atmosphäre
sich brechenden Strahlen, unter deren Glut
alles, Himmel, Wasser und das nasse Land, erschimmert
, gleich flüssigem Gold. Eine fabelhafte
Stimmungsmalerei des so vielseitigen Künstlers, in
dessen früheren Werken der Erdgeruch selbst den
dampfenden Schollen zu entströmen schien. L. Graf
v. Kalckreuth hat ein Porträt seiner Kinder und
damit jedenfalls ein weit bedeutenderes Werk, als
die kleine Landschaft aus Serie I, gebracht. Die
Kinder sitzen im Freien, von dem Licht einer Lampe
beschienen. Sehr fein und intim aufgefasst ist der
runde, warmtönige Kopf des Knaben. Auch der
Lichtschimmer zeigt viele koloristische Feinheiten.
Eine Ueberraschung bereitete Drück den Besuchern
des Kunstvereins durch seine schöne herbstliche
Abendlandschaft, die auch technisch einen grossen

Fortschritt bedeutet, während K. v. Otterstedt
sich mit seinem phantastischen Studienkopf, der
von der Wand herab leuchtete gleich einem in Gold
gefassten, bläulich schimmernden Edelstein und
seiner »Burg mit Ritter« als echter Romantiker
von seltener koloristischer Eigenart erweist. Auch
Schickhardt, der treffliche Landschaftsmaler, ist
unter die Romantiker gegangen; am bedeutendsten
jedoch erscheint des Künstlers silbernes Pastell in
seinem Kampf der Sonne mit den Nebeln. Von
unseren begabten Landschaftsmalern seien — Raummangels
halber — nur die Namen Hollenberg,
Käppis, Kornbeck, Kielwein mit seinem intimen
»Bauernhof«, Starker, Eckener und Missfeld
genannt. Von unseren figürlichen Malern bringen
Fr. Keller und Zundel wiederum ihre Motive
aus dem Arbeiterstande, C. Grethe ein allzu flüchtiges
»Matrosenbild«, und so seien auch hier noch
die Namen Gaupp,Jung, Geist, Quack, Schmauck
erwähnt, ferner die sehr hübsch erfundene Plastik
»Wassernixe mit Frosch« von Pötzelberger, die
Statuette »Alarm« von Th. Bausch, einen friederi-
zianischen Trommler darstellend, sowie die Namen
K. Donndorf, Kiemlen, Stocker. Bei den
beiden ersten Serien war die Bezeichnung »Schwäbische
Kunstausstellung« nur cum grano salis zu
nehmen, denn bei einer grossen Anzahl unserer
ausstellenden Künstler hat die Wiege ganz wo
anders gestanden, als im Schwabenlande, und die
Mehrzahl dieser preussischen, hessischen, schle-
sischen, badischen, sächsischen, bayerischen u. s. f.
»Schwaben« ist uns erst in den letzten Jahren zugewandert
. Die III. Serie indes verdient den Namen
»Schwabenausstellung« voll und ganz; es sind in
ihr nur Werke von geborenen Württembergern zu
sehen, freilich von solchen, die ausserhalb Württembergs
leben, und zwar zumeist in München. So ist
denn auch der Hauptsaal ein Münchener Saal geworden
, wenn wir von den paar Herren Schönleber
, conz-Karlsruhe, breyer-Berlin, Hoff-
mann-Cronberg absehen. Ein prachtvolles Stück
Malerei hat Chr. Landenberger gebracht mit
seinen »Badenden Knaben«, nach unserer Meinung
die bedeutendste koloristische Leistung dieser Serie.
Von welch' ausserordentlicher Schönheit und Leuchtkraft
der Farben ist doch die ganze obere Partie
des sein Hemd ausziehenden Knaben, und in welchem
Goldglanz leuchtet die das ganze Bild durchflutende
Sonne. Fürwahr, Landenberger ist ein
würdiger Rivale der beiden grossen Koloristen unserer
Stadt, Pleuer und Reiniger. Von demselben
Künstler ist noch ein Amorettenbild zu sehen, ferner
vorzügliche Zeichnungen und Aquarelle. Es
hiesse Eulen nach Athen tragen, wollte man den
Münchenern noch die Vorzüge ihres Heinrich
Zügel schildern, seine freie Beherrschung der
tierischen Formen, seine fabelhafte technische
Bravour. Er ist mit zwei prächtig durchgebildeten
Stücken Jungvieh und Schafen vertreten, welch'
letzteres Bild wir schon von der Pariser Weltausstellung
her kennen. B. Buttersack bringt zwei
seiner ungemein frischen und saftigbreit gemalten
Landschaftstudien, W. Auberlen ein Porträt einer
alten Dame von sehr feiner, vornehmer Intimität,
R. Breyer ein lebendig aufgefasstes Porträt seiner
Frau und ein Stilleben, beides Arbeiten von gesunder,
origineller und kraftvoller Farbenwirkung, K. Bauer
ein fein abgetöntes Werk »Bei der Toilette«, Eckenfelder
zwei Bilder, darunter ein kleines »Fahrendes
Volk«, dem wir den Vorzug geben, Fugel ein gut
gezeichnetes Heiligenbild und so seien hier noch
die Namen Braith, C. Hartmann, G. Jauss,
keller-Reutlingen, Piepho, R.Weise und Winter-

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