Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 358
(PDF, 174 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0406
«r4^> VON AUSSTELLUNGEN DENKMALER <^

»Zähmung der Widerspenstigen«, eine in der Brandung
auf einem Felsblock sitzende blasse Nixe, von
Amoretten und anderem Meergesindel arg in die Enge
getrieben. Böcklin, dem Knüpfer überhaupt in vielem
gleicht (nur ist der böhmische Künstler nicht so urwüchsig
derb, wie der Alte von Fiesole), Böcklin hätte
gewiss seine Freude an der Skizze gehabt. Dann
noch Zeichnungen von Rob. Wellmann, Ernst
Schweizer, Tillberg und dem genialen Otto
Greiner. Bedeutendes bietet die Skulptur. Hier
finden wir u. a. Limburg und Fritz Cauer mit
Porträtstatuetten und Büsten, Glicenstein — der
einen prächtigen »klagenden Orpheus« jüngst nach
Berlin gesandt hat — mit einem feinen Marmorrelief
»Narciss« und bemalten Terracotten, Arthur
Volkmann (der sich auch als Maler bethätigt
und ein Oelbild, »Jünglinge zu Pferd«, ä la Marees
ausstellt) mit einer lebensvollen und kräftigen
Mädchenstatue, Paul Schulz mit einer guten
Doppelbüste »Mutter und Kind« und der frischen
Statuette eines Fischers, Emil Epple mit einem
durch seine klassische Strenge und Schönheit
fesselnden, gemessen einherschreitenden und die
Leier schlagenden Orpheus — ein Werkchen ganz
im Geist der Antike. Ganz dasselbe gilt für die
»Sandalenbinderin« von August Kraus, die »great
attraction« und Perle der kleinen Ausstellung. Eine
junge Griechin beugt sich zur Erde, um den gelösten
Fussriemen zu schnüren. Der schlanke,
mädchenhafte Körper, die strenge, klassische
Grazie, die zarte Lieblichkeit gemischt mit Ernst,
die über der Figur (Goldbronze) liegt, üben eine
fascinierende Wirkung und lassen an gewisse Werke
des Kapitols oder des Vatikanischen Museums
denken. Auf alle Fälle haben, wie man sieht, die
deutschen Künstler in Rom den übrigen Künstlerkolonien
gegenüber die Feuerprobe glänzend bestanden
und werden uns hoffentlich nunmehr
alljährlich durch so anregende und gelungene
Ausstellungen erfreuen. Bth.

DLAUEN. Der rührige hiesige Kunstverein darf
* auf eine erfolgreiche Wintercampagne zurückblicken
. Da gab es nacheinander eine »Künstlerinnen
-Ausstellung«, der sich noch Sonder-Kollek-
tionen von Dora Al RASCHiD-Kiel und M. Stahl-
SCHMIDT-Weimar anschlössen, eine Vorführung von
Werken Vogtländischer Künstler, eine Kollektiv-
Ausstellung von Oscar LEU-München und erst
jüngst eine solche des Landschafters und Afrikareisenden
Th. v. STEIN-Weimar. Mancherlei Verkäufe
, die erzielt wurden, beweisen eine erfreuliche
Zunahme des Interesses, das den Bestrebungen des
Vereins entgegengebracht wird.

"ELBERFELD. Zum Leiter des hiesigen Museums
wurde Dr. F. Fries vom Staedelschen Kunstinstitut
in Frankfurt a. M. berufen. Neu für die
Sammlungen erworben wurde durch Vermittlung
der Hermes'sehen Kunsthandlung in Frankfurt ein
grösseres Gemälde von Eugene Verboeckhoven.

LJANNOVER. Dem hiesigen Provinzialmuseum
A *■ wurde von einem Kunstfreunde Anton von
Werner's Gemälde »Kaiser Wilhelm der Grosse
auf dem Sterbelager« schenkungsweise überwiesen.
Als Kaufpreis werden 10000 M. genannt. Die Stadtverwaltung
erwarb für ebendieselbe Sammlung ein
Bismarck-Bildnis Franz von Lenbach's.

l/'RAKAU. Ein ambulanter »Polnischer Salon«
wird in alljährlicher Erneuerung von einer hier
neu begründeten Vereinigung polnischer Maler und

Bildhauer geplant. Die Ausstellung soll jeweils
zuerst in Krakau, Warschau, Lemberg und Posen
stattfinden und sodann durch alle europäischen
Hauptzentren der Kunst wandern. Zum Präsidenten
der Vereinigung wurde der Krakauer Maler J. Mal-
czewski gewählt.

DREMEN. Die Städtische Kunsthalle erwarb aus
dem Besitz der Hermes'schen Kunsthandlung in
Frankfurt a. M. ein in den 1880er Jahren entstandenes
Gemälde Wilhelm Trübner's, »Bildnis des Schauspielers
Kainz«.

1V/IÜNCHEN. Der Künstlerinnen-Verein hat auch
in diesem Jahr durch eine um Ostern abgehaltene
Ausstellung von Schülerinnenarbeiten vor
der Oeffentlichkeit Rechenschaft abgelegt über die
rege und ernsthafte künstlerische Thätigkeit, die in
der von ihm ins Leben gerufenen, in jüngster Zeit
von gegen hundertachtzig Damen besuchten Malerinnen
-Akademie herrscht. Alle Arbeitsräume des
Künstlerinnenhauses waren zu Ausstellungslokalen
umgewandelt, ebenso der grosse Saal im Parterre,
wo die sehr zahlreichen Arbeiten aus der von Lina
Kempter geleiteten Klasse (Stilleben und Landschaftsmalen
) Platz gefunden hatten. In den oberen Stockwerken
konnte man sehen, was in den Klassen von
Angelo Jank und F. Knirr (Kopf- und Aktzeichnen),
der Landenberger-Klasse (Figurenmalen), der Kostüm-
Klasse Hegenbart und der Dasio-Klasse für Graphik
und Illustration geleistet wird.

DENKMÄLER

CTRASSBURG. Am 22. März ist das Denkmal
^ Kaiser Wilhelm L, das Kaspar von Zumbusch
im Auftrage des Grafen Eduard von Oppersdorf?
für die Universitätsbibliothek geschaffen hat, enthüllt
worden. In dem zerstreuten Lichte des sehr
farbig und unter Aufwand von viel Gold dekorierten
Vestibüls kommt die aus karrarischem Marmor bestehende
Figur nicht recht zur Geltung, umsoweniger
als man ihr als Hintergrund ein sehr reiches Lorbeergitter
aus goldgelbem Metall gegeben hat, das
an sich zwar schön ist, aber mit seinen hundertfachen
Reflexen alle Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Der Kaiser ist in der Uniform des ersten Garderegiments
, in weitem, die Gestalt zusammenfassenden
Mantel mit einer Stiftungsurkunde in der
Rechten dargestellt, also ganz in der üblichen Denkmals
-Haltung. Seltsam berührt es, dass auch bei
diesem, doch von vorneherein für einen Innenraum
bestimmten Standbilde nicht auf die Bedeckung des
Hauptes mit dem Federbuschhelm verzichtet werden
durfte. —k

1V/IÜNSTER. Mit der Ausführung eines im hiesi-
gen Schlossgarten zu errichtenden Denkmals
für Frhr. v. Ketteier, des in Peking 1900 ermordeten
deutschen Gesandten, ist der Berliner Bildhauer
Hermann Hidding beauftragt worden.

OERLIN. Professor G. Eberlein's Modell des
für Rom bestimmten Goethe-Denkmals ist vom
Kaiser zur Ausführung genehmigt worden. - - Professor
Ludwig Manzel arbeitet zur Zeit an dem
Gussmodell des für Braunschweig bestimmten
Reiter-Denkmals des letzten Weifenherzogs Wilhelm.
Die Form des architektonischen Aufbaues mit der
Anlage etwaiger Gruppen ist noch nicht bestimmt. —
Auf dem Berliner Zentralfriedhof bei Friedrichsfelde
wurde das Grabdenkmal Liebknechts enthüllt, das
der Bildhauer H. May (Dresden), ein Freund und

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