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-*-Ssö> DENKMÄLER VERMISCHTE NACHRICHTEN -C^^
Parteigenosse des Verstorbenen geschaffen. Auf
einem Sockel erhebt sich die Erzbüste des Toten
vor einer dunklen Wand aus geschliffenem Granit.
In die Vorderseite der Wand ist ein Erzrelief eingelassen
, das die Idealgestalt der Wissenschaft zeigt,
einem Eisenarbeiter als Vertreter des Proletariats
einen Lorbeerkranz reichend.
/^HARLOTTENBURG. Aus dem engeren Wett-
^ bewerb um das hier zu errichtende Kaiser
Friedrich-Denkmal ist Professor Josef Uphues als
Sieger hervorgegangen.
UAMBURG. Die Grössenverhältnisse des
ScHAUDT-lederer'schen Bismarck - Denkmals
wurden unlängst mit Hilfe eines Kulissenmodells
erprobt und festgestellt. Die ganze Denkmals-Anlage
wird eine Höhe von 30 m erhalten, davon
kommen 12 m allein auf die Granitfigur Bismarcks.
VERMISCHTE NACHRICHTEN
DERLIN. Die Leitung des preussischen Unter-
richtswesens lässt gegenwärtig in einigen mehr
als sechsklassigen Volksschulen Berlins versuchsweise
im Zeichnen unmittelbar nach der Natur
unterrichten. Die Lehrer sind angewiesen, alle hierbei
gewonnenen Zeichnungen, gute wie verdorbene,
aufzubewahren und samt den sonstigen Erfahrungen
im Jahre 1903 dem Minister einzureichen. Es soll
dann darüber Beschluss gefasst werden, ob die
moderne Methode des Zeichnenunterrichts an allen
preussischen Volksschulen einzuführen ist. — Der
Tarif für den Transport von Kunstwerken, den der
Verein Berliner Künstler für seine Mitglieder mit
der hiesigen Speditions-Firma Gustav Knauer vereinbart
hat, dürfte auch andernorts interessieren:
1. Transport unverpackter Bilder resp. Abholen derselben.
Bis zu 8 qm Grösse pro qm 0,60 M., minimal 0,60 M., grössere
Bilder pro qm 1 M.
2. Verpackung. Pro qm 0,50 M., minimal 0,50 M.
3. Transport zur Bahn und Expedition. Pro 100 kg 0,75 M.,
minimal werden 50 kg berechnet und bei höherem Gewicht von
50 zu 50 kg nach oben abgerundet.
4. Leihgebühr von Kisten. Bis zu sechs Wochen ein
Fünftel des Wertes, bis zu drei Monaten ein Viertel des Wertes,
bis zu achtzehn Monaten ein halb des Wertes.
5. Zollabfertigung ausländischer Sendungen. Pro 100 kg
0,50 M., minimal 0,50 M.
6. Arbeitslohn am Zollamt. Pro 100 kg 0,40 M., minimal
0,40 M.
MÜNCHEN. Die Modelle der als Schmuck der
Luitpoldbrücke bestimmten Figuren der vier
bayerischen Stämme gehen ihrer Vollendung entgegen
. Die Ausführung in Stein der von den Bildhauern
H.Hahn, A.Drumm,E. Kurz und B.Schmitt
im Auftrage des Prinz-Regenten entworfenen Bildwerke
wird auf der Brücke selbst in Angriff genommen
werden. — An den beiden Seiten der Aufgangstreppe
zur Feldherrnhalle werden aus Mitteln
der Pschorr-Stiftung zwei Kolossal-Löwen angebracht.
Um die Grösse endgültig zu bestimmen, war von
Prof. v. Rümann, der die Löwen ausführt, ein in
Gips und Leinwand hergestelltes Modell angefertigt
und unlängst zur Besichtigung aufgestellt. Die
Löwen werden in Laaser Marmor (Tirol) ausgeführt
und können voraussichtlich im Jahre 1905 zur Aufstellung
kommen. — Für ein Pettenkofer-Denkmal
wurde aus städtischen Mitteln ein Zuschuss von
25000 M. bewilligt.
"PvÜSSELDORF. Professor Fritz Roeber wurde
beauftragt, ein Bild des deutschen Kronprinzen
zu malen.
V^IESBADEN. Die Wiesbadener Gesellschaft für
bildende Kunst besteht nunmehr seit einem
Jahre und darf mit einiger Freude auf Erstrebtes
und Erreichtes zurückschauen. Die ersten Erwerbungen
der Gesellschaft galten einer Sammlung von
ca. dreissig Plaketten und Medaillen der bedeutendsten
französischen Meister, einem Jugendbilde von
Hans Thoma, zwei kleine Kinder mit Hühnern darstellend
und endlich einem Kupferstichwerk Dürer's
und den Gemälden des Velazquez in den besten
vorhandenen Wiedergaben. Eine Velazquez- Ausstellung
hatte im Februar stattgefunden, eine Anders
Zorn-Kollektion folgte im März, im Juni kam die
Münchener Wander - Ausstellung künstlerischer
Photographien nach Wiesbaden; die Plaketten-Ausstellung
im Oktober, aus der die Ankäufe erfolgten,
umfasste ca. sechshundert Werke; den Beschluss
im verflossenen Jahr bildete die Dürer-Ausstellung.
Bei den altmeisterlichen Ausstellungen wurden den
Mitgliedern eingehende Führer überreicht. Zu den
Vortragsabenden kamen Direktor Deneken aus Krefeld
, Professor Neumann aus Heidelberg und Direktor
Weizsäcker aus Frankfurt. Ein junger Wiesbadener
Kunsthistoriker, Dr. Waldschmidt, hielt in der Gesellschaft
seinen ersten Vortrag, er hatte als Thema
»Donatello« gewählt. Referierabende fanden besonderen
Anklang bei den Mitgliedern, Abende, an
denen einheimische Kunstfreunde drei bis vier kurze
Referate über mannigfache auf Kunst bezügliche
Themen hielten. Für die Interessen der künstlerischen
Photographie ist eine besondere Sektion der
Gesellschaft thätig; ferner hat es der Vorstand für
richtig erachtet, Lehrerinnen für Zeichenunterricht
zu unterstützen, in der Ueberzeugung, dass besserer
Zeichenunterricht in unseren Schulen eines der
wichtigsten Erfordernisse für Anbahnung künstlerischer
Kultur in Deutschland sei. Als nächste
Unternehmungen sind eine möglichst umfassende
Ausstellung Frankfurter Maler und vor Ostern eine
Ausstellung gesunder, religiöser Kunst beabsichtigt.
— Auch ausserhalb der Gesellschaft ist von mancherlei
Erfreulichem zu berichten. Die Museumsverwaltung
hat ein männliches Porträt von Lenbach
aus Privatbesitz erworben. Nacheinander sind in
den letzten Jahren Thoma, Trübner und Lenbach
in unsere Galerie eingezogen; Thoma ist nunmehr
mit zwei Werken vertreten. Die Gesinnung dieser
Ankäufe bürgt dafür, dass auch in Zukunft nur
Verständiges auf diesem Gebiet geschehen wird.
— Ein wichtiges Ereignis für Wiesbaden war die
Vollendung der Mädchenschule auf dem Schlossplatz
. Baurat Genzmer hat die Schule entworfen
und erbaut. Es ist ein farbenfreudiges, stimmungsvolles
, im besten Sinne modernes Werk. Genzmer
hat freilich viele Angriffe erdulden müssen, aber
allmählich scheint sich doch die Einsicht zu verbreiten
, dass Wiesbaden allen Grund hat, auf seinen
Stadtbaumeister stolz zu sein. — In Bangers Kunstsalon
lernte man eine Reihe begabter, junger Künstler
kennen, von Schlippenbach, der einen Teil des
Jahres in Wiesbaden lebt, hentschel-Meissen und
die Münchener Phalanxgruppe, in der Hüsgen und
Kandinsky für uns neue Erscheinungen waren;
auch Hecker, ein Wiesbadener, hatte seine Arbeiten
des letzten Jahres gesandt. Späterhin rief
VoGELER-Worpswede mit einer grossen, sehr interessanten
Kollektion Anerkennung und Widerspruch
, Freude und Entsetzen in hiesigen Kunstkreisen
hervor. Endlich sind noch die Vorträge
von Professor Thode, Heidelberg, zu erwähnen, die,
im »Verein für Künstler und Kunstfreunde« gehalten
, ganz ungewöhnlich warme Teilnahme beim
Publikum fanden. Off.
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