Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 367
(PDF, 174 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0415
WILHELM TRÜBNER

stellt er auch wieder Menschen dar, nicht
mehr in der trüben Beleuchtung des Ateliers,
sondern im freien Licht, oft in Sonnenbeleuchtung
, immer mit feinster Beobachtung der
Luftwirkungen und Reflexerscheinungen. Und
immer höher reicht der künstlerische Ehrgeiz
des seltenen Mannes. Der Maler, von dem das
schöne Wort stammt: „Das Köpfemalen ist
gewissermassen der Parademarsch des Künstlers
", hat sich mit eiserner Willensstärke
daran gemacht, lebensgrosse Reiterporträts
zu malen. Man muss wissen, wie er Schritt
für Schritt sich dafür vorbereitet hat, wie er
erst unzählige lebensgrosse Studien nach
Pferden, zum Teil auf Einzelheiten hin gemalt
, wie er darauf Kavalleristen in lumi-
naristischen Situationen studierte, endlich
kleine Darstellungen zu Pferde versuchte und
dann zum Schluss mit kraftvoller Faust mehr
als ein Halbdutzend lebensgrosser Reiterbildnisse
im Freien malte.

Dieses zähe Ringen um die ganze grosse
Kunst ist das charakteristische Merkmal für
die besondere Art Trübners und dann, dass
er immer malerische, reinkünstlerische Aufgaben
sucht. Dieses zuweilen in einem Grade,
dass schon höhere künstlerische Intelligenz
dazu gehört, ihm in seinen Absichten
zu folgen. Es wird noch
geraume Zeit vergehen, bis das
Publikum dahinter kommt, wieviel
vornehme Gesinnung dazu
nötig ist, in dieser Weise Kunst zu
machen. Das über das Gewohnte
in der Kunst Hinausgreifen, dabei
aber die Wirklichkeit als feste
Grundlage zu behalten, giebtTrüb-
ners Schaffen etwas Abgeklärtes.
Seine Bilder scheinen alltäglich,
aber sie sind es nicht im geringsten
. Ohne mit blauem Dunst zu
operieren, weiss dieser Künstler
die Natur sub specie aeterni zu
geben. Zugleich kommt in seinem
ganzen Schaffen ein starker persönlicher
Zug zum Ausdruck. Auf
seine Merkmale hin angesehen,
setzt sich dieser zusammen aus
einer starken Portion natürlichen
Phlegmas, ein wenig Schrulligkeit,
aus Wahrheitsliebe, Naivetät, Sinn
für Humor, Freude am Widerspruch
, Selbstvertrauen und aus
der ernsten Auffassung des künstlerischen
Berufes als eines vorbildlichen
. Obgleich Trübner,
was das Malenkönnen angeht, in
Deutschland kaum einen Rivalen

hat, liegt ihm alles Virtuosenhafte fern. Seine
Bilder sind ausnahmslos alla prima gemalt, aber
sie wirkenniemals als Erzeugnisse einer grossen
Geschicklichkeit. Hie und da sehen sie sogar
unbeholfen aus. Man merkt, wie der Künstler
mit der Natur ringt, dass sie sich ihm in
schöner Einfachheit offenbare. Leibis Art
wirkt gegen die seine kompliziert und fast
elegant. Trübner achtet nicht auf das Nebensächliche
und Zufällige. Er sucht nur die
grossen farbigen Werte in der Erscheinung des
Menschen, im Interieur oder in der Landschaft.
Seine Porträts, besonders seine Frauenbildnisse
sind wahrhafte Musterstücke einer grossen,
freien, malerischen Behandlung. Die Porträts
der „ Dame in Grau" (Abb. untenstehend)und der
„Dame im Hut" (Abb. S. 369) haben ausser in
Leibis „Gräfin Treuberg" in Deutschland überhaupt
nichtihres gleichen. Man kann siegetrost
neben Velasquez' Meisterwerke hängen. Und
das Bildnis des schwarzgekleideten sitzenden
Herrn mit der Brille (Abb. S. 362) steht in seiner
vornehmen Einfachheit und grosszügigen
Malerei, die alles durch Licht und Schatten ausdrückt
und den Eindruck der Farbigkeit mit
einer dunkelgrünen Tischdecke und einem roten
Hutfutter erzielt, ganz einzig da. Und wer

WILHELM TRUBNER

BILDNIS

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