Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 374
(PDF, 174 MB)
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-sr^)- DIE BREMER KUNSTAUSSTELLUNG -C^=^

angesehen hatten; und ein ebenso bezeichnender
Ausfluss dieser erregten Stimmung unter
den Alten ist jenes ebenfalls durch die Tagespresse
allgemein bekannt gewordene Preislied,
in dem Arthur Fitger, der Feuergeist und Tyrannenmörder
von ehedem, „an des Kaisers
Majestät" helltönende Worte des Dankes richtet
für das „Quos ego" an die schlimmen Modernen.
Die Anordnung der Ausstellung entspricht an
Geschmack und Takt der Güte ihres Inhalts.
Naturgemäss begegnet man einer ziemlichen
Anzahl von Werken, die von den Ausstellungen
des vergangenen Sommers schon bekannt sind,
darunter auch einigen, die nicht nur in Bremen
ein lebhaftes Für und Wider der Meinungen
veranlasst haben, wie Slevogt's den Lesern
d. Z. (s. XV. Jahrg., S. 75) bekanntesTriptychon
vom verlorenen Sohn mit dem in stupender
Kraft gezeichneten Akt des seelisch und körperlich
zusammengebrochenen Sünders, wie Zu-
loaga's übergrosses Bildnis der Schauspielerin
Consuelo mit seiner unerhörten Bravour kecker
Pinselführung, ein Bild, dessen altmeisterliche
Gesamthaltung bei häufiger Betrachtung immer
deutlicher ins Auge fällt (vergl. die Abb. im
XVI. Jahrg., S. 453).

Vorzüglich und fast ausnahmslos mit neuen
Arbeiten sind die Worpsweder vertreten. Carl

Vinnen mit einem Riesenbild von mächtiger
Raumwirkung und voller Licht und Luft: Mittagsbrüten
in sommergrüner Moorlandschaft;
vorne feuchte Kühle, in der ein ganz von Licht
umflossenes schwarzgeflecktes Rind des Weges
dahertrottet; Mitte und Hintergrund sattfarbige
Sonnenglut. Hans am Ende hatte diesmal mit
einem ähnlich grossen Format nicht so viel
Glück; trotz feiner Einzelpartien wirken seine
Herbstbirken allzu farbig und leer. Modersohn
gelingen die dämmerigen Abendtöne am
besten; wenn er Hexen und Wichtelmännchen
in solche Landschaften setzen will, müsste es
aber mit mehr überzeugender Naturkraft geschehen
, um diese Wesen glaubhaft erscheinen
zu lassen. An Fritz Overbeck erfreut die
breite, flockige Behandlung der Luft und die
ernste Einfachheit der Motive am meisten.
Aufsehen erregte auch diesmal wieder Heinrich
Vogeler mit zwei neuen Proben seiner
lyrisch empfindsamen, femininen Kunst, die
zwar an Verzeichnungen und Sonderbarkeiten
dem Beschauer genug zumutet, aber dafür
auch durch zarte, höchst persönliche, ungewollte
Eigenart und durch jungfräuliche Herbe
der Empfindung entzückt. In seiner präraffae-
litisch gehaltenen „Verkündigung" liegt sogar
ein Zug zu grossem Stil und von wunder-

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