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-sr^S- VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^=^
starken Beleuchtungseffekten zu sehen gewesen. -
Neben den Landschaften gingen immer noch Figurenbilder
her, und diese zeigten dann und wann deutlich
auf Böcklin zurück; doch sind die direkten
Analogien und unbewussten Entlehnungen fast ganz
geschwunden. Die Hauptwerke dieser Zeit sind:
»Malerei und Inspiration« (Museum Winterthur),
»An der Himmelspforte« (Museum Bern) und »Jungbrunnen
« (Museum Basel). Die dritte Periode
Sandreuters ist die der dekorativen Monumentalmalerei
, zu der ihn schon in Florenz Böcklin angeleitet
hatte. Glücklicherweise hat es nun dem
Schüler weniger an diesbezüglichen Aufträgen gefehlt
als dem Meister. Am deutlichsten böcklinisch ist
Sandreuter noch in den zwei grossen Panneaux im
Grand Hotel zu Baden (Aargau); gar nicht mehr
an die »Schule« erinnern aber vier in Sgraffitomanier
dekorierte Häuserfassaden in Basel, von denen leider
die beste bei einer Strassenrestauration hat weichen
müssen. Ein hoher Ehrentitel Sandreuters sind die
acht Figurenfelder im Saale der »Schmiedenzunft«
(Basel). In der Ausstellung zu sehen sind dann
wieder drei der Kartons zu den Glas-Mosaiken im Hofe
des Zürcher Landesmuseums: »Gründung Berns«,
»Teil« und »Manesse«, grossartige Wandbilder von
durchaus eigenartigem Gepräge. Sie und der Karton
»Landwirtschaft« zu einem der gewaltigen Glasgemälde
für den Kuppelraum des Parlamentsgebäudes
in Bern gehören sicherlich zum Monumentalsten
, was die dekorative Kunst vom Ueber-
gang des neunzehnten in das zwanzigste Jahrhundert
geschaffen hat. — Auch Sandreuter den Aquarellisten
, den Zeichner, den Holzschneider, den Radierer
und den Kunstgewerbler lehrt die Ausstellung kennen.
Man steht in derselben thatsächlich dem Lebenswerk
eines hochbedeutenden Künstlers gegenüber,
der, herausgewachsen aus der für ihn besten Schule,
derjenigen Böcklins, eine eigenständige, grosse Persönlichkeit
geworden ist. G.
I_I ANNOVER. Die Firma Sachse & Heinzelmann
*■ *■ hat hier vor kurzem eine permanente Ausstellung
für graphische Kunst eröffnet und mit einer grossen
Kollektion von Originalen der Münchener »Jugend«
würdig inauguriert. Bei der allgemeinen Teilnahme
des grossen Publikums für die Vorführung von künstlerischen
Schöpfungen, eine Teilnahme, die sich in
einer ganz erstaunlichen Zunahme des Besuches in
den Ausstellungen des Kunstvereins und des Kunstsalons
bethätigt, wird auch diesem neuen Unternehmen
die Unterstützung der Kunstfreunde sicher
nicht fehlen, wenn die weiteren Vorführungen sich
in versprochenem Masse auf der Höhe des Eröffnungstages
halten. PI.
DERLIN. Das Berliner Kunstleben flackert beim
Abschluss der Wintersaison noch einmal ganz
fröhlich auf. Schuttes Salon bringt eine höchst
interessante Kollektivausstellung von Bildern des
Schweden Bruno Andreas Liljefors. Der Eindruck
dieser neuen Arbeiten des berühmten Tiermalers
ist zwar lebhafter; aber doch weniger nachhaltig
als der der Schöpfungen, mit denen er vor
zehn Jahren in München und ein Jahr später in Berlin
erschien. Während damals ausser der Impression
der Bewegung in seinen Bildern auch eine Impression
der Farbe zu konstatieren war, ist diese jetzt ganz
in den Hintergrund getreten. Liljefors malt neuerdings
mit den starken, wenig nuancierten Farben
der um einen nationalen malerischen Ausdruck
ringenden jüngeren Schweden. Dadurch haben
seine Bilder an dekorativer Haltung zwar entschieden
WILHELM TRÜBNER
ZIMMERMANNSPLATZ
Das Original in der Kunsthalle zu Hamburg
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