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^25> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN C^=^
gewonnen, an malerischer Feinheit aber verloren.
Auch ist das landschaftliche Element, das die
früheren Werke so reizvoll erscheinen Hess, neuerdings
in den Hintergrund getreten, da Liljefors in
letzter Zeit mit Vorliebe die Wasserfläche als Hintergrund
für seine Tierdarstellungen wählt. Endlich
glaubt man die Wahrnehmung zu machen, dass der
Künstler, dessen erste Bilder soviel intensive Beobachtung
verrieten, jetzt die Hilfe der photographischen
Camera nicht mehr verschmäht. Immerhin
zählen seine Leistungen in ihrer Art immer noch zu
den besten, die gegenwärtig gemacht werden. Zum
Teil sind sie wirklich ausserordentlich. Das grosse
Bild mit dem über einem erstarrten grünen Meer dahinziehenden
»Eidervögelstrich« ist freilich nicht das
beste, was Liljefors hier zeigt. Interessant ist daran
höchstens, wie er die Illusion des Flügelschlagens
für den Beschauer dadurch zu erzeugen sucht, dass
er neben dem eigentlichen Flügel noch schattenhaft
dessen vorletzte Stellung andeutet. Sehr viel feiner
ist eine »Entenbrut« in blauem, von der Abendsonne
angestrahltem Wasser, wobei die Vögel silhouetten-
haft gegen all den Glanz stehen oder vielmehr
schwimmen. Auch »Möven«, von denen eine pfeilschnell
durch die Höhlung einer Woge schiesst,
sind sehr beachtenswert. Auf einem anderen Bilde
sieht man zwei prächtige Wasservögel schwimmen.
Wie da Liljefors die dicken, weichen, grauen Schöpfe
der Tiere gemalt hat, das verdient schon Bewunderung
. Man findet auch wieder einen »Winterhasen«,
der weiss über weissen Schnee dahinspringt, und
freut sich, mit wie einfachen Mitteln der Künstler
die Perspektive einer Anhöhe giebt. Ausgezeichnet
sind ferner »Junge Füchse«, die mit gespitzten
Ohren in dem von einem Felsabhang gebildeten
Bau sitzen. Bei einem Bilde »Hafstrutar«, das
einen schwimmenden und einen fliegenden Tauchervogel
darstellt, hat Liljefors die schwirrenden Flügel
wieder durch eine Folge von Schatten wiederzugeben
versucht, wobei die Form des Flügels ganz ver-
w. trübner studie
w. trübner im odenwald
schwiegen wird. Die Sache wirkt nicht überzeugender
als vor zehn Jahren bei seinem flüchtenden
Rebhuhn. Neben Liljefors kommt in dieser Ausstellung
beinahe nur noch Thorolf Holmboe in
Betracht, der Bilder aus Christiania in Winterstimmung
sehen lässt. Ein paar davon — »Morgensonne
« und »die Fabrik« — wo Wasser, Häuser,
Schnee und russige Schornsteine zusammenwirken,
stellen sehr anständige Leistungen vor. Eine wirksamere
Verhöhnung der verwässerten präraffaeliti-
schen Malerei in England als die Bilder von Evelyn
de Morgan kann man sich kaum denken. Dieser
fade Burne Jones-Imitator mit seinen Bedeutung
heuchelnden Erscheinungen von Königen, grauen
Schwestern, Sturmgeistern und speerschwingenden
Engeln fordert jeden Spott heraus. Der übrige Inhalt
der Ausstellung setzt sich u. a. aus einigen frischen
Studien von Dettmann aus Friesland und Lübeck,
nach berühmten Vorbildern geschaffenen heroischen
Landschaften von Emmy Lischke und einer Kollektivvorführung
des ■»Ausstellungsverbandes Berliner
Künstler* zusammen, von der man besser nicht
spricht. Von Keller & Reiner und dem Künstlerhaus
im nächsten Heft. H. R.
"CRFURT. Für das neue städtische Museum wurde
vom Magistrat der Ankauf des Gemäldes von
Ernst Henseler, das die denkwürdige Reichstagssitzung
vom 6. Februar 1888 (»Wir Deutsche fürchten
Gott, sonst nichts auf der Welt«) schildert, zum Preise
von 15000 M. beschlossen.
YV7IEN. Die 29. Jahres-Ausstellung im Künstler-
™ hause wurde am 22. März eröffnet. Wir kommen
darauf zurück. Vom österreichischen Staate wurden
bereits erworben 1. an Werken von Wiener Künstlern :
»Marktmotiv« von J. N. Heller, »An der Wiege«
von G. A. Hessl, »Vorfrühling« von Adolf Kaufmann
, »Paris 1900« von St. Schwarz, »Heimkehr
vom Felde« von Karl Zewy; 2. an Werken ausländischer
Künstler: »Entenbild« von C. Koester-
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