http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0477
-^s£> PERSONAL- UND ATELIER-NACHRICHTEN
WILHELM VOLZ „DIE KREUZIGUNG CHRISTI"
Teil des Entwurfes für die Ausmalung der Kuppel in der Aussegnungshalle des östlichen Friedhofs zu München
alle erdenklichen Schilderungen aus einer für den
Maler offenbar an Motiven unerschöpflichen, künstlerisch
noch gar nicht ausgebeuteten Gegend. Die
kleineren Naturstudien, erstaunlich wahr und schön
in Ton und Farbe, boten nicht minderen Reiz als die
grossen Bilder, die ihrerseits an frischer Unmittelbarkeit
aus oben genanntem Grunde den Studien
auch in nichts nachstanden. Man darf einem Debütanten
, der mit so reifen und gleichmässig erfreulichen
Arbeiten vor die Oeffentlichkeit tritt, wohl
eine erfolgreiche Zukunft prophezeien. -i-
Die ^Phalanx*, bietet in ihrer für die Dauer des
Mai veranstalteten dritten Ausstellung Kollektiv-
Vorführungen von Werken Wilhelm Trübner's
und Louis Corinth's, die starkes Interesse finden.
Eigentlich sind's von dem Erstgenannten nur
Kleinigkeiten (Pferdeköpfe und weibliche Aktstudien),
die vorgeführt werden, aber doch bedeutsam für
das Verständnis der neuesten Phase in der Entwicklung
dieses Künstlers, die in ihrer Gesamtheit
in diesen Blättern erst jüngst (zweites Mai-Heft)
eine erschöpfende Würdigung gefunden hat. An
den vierzehn ausgestellten, grösseren und kleineren
Werken Corinths kann man dessen Kunst bis ins
Jahr 1893 zurückverfolgen. Ein näheres Eingehen
darauf möchten wir zur Zeit hintanhalten im Hinblick
auf eine bei uns in Vorbereitung befindliche
grössere Veröffentlichung über diesen Künstler.
pvÜSSELDORF. Professor Eduard v. Gebhardt
hat ein neues bedeutendes Bild vollendet, das auf
der am 1. Mai eröffneten grossen Deutsch-Nationalen
Düsseldorfer Kunstausstellung 1902 mit vorgeführt
ist. Es stellt »Christus mit seinen Jüngern auf dem
Meere« dar und ist eine die Eigenart des Meisters in
vollkommenster Weise offenbarende Schöpfung, ein
Bild, das zu den Hauptwerken der diesjährigen grossen
Düsseldorfer Ausstellung gehören wird. Das Bild
stellt den Moment dar, wo die Jünger in dem vom
Sturme plötzlich überraschten Schiffe voller Angst und
Schrecken den schlafenden Heiland geweckt haben
und dieser die Kleingläubigen, Verzagten und Furchtsamen
beruhigt und beschirmt. Der Ausdruck der
Furcht, des Entsetzens der Jünger vor der Gewalt der
tosenden Elemente, ist mit der ganzen Stärke des
Gebhardtschen Temperaments geschildert. Jede der
Gestalten ist in dieses Meisters bekannten Art in
geistvoller, überzeugender Weise individualisiert und
drückt in höchster Lebendigkeit das von dem Schöpfer
des Bildes lebhaft nachempfundene Gefühl aus. Ueber-
zeugend glaubhaft ist auch der Sturm auf der See,
die wildbewegten Wellen, die das Schiff lein zu verschlingen
drohen, wiedergegeben und in der malerischen
Behandlung zeigt sich E. von Gebhardt ganz
auf der Höhe seiner reifen Aleisterschaft. Eine Nachbildung
des Werkes wird gelegentlich unseres Berichts
über die Düsseldorfer Ausstellung erscheinen. — Am
426
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0477