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Stellungen wichtiges Moment: Die Möglichkeit
, zu erkennen, welche neuen Gedanken
und Probleme die Kunst beschäftigen. Die
gegenwärtige Ausstellung der Berliner Secession
bietet nach dieser Seite reichlich
Gelegenheit, Beobachtungen zu machen. Der
Einfluss, den die Münchener Kunst jahrzehntelang
auf die deutsche Kunstentwicklung
ausgeübt, beginnt merkbar nachzulassen. Man
sieht nicht mehr viele von den sonst üblichen
Ausstellungsbildern. Die Begeisterung für den
virtuosen Strich, für die Malerei als Selbstzweck
erscheint stark abgekühlt. Man erzählt
weniger und beobachtet schärfer. Die Studien
verschwinden und die rohen Dekorationen.
Immer deutlicher tritt die Neigung, Bilder
zu malen, hervor; aber nicht in dem alten
Sinne, sondern mehr nach der Richtung des
„morceau", des malerischen Leckerbissens.
Es lässt sich in Berlin eine Renaissance des
Impressionismus feststellen. Freilich nicht
jenes Impressionismus, den in München
Böcklin und Stuck, in Berlin Ludwig von
Hofmann und Leistikow gestürzt haben, jener
aufdringlichen Art, deren Vater Bastien-Lepage
AUG. NEVEN DU MONT SELBSTBILDNIS
Ausstellung der Berliner Secession
war. Man hat Manet entdeckt und durch
ihn die Dinge neu sehen und darzustellen
gelernt. Die Bilder, die nach der Invasion
der Schotten, nach den Erfolgen Böcklins
und Stucks gobelinartig, bunt oder schwärzlich
geworden waren, spuken nur noch in
einzelnen Exemplaren in dieser Ausstellung.
Im allgemeinen malt man hell; aber diese
hellen Bilder thun dem Auge nicht weh,
sie sind farbig und infolge ihres Nuancenreichtums
sehr tonschön. Nach der Seite
der guten Malerei sind die grössten Fortschritte
gemacht. Allerdings darf nicht verschwiegen
werden, dass die Wirkung in einer
ganzen Reihe von Fällen durch Aeusserlich-
keiten erreicht wird. Zunächst jedoch kann
die sich in solchen Arbeiten aussprechende Bewunderung
des jüngeren Künstlergeschlechts
für Manet noch als Gewinn bezeichnet werden
; denn sie bedeutet eine Verfeinerung
des Geschmackes und lässt einer Weiterentwicklung
ganz anders Raum, als wenn bei
den alten Meistern, bei Böcklin oder Thoma
eingesetzt wird. Manet selbst bleibt unerreichbar
, aber seine Anschauung ist ohne
Zweifel noch absolut zeugungskräftig. Auf
fruchtbarsten Boden ist sie bei Slevogt gefallen
.
Nichts könnte besser beweisen, dass Max
Slevogt eine starke Individualität ist, als die
Art, wie er sich mit der durch Bilder Manets
empfangenen Anregung auseinandergesetzt
hat. Man erinnere sich, wie schwer und
zähe bei aller Schönheit die Farben seiner
ersten Bilder waren. Die Beschäftigung mit
Freilichtproblemen, von der im letzten Jahre
eine ganze Anzahl von interessanten Dokumenten
vorlag, hat diesen materiellen Mangel
völlig behoben. Es ist Duft und Leichtigkeit
in Slevogts Farben gekommen, ohne dass
darum das Wesen seiner Kunst eine Aen-
derung erfahren hätte. Eine überraschende
Probe bot bereits sein im Winter bei Cassirer
ausgestellt gewesenes und auch hier wieder
vorhandenes Bild „Sommermorgen". In noch
stärkerem Masse aber tritt der gemachte
Gewinn in seinem letzten Werke, dem (auf
nebenstehender Seite abgebildeten) „Champagnerlied
", hervor. Es ist kein Freilichtbild,
dieses Porträt von Francesco d'Andrade.
Es ist in Bühnenbeleuchtung gemalt. Der
berühmte Sänger steht zwischen Coulissen vor
einem Gartenprospekt. Im weissen Atlaskostüm
des Don Juan, hat er eben mit siegreichem
Lächeln den letzten Ton der Mozart-
schen Arie gesungen, schwingt grüssend in
der Rechten seinen weissen Handschuh und
scheint den Beifall der Zuschauer im Ohr
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