http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0505
-*-ss5> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <ö^-
Künstlern vierundfünfzig Werke, alles Arbeiten von
hervorragender künstlerischer Bedeutung. Sie steht
der vorjährigen Dresdener englischen Abteilung,
welche ebenfalls G. Sauter zusammengesucht hatte,
in nichts nach, ja man behauptet, dass sie sogar
besser wäre als die Dresdener. Zu den besten
Stücken gehören die Porträts von Neven du Mont,
G. Sauter, Harrington Mann, ebenso die Landschaften
von E. A. Walton, H. Muhrmann,
Bertram Priestman, John Lavery, Th. Austen
Brown. Von eminent malerischem Reiz sind auch
die Radierungen von J. Pennell, die Lithographien
von Ol. Hall und einige prächtige Zeichnungen
von E. Sullivan. Den grossen Mittelsaal der
Kunsthalle nimmt Eugen Bracht mit dreiundvierzig
Bildern und Studien ein. Ich glaube, es ist
dies zum grossen Teile dieselbe Kollektion, welche
im vergangenen Jahre in Berlin zu sehen war und
welche die neue Richtung des Künstlers vollständig
zur Anschauung bringt. Das seiner früheren Richtung
entstammende Bild »Der Berg Sinai«, welches
ebenfalls hier ist, zeigt den Unterschied zwischen
früher und jetzt sehr deutlich. Von den übrigen
deutschen Bildern sind besonders hervorzuheben die
kräftig gemalten Landschaften von Fritz Baer, die
fein stilisierten und ernst gestimmten Bilder von
Hermann Urban und Carl Piepho, eine poetische
Mädchenfigur »Der Frühling« von Fr. Stuck, dann
zwanzig flott gemalte Aquarelle von Hans Bartels,
Ergebnisse einer Mittelmeerreise, zwei kleine sehr
schön gestimmte Bilder von Hans Borchardt,
ignatius taschner wanderer
Ausstellung Berliner Secession (Holzstatuette)
eine »Idylle« von Leo Putz von brillanter Farbe.
Der vom Staate angekaufte A. BöCKLiN »Kentaur
in der Schmiede« ist auch ausgestellt. Von Ignacio
Zuloaga sind fünf Bilder ausgestellt, von welchen
besonders zwei Stierkämpfer hervorragen. Von den
Franzosen ist Rene Menard durch eine Landschaft
»Girgenti« mit prächtig gemalter Luft vertreten
, Le Sidaner, Henri Duhem und Georges
Costeau's Bilder zeichnen sich durch geschmackvolle
Auffassung und vornehme Farbe aus. Unsere
ungarischen Künstler haben in dieser Gesellschaft
einen etwas schweren Stand, was übrigens gar nicht
so schwer zu erklären ist. Die ausländischen Bilder
sind ausgesuchte Werke von namhaften Meistern,
während wir Ungarn die Produktion des letzten
Winters brachten — Gutes und minder Gutes, bewährte
Künstler und Anfänger. — L. Horovitz,
F. Laszlo haben je ein Porträt ausgestellt, F.
Szenes eine ganze Kollektion von Bildnissen,
darunter einige ganz vorzügliche, L. Mark zwei
weibliche Porträts von sehr feiner Farbe, ebenso
A. Boruth ein stark an Velasquez erinnerndes weibliches
Porträt. Von den Bildnissen Gyula Stetka's
will ich besonders das des Malers lg. Ujväry
hervorheben; auch J. Knopp hat einige tüchtig gemalte
Kinderbildnisse ausgestellt. Besonders gut
ist Miksa Bruck durch ein Interieur vertreten.
Imre Revesz wollte in einem Triptychon die ungarische
Tiefebene— die Puszta — charakterisieren;
es ist ihm jedoch trotz der schönen Einzelheiten,
welche sein Bild aufweist, nicht geglückt. Gut wie
immer sind die Bilder von D. Skuteczky, Ig.
Ujvary, Gust. Magyar, O. Mendlik, A. Edvi-
Illes, L. Szlanyi und J. Vaszary. Gyula Harij
hat das Ergebnis einer Studienreise in Italien ausgestellt
und gezeigt, dass man auch von Italien
Neues bringen kann, wenn man ein frisches Auge
und gute Beobachtungsgabe besitzt. Unter den ausgestellten
Arbeiten befinden sich einige wirkliche
Kabinettstücke. Zum Schlüsse wollen wir noch
M. Munkacsy's »Nachtschwärmer« erwähnen,
welcher in letzter Zeit vom Staate erworben wurde;
die Meinungen über Munkacsy mögen ja geteilt sein,
doch vor diesem Bilde dürfte jedermann die Empfindung
haben, vor dem Werke eines der grössten
maitre-peintre des neunzehnten Jahrhunderts zu
stehen. Von den Skulpturen sind einige kleinere Arbeiten
von van der Stappen und mehrere wunderbar
gut beobachtete Tier-Statuetten von Aug. Gaul
hervorzuheben. Von den einheimischen Künstlern
haben Istvan Toth, E. Telcs, B. Hollo tüchtige
Arbeiten ausgestellt. A. T.
LJ ANNOVER. Die neunwöchentliche siebzigste Aus-
* * Stellung des Kunstvereins für Hannover ist von
reichem ideellen und materiellen Gewinne begleitet
gewesen. Der Katalog wies tausendvierhundertdrei-
undzwanzig Kunstwerke, darunter eine Reihe von
namhaften in- und ausländischen Künstlern auf, die
bisher in Hannover noch nicht vertreten gewesen
sind. In den auf siebzehn Ober- und Seitenlichtsäle
erweiterten und geschmackvoll dekorierten Räumlichkeiten
des alten Museums präsentierten sich die
ausgestellten Werke aufs beste und hielten die
Schau- und Kauflust des Publikums bis zur letzten
Stunde rege. Im Durchschnitt haben über tausend
Personen pro Tag die Ausstellung besucht, eine
Ziffer, die früher nicht annähernd erreicht wurde.
Zweihundertfünfzig Kunstwerke im Nettobetrage von
über 140000 M. wurden verkauft; sieben Bilder, die
bereits früher an dieser Stelle erwähnt sind, gingen
zum Gesamt-Preise von 36000 M. in den Besitz
des Provinzial-Museums über. Unter den Verkäufen
452
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0505