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-sr4s5> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <ös^
sind alle namhaften Kunststädte vertreten, auch das
Ausland ist dieses Jahr mit grösseren Beträgen
anzuführen. Berlin ist mit Feldmann, Frenzel,
Hammacher, Hering, Henseler, Hoehnow, Hoffmann-
Fallersleben, Kohnert, Müller-Kurzwelly, Normann,
Schenker, Saltzmann, A. von Werner zu nennen; —
Düsseldorf ist mit Böhmer, H. Deiters, Kirberg,
Massau, Montan, Nabert, Schweitzer, — Dresden
mit Kühl, Schreyer, Hölbe, - Frankfurt mit E. J.
Müller anzuführen. Aus München figurieren auf der
Verkaufsliste: Beckmann (f), Jos. v. Brandt, v. Bergen,
Dehn, Eberle, Egersdörfer, Eilers, Firle, R. Frank,
Jos. Herterich, Harburger, Kricheldorf, von Len-
bach, Lipps, Roth, Schnitzel, Stuck, P. Weber,
Weisser, Wenglein und Willroider; — aus Hamburg
H. und M. Cramer und Oesterley, — aus Karlsruhe:
Kanoldt, Köster, Ferd. Keller, Stromeyer, Tyrahn,
— aus Stuttgart: Häberlin und A. Peters, — aus Barth
a. d. O.: Douzette. Aus der hannoverschen Künstlerschaft
, die verhältnismässig stark an der Beschickung
und an den Verkäufen beteiligt war, seien nur die
folgenden genannt: Brauer, Breling, Cammann,
Friederich, Gundelach, Hantelmann, Heitmüller,
Hermanns, Jordan, G. u. P. Koken, Mittag, Müller-
Wachenfeld, Rauth, Ruwe, Täger, Voigt etc. Das
Ausland ist mit vier Böcklins, Sahnas und Serra-
Rom, Eerdmann-Haag und Schultzberg-Schweden
vertreten. Alles in allem kann der Kunstverein
für Hannover mit voller Befriedigung auf seine
diesjährige Ausstellung zurücksehen, die alle aufgewandten
Mühen und Kosten in reichem Masse gelohnt
hat, — und das Publikum, das dankbar über das
Gebotene quittierte, wird die Hoffnung hegen dürfen,
dass das Niveau der alljährlichen Kunstausstellung
durch Fleiss und Bemühen des Vorstandes im
Interesse der Kunst und des Kunstinteresses immer
mehr gehoben wird. Die besten Vorbedingungen
für die Erfüllung dieser Hoffnung sind ja in den
reichen materiellen Erfolgen der Ausstellung gegeben
. Die Gesamtsumme der Verkäufe, die alljährlich
stetig und in erheblichen Progressionen
steigt, stempelt Hannover schon jetzt zu einem
Kunstmarkte ersten Ranges und stellt, wenn man
die zahlreichen Verkäufe des Hannoverschen Kunstsalons
mit in Rechnung zieht, die Stadt bereits in
Konkurrenz zu den ersten deutschen Kunstzentren,
— eine Thatsache, die sicher dazu beitragen wird,
die Beschickung der hannoverschen Ausstellungen
immer farbenreicher, mannigfaltiger und interessanter
zu gestalten. PL
F>RAG. 63. Jahresausstellung des Kunstvereines
* für Böhmen. Sollte es sich bewahrheiten, dass
diese Ausstellung die letzteThat des Kunstvereines gewesen
sei? Bei der Agitation, die von gewisser Seite
gegen diese Unternehmung seit einigen Jahren getrieben
wurde, wäre es begreiflich, wenn schliesslich
die Leitung die Geduld verlieren würde. Aber
es sind auch seitens des Ausschusses so viele
Unterlassungen und Nichtbeachtung berechtigter
Wünsche der Künstlerschaft, Vorschläge, welche
geeignet gewesen wären, das Zusammenarbeiten
beider Faktoren zu erleichtern und zu festigen, zu
verzeichnen, dass es endlich einmal irgend ein Ende
nehmen muss. Die Errichtung einer modernen
Galerie, aus der Stiftung Sr. Majestät des Kaisers,
dürfte nicht ohne Einfluss auf die Veranstaltungen
des Kunstvereins bleiben und wenn nicht noch in
letzter Stunde eine Reform vorgenommen wird, so
dürfte das, was bisher nur so vertraulich herumgesprochen
wird, wirklich noch Thatsache werden.
Der Abschluss dieser Thätigkeit des Kunstvereines
wäre jedenfalls ein sehr schöner; denn gerade die
heurige Ausstellung konnte in jeder Beziehung als
gelungen bezeichnet werden. Wie sehr sich die
Raumumgestaltung im Vorjahre bewährt hat, zeigte,
dass heuer gar keine Veränderungen vorgenommen
wurden, ausser dass einige Kabinette neu eingerichtet
werden mussten, um die Fülle der eingelaufenen
Objekte unterzubringen. Die Ausstellung hatte heuer
einen geradezu internationalen Charakter und unter
den tausendundzehn Nummern, die der Katalog
aufwies, sind alle kunsttreibenden Nationen vertreten
. Auch das Kunstgewerbe trug in reichhaltiger
Auswahl und durch geschickte Aufstellung
zum Gelingen des Ganzen bei. Ganz hervorragend
waren zwei Künstler vertreten, die man in Prag so
gut wie gar nicht kannte, Heinrich Zügel und
Giovanni Segantini. Ersterer hatte bei uns noch
math. streicher bewaffneter friede
Ausstellung der Berliner Secession
nie ausgestellt, von letzterem war vor etwa drei
Jahren ein Bild zu sehen. Heuer ist es denn doch
durch Vermittlung eines ehemaligen Schülers von
Zügel gelungen, denselben zur Teilnahme an unserer
Ausstellung zu bewegen und es ist mit grösster
Genugthuung zu begrüssen, dass sich der grosse
Meister gleich mit vier ausgezeichneten Werken
eingefunden hatte. Was Zügel heute als Maler bedeutet
, weiss jeder, der die grossen Ausstellungen
des Auslandes besuchen kann; man kann ruhig aussprechen
, dass die Tiermalerei, speziell die deutsche
Tiermalerei in diesem Meister ihren Höhepunkt erreicht
hat. Aus dem Nachlasse Segantinis sahen
wir zehn Oelbilder und zwölf Zeichnungen und so
war denn unserem Publikum reichlich Gelegenheit
geboten, die herrliche Eigenart, dieses leider für die
Kunst viel zu früh verstorbenen Meisters, kennen
zu lernen. Waren es auch nicht gerade Hauptwerke,
was wir hier zu sehen bekamen, so waren sie doch
vollends geeignet, die eigenartige Naturanschauung,
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