http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0524
DIE KARLSRUHER KUNSTAUSSTELLUNG <^£=^
verstorbenen badischen, nach München übergesiedelten
Künstler Wilh. Volz und Wilh.
Dürr und die grossartige Kollektion Wilh.
Leibl und seines genialen Schülers Wilhelm
Trübner: Meisterwerke, die uns allen von den
Ausstellungen der deutschen Kunstmetropole
her bestens bekannt sind.
Im französischen Saale interessieren uns, um
aus dem vielen Guten nur einiges herauszugreifen
: Besnard mitdemallbekannten wunder-
barenPorträtder Rejane, L.Simon mit dem gross-
empfundenen „Dorfzirkus", der melancholische
Cottet, der elegante Jacques E. Blanche,
der Whistlersche Farbenneurastheniker Aman-
Jean, die Schilderer eleganter pikanter Weiblichkeit
L. Garrido, Louis Ridel, Raffaeli
und De la Gandara. Sehr auffällig durch seine
intensive Doppelbeleuchtung von glühendem,
flüssigem Eisen und elektrischem Licht ist
der „Besuch im Hochofen" von Georges
Berges, ein echt französisches, brillant durchgeführtes
Sensationsstück, neben dem die
feinen, künstlerisch hochvollendeten Beleuchtungsprobleme
von Gaston la Touche etwas
weniger verständlich sind, aber auf den Kenner
desto intimer wirken. Der berühmte Porträtmaler
Carolus-Duran ist aus keiner Periode
seiner Kunst so gut vertreten, wie mit seinem,
der früheren Zeit angehörigen Kabinettstück
„Der Fechtmeister".
Unter den Engländern, Schotten und Amerikanern
excellieren der Whistler nahezu gleichkommende
John Lavery mit seinen unvergleichlichen
Damenbildnissen, dem sich Frank
Daniell, Shannon, der anglisierte Münchner
George Sauter und William Chase fast
ebenbürtig anschliessen. Herrliche Werke
haben auch E. A. Walton („Die Sonnenuhr"),
der Rossettischüler Maurice Greiffenhagen
mit seiner bekannten, etwas symbolisch auf-
gefassten, farbenprächtigen „Verkündigung",
Brown-Morison und die intimen Stimmungs-
Landschafter Priestman, Muhrman, Kennedy
, Paterson und Dekkert gesandt.
Das auf dem Gebiete der Malerei so hochstehende
Belgien ist zwar sehr reichhaltig,
aber lange nicht so glücklich vertreten, wie
die oben genannten Länder, da hier ein kleines
Missgeschick in Bezug auf die Auswahl obwaltete
, indem die einheimischen beauftragten
Künstler die ihnen offenbar leichter zugängliche
ältere Malerei - - von dem glatten aber
tüchtigen Epigonen der Altdeutschen, Henry
Leys, dem Damenmaler Alfred Stevens
469
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0524