Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 471
(PDF, 174 MB)
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DIE KARLSRUHER KUNSTAUSSTELLUNG -C^=^

FR. AUG. VON KAULBACH

Aus dem Besitz des Herrn Th. Knorr in München

BACCHANTINNEN

Karlsruher Jubiläums-Kunstausstellung

grellen Beleuchtung, wie der oben erwähnte
„Hochofen" von Georges Berges, ist des
Hauptmeisters der „Scholle", Fritz Erler's,
gross und monumental gedachtes Triptychon
„Die Pest", aber die inhaltlichen und koloristischen
Kontraste sind energischer, geistvoller
einander gegenübergestellt und erheben
das Werk in eine Sphäre, in der die landläufigen
, malerischen Rezepte total versagen.
Ganz verschieden davon, wohl mit malerischen
Mitteln, aber nicht mit malerischen Qualitäten
ausgedrückt, ist das andere, hieher gehörige
naturwüchsige Bild von Walter Georgi,
„Saure Wochen, Frohe Feste" (Abb. s. S. 475).
Man könnte, was hier in lebensprühender,
derber und flotter Weise dargestellt ist, auch
füglich ohne Farben dem Publikum mitteilen,
aber was ihm in dem Triptychon hier gesagt
wird, ist mit solcher Charakteristik und mit
solcher Erhabenheit und Befreiung von dem
rein Stofflichen gegeben, dass niemand, gerade
wie bei der obengenannten „Pest", an der
wuchtigen Arbeit teilnahmslos vorübergeht.
Des Freiherrn von HABERMANNprickelnde, flott
konzipierte weibliche Brustbilder, Haider's
tiefpoetische, im Geist der alten Meister geschaute
Stimmungslandschaften, Herterich's
grossartig gemalte „Spiegel-Lichtscene", Jul.
Exter's glänzender, an Ludwig von Hofmann
gemahnender „Nixenteich", Zügel's Rinder
und Stuck's an Botticelli erinnernde köstliche
„Florentinerin", Uhde's und Firle's Meisterwerke
, Fr. Aug. von Kaulbach's geschmackvolle
„Bacchantinnen" (Abb. obenstehend),

Georg Schuster-Woldan's „Rattenfänger",
Hierl-Deronco's „Liebesgarten", Franz
Hoch's Landschaften, Lenbach's gewaltige
Porträtgalerie, um nur einiges herauszugreifen,
finden stets ungeteilten Beifall.

Verlassen wir die so kraftvoll aufblühenden
Münchener Schulen, die zumal in der „Seces-
sion", den intimen „Dachauern", der prächtigen
„Luitpold-Gruppe" und auch wohl der
„Genossenschaft", so Tüchtiges, Gehaltvolles
zu leisten vermögen und wenden uns der
Reichshauptstadt zu, so bemerken wir besonders
den vielgewandten Luminaristen Skarbina
mit sechs feinen Kabinettstücken, seinen Gesinnungsgenossen
Dettmann, jetzt in Königsberg
, und die grossartigen Stimmungslandschafter
Achtenhagen, Bracht und Leisti-
kow, den lyrischen Poeten der sandigen Mark.
Die grossen Meister Menzel und Liebermann
sind daneben leider nur durch kleinere Werke
ziemlich ungenügend vertreten. Die junge
Stuttgarter Schule - - wohl eine Filiation von
modernem Karlsruher Blut zu nennen - - hat
in dem Grafen Kalckreuth einen zwar etwas
spröden, aber desto intimeren Meister aufzuweisen
. Wer sein echt künstlerisch aufgefasstes,
anscheinend so ganz einfaches „Knabenporträt"
(Abb. s. S. 468) nicht zu geniessen versteht, der
ist sicherlich von der ungewohnten Situation
des Dargestellten so suggeriert, dass er die
eminenten malerischen Qualitäten des Bildes
nicht genügend zu schätzen weiss. Der andere
Stuttgarter Hauptmeister Carlos Grethe ist
wohl in seinen früheren, schärferen Kontrasten

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