Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 491
(PDF, 174 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0546
~^ö> MÜNCHENER SECESSION

EUGEN SPIRO BILDNIS VON RICHARD MUTHER

Sommer-Ausstellung der Münchener Secession

Kleides, das hie und da noch durchschimmert,
drüber gestrichen ist. So sachlich in der
Wirkung und so witzig in der Technik ist
das gemalt, dass man von diesem Punkt aus
für das Ganze ein Interesse fassen kann,
das sich immer steigert und vertieft. Wie
ist die Figur in den Raum „gepflanzt", wie
das scheussliche Rosa gemalt, dass es, jenseits
von Schön und Hässlich, eben ein
Stück grosser Kunst wird, wie das Spitzenmuster
darauf hingesetzt, scheinbar minutiös
und doch unendlich frei und leicht hingewischt
! Diejenigen unsrer Künstler, welche
„die Kunst zu lernen nie zu träge sind", werden
sich von diesem Nachkommen der Velasquez
und Goya gar manches Gute und Lehrreiche
anvertrauen lassen und es bedauern, nicht
schon früher ihn kennen gelernt zu haben.

Zuloaga ist der einzige Spanier auf der
Ausstellung, aber nicht der einzige Ausländer.
Im Gegenteil, sozusagen! Die ganze wohlbekannte
Schar der fremden Gäste ist auch
dies Jahr erschienen, so zahlreich, dass von
etwa dreihundert Nummern ein Drittel ausser-
deutsche Autorennamen trägt. Unter den französischen
Bildern ist Cottet's „Prozession"

(s. S. 493) das umfang- und farbenreichste,
Aman-Jean's „Der Fächer" (s. S. 483) das
pikanteste, Gandara's Herrenporträt (s.S.492)
das glatteste. Sehr schön ferner, dass wir
einen der geistvöllsten französischen Kolo-
risten als Zeichner kennen lernen: Bes-
nard hat die Kartons zu seinen Wandmalereien
für die Kapelle des Hospitals Cazin-
Perrochaud in Berk geschickt. Diese Wandmalereien
sollen eine rührende Vorgeschichte
haben: der Sohn des Malers war als Kind
von einem langwierigen Leiden befallen und
von den Aerzten schon aufgegeben, als ihm
eine angeblich wunderthätige Quelle in dem
Wallfahrtsorte Berk nach und nach die Gesundheit
wieder gab. Der Vater hat dann
aus Dankbarkeit die Kapelle des Spitals, wo
sein Sohn genesen, ausgemalt und die Kartons
sehen wir nun hier — leider im oberen Stockwerk
, wo übrigens auch manches andere, wie
Cameron's feine Winterlandschaft, die Mühen
des Heraufsteigens lohnt. In zwölf Bildern
hat Besnard Leben und Leiden, Tod und Genesung
geschildert, wie sie unter dem Schutz
Christi und im tröstenden Glauben an ihn
sich am Menschen vollziehen; vier Heiligen-

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