Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 494
(PDF, 174 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0549
-a-^> MÜNCHENER SECESSION: SOMMER-AUSSTELLUNG

blinzelnd, der von vorne ins Bild hereinflutend
gedacht ist, dem Beschauer entgegenblicken
vielleicht nicht sowohl dem Beschauer
, als dem Besucher, dem sie gastfreundliche
Aufnahme in dem altertümlichen,
wasserumflossenen Adelssitz versprechen,
dessen wuchtige und pittoreske Masse sich im
Hintergrunde erhebt. Die ganze Familie von
jener altfränkisch-aristokratischen gesunden
Hässlichkeit, die noch nichts von der vergeistigten
und schwächlicheren Feinheit degenerierter
Geschlechter hat, und in ihrer unverkennbaren
Bodenständigkeit so viel sympathischer
und frischer, als so und so viele weibliche
Bildnisse des espritvollen Junggesellen.
Von Leo Samberger ist diesmal eine grosse
Serie seiner Brustbilder in Kohlezeichnung
da, eins sicherer erfasst und hingesetzt als
das andere; am besten sind ihm wohl A. v.
Keller, Stuck, Uhde und F. A. v. Kaulbach
gelungen. Den Gegenpol zu diesen gezeichneten
Porträts bedeuten die ganz koloristischen
Bildnismalereien von J. Exter und

august neven du mont bildnisgruppe

Sommer-Ausstellung der Münchener Secession

H. Knirr. Exter ist es, besonders in dem
Bild von Mutter und Kind, mehr um die
Wucht und Leuchtkraft, Knirr mehr um ein
raffiniertes Zusammenstimmen zarter Töne
zu thun. Die Palette Knirrs ist sehr geschmackvoll
, aber die Gesichtsfarbe der beiden
von ihm gemalten Kinder kann auch in einem
nicht naturalistisch verseuchten Gemüt den
Wunsch wecken, er möchte seine Farben einmal
vor der Natur revidieren. Und in was für
stumpfen, bleigrauen, schieferblauen Tönen hat
der Breslauer Spiro das nobel konzipierte
Bildnis Richard Muthers (s. S. 491) gemalt!
Eine Farbenaskese (im Gegensatz zu der
Farbenschwelgerei der beiden vorher Genannten
), von der wir nicht glauben, dass sie
einen Lohn im Himmel der Kunstgeschichte
zu erwarten hat. Auch das hübsche lebens-
grosse Porträt eines jungen, in freier Landschaft
stehenden Sportsman hat dieses Grausehen
und Schwarzmalen, das man sonst
unter die sieben Todsünden der Münchener
Malerei rechnet. — Nicht grau gesehen und
nicht schwarz gemalt ist A. v.
Keller's grosses Frauenbild „Ergebung
", ein technisch raffiniertes,
im Effekt fast zu starkes Farben-
und Beleuchtungskunststück. Seine
kleineren Farbenskizzen sind
nicht minder raffiniert, aber noch
feiner in der Wirkung.

AngeloJank wird, als er sein
grosses Bild einer Reiterin in der
Ausstellung wieder sah, selbst am
besten bemerkt haben, was ihm
dabei nicht geglückt ist. Ross und
Reiterin sind zeichnerisch vortrefflich
, aber der schwere kompakte
Schatten, der auf sie fällt
(wohl von einer Hauswand, nicht
von der Kastanie, deren Zweige
oben ins Bild hineinhängen, die
aber selbst im Schatten zu stehen
scheint) raubt dem Bild die Bestimmtheit
des Gesamteindruckes.
Der sonnenbestrahlte Hintergrund
blendet den Beschauer, der sich
müde sehen muss, um die Züge
der schlanken Amazone überhaupt
zu erkennen. Das ist ein objektiver
Mangel, den man einem so
ernsten und ehrlichen Künstler
wie Jank gegenüber nicht aus
Höflichkeit zu verschweigen
braucht. Wie bestimmt tritt dagegen
in den Reiterbildnissen
Trübner's (die man freilich bei
der Secession leider vergeblich

494


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0549