Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 496
(PDF, 174 MB)
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-^r^> MÜNCHENER SECESSION: SOMMER 1902 <^^~

ADOLF THOMANN

AUF DER ALP

Sommer-Ausstelluna: der Münchener Secession

konnte. Wie dürftig, ja verständnislos ist
das Laubwerk der Buche im Vordergrund
des „Bergsees im Frühling"! Doch glaube
ich bestimmt, Pietzsch wird dies Manko
überwinden und dazu gelangen, das, was er
sagen will, in unanfechtbarer, geschlossener
Form zu sagen.

Uebrigens neigt sich die Zeit der „reinen"
Landschaft vielleicht überhaupt vorläufig
einem Abschluss zu. Künstlerisch interessanter
sind wenigstens auf dieser Ausstellung
fast durchweg die Bilder, auf denen Menschen
oder Tiere nicht als Staffage, sondern als
wichtiger, integrierender Bestandteil der Landschaft
figurieren. Da steht in erster Linie
Emanuel Hegenbarth mit seinen „Jägern"
und ein paar Pferdebildern bester Zügelscher
Observanz, dann Schramm-Zittau mit dem
brillant gemalten grossen Bild „Schwäne";
da ist der Schweizer Thomann, der seine
Kühe auf der Alp (s. oben) und seine Pferde im
Arbeitsgespann in reserviert vornehmer, aber
doch naturwahrer Feintonigkeit malt. Neben
Hubert v. Heyden, der wieder ein Drama aus
dem Hühnerhof schildert (s. S. 484), tritt in wachsender
künstlerischer Reife Charles Tooby;
vor allem sein Stilleben „Raubzeug" ist von
einer Eleganz und Weichheit in der Malerei

der Felle und Gefieder, dass die Sprödheit,
die seine früheren Bilder oft etwas trocken
und nüchtern machte, hier ganz überwunden
erscheint. — Chr. Landenberger, unter den
älteren Künstlern, welche die menschliche
Figur im Freien studieren, einer der unermüdlichsten
und ehrlichsten, hat einen
kleinen, drollig-unbeholfenen Nackefrosch in
eine Frühlingslandschaft gestellt. Carl Piepho
lässt auf einem Bild eine junge Dame in
wallendem weissen Kleid beim Abendspaziergang
über ein rötlich beschienenes Stoppelfeld
gehn (s. S. 495), auf einem andern ein andres
weissgekleidetes Mädchen am Waldsaum
träumerisch und sehnsuchtvoll in die Abendlandschaft
blicken. Das zweite Bild ist nicht
nur „poetischer", sondern auch glaubhafter
als die Stoppelfeldwanderung, die ein bisschen
zurechtgemacht aussieht. Auch Adalbert
Niemeyer führt eine Dame abends „am
Wasser" spazieren; das Bild ist fein und
reich in der Farbe, aber von einem grünbläulichen
Gesamtton, den ich nicht recht
motiviert finde; ungleich glaubhafter und
harmonischer noch wirkt ein „Interieur",
auf dem die Figuren und der ganze Raum
mit all seinen hübschen, anheimelnden Sachen
ein höchst anziehendes Ensemble machen.

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