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-sr-s^)- VON AUSSTELLUNGEN
Skizzen von der Reise mit dem Erzherzog Karl
Stefan von Oesterreich in Dalmatien und Italien.
Dann sind Hans Herrmann, Skarbina, Julius
Jacob, Heinrich Hermanns, Hugo Mühlig,
Kubierschky — um nur die Hervorragendsten
unter den jüngeren Aquarellisten zu nennen — zum
Teil glänzend vertreten. Deiters, Oehme, Leonharde
Lutteroth u. a. repräsentieren die ältere
Schule und zeigen, dass sich auch mit beschränkten
Ausdrucksmitteln Vortreffliches leisten lässt. Einzelne
Blätter von Hermine Laukota, Hugo-Vogel,
Hermann Billing, Max und Martha Giese verdienen
gleichfalls besonders hervorgehoben zu werden
. Natürlich fehlt auch nicht das zahlreiche Geschlecht
der Reise-Aquarellisten, welche die beliebtesten
Punkte des internationalen Touristenverkehrs
nach malerischen Ansichten abgrasen und an romantischen
Beleuchtungseffekten etwasdraufgehenlassen,
sowie das amüsante Genre der Illustratoren und
Humoristen, wie Mandlik, Marold, Stahl,
Kleiter, Caspari u. a., bei denen die geistvolle
Mache immer anzuerkennen bleibt. Nicht ganz
schlecht schneiden die schlesischen Aquarellisten
ab, deren Doyen, der greise Theodor Blätterbauer
, noch immer seinen Mann stellt. Unter den
Jüngeren ragen die frischen und liebenswürdigen
richard winternitz
Sommer-Ausstellung der Münchener Secession
Arbeiten von Klara Sachs besonders hervor. Den
ganzen Inhalt des vierhundertfünfzig Nummern zählenden
illustrierten Katalogs der Ausstellung wird
erst eine zweite Serie erschöpfen. M. S.
DASEL. In der hiesigen Kunsthalle befinden sich
gegenwärtig zwei Ausstellungen. Die eine —
kleinere — umfasst eine Anzahl Porträts von Fritz
Burger, dessen chiker, flüssiger Vortrag und dessen
feiner Geschmack immer wieder neu zu fesseln vermögen
. Wir werden einmal eingehender auf diesen
Künstler zurückkommen. Im selben Saale ziehen
eine Anzahl kräftige, figürliche und landschaftliche
Sujets behandelnde Radierungen von Hermann
Struck die Besucher an. — Die grössere Ausstellung
ist der vom Schweizerischen Kunstverein veranstaltete
sogenannte »Turnus«. Er bietet im allgemeinen
gute Durchschnittskunst; ganz hochbedeutend
ist keines der darin ausgestellten Werke,
hingegen ragen doch Landschaften von F. Völlmy,
E. Schill, H. Lendorff, E. Boss, P. Colombi,
G. Giacometti, O. Gampert, J. Ruch, J. Odier,
A. Gos, eine Marine von W. de Goumois und das
phantastische, aber doch klare Genrebild »Teufelspredigt
« von H. B. Wieland weit über das Mittelmass
hinaus. — Im Museum sind die Bilder von
Ernst Stückelberg, der im vergangenen
Jahre seinen siebzigsten Geburtstag gefeiert
hat, in einem besonderen Stückelberg
-Kabinett vereinigt worden, in welchem
nun dieser nächst Böcklin bedeutendste
neuere Basler Meister nach Verdienst zur
Geltung kommt. G.
P\ÜSSELDORF. Am Pfingstsonntag ist
der Neubau an die Kunsthalle, welcher
ausschliesslich der Düsseldorfer Künstlerschaft
zur Verfügung steht, ohne besondere
Feierlichkeit eröffnet worden. Von nun an
ist die Städtische Kunsthalle, die bisher
gemeinschaftliches Eigentum der Stadt und
der Künstlerschaft war, alleiniges Eigentum
der Stadt, und enthält nur die Städtische
Gemälde-Galerie, deren stete Vergrösse-
rung eine Trennung der gemeinsamen Besitzer
notwendig machte. Der geräumige
Anbau an die Kunsthalle, der eine Fläche
von 722 qm bedeckt, hat nur ein Stockwerk
und der Grundriss erweist sich als ein
sehr wohlerwogener und zweckentsprechender
. Es sind sechs Säle vorhanden, zwei
grosse und vier kleinere, alle mit Oberlicht
und bei den Abmessungen der Dachkonstruktion
und Einrichtung der Oberlichter
hat man sich alle Erfahrungen auf
dem Gebiete moderner Ausstellungsbauten
zu nutze gemacht. Jeder der sechs Säle
hat vortreffliches Licht und ist in den
Verhältnissen von Länge, Breite und Höhe
tadellos. In dem grössten der Säle und
einigen kleineren hat der Verein Düsseldorfer
Künstler eine Ausstellung veranstaltet
, wie man sie bisher in den oberen
Sälen der Kunsthalle zu sehen gewohnt
war, Bilder älteren und neueren Datums.
Als Gast ist in diesen Sälen nur Fritz
Fleischer, Weimar, erschienen, der ein
grosses Gemälde »Not« betitelt, ausstellt,
ein charakteristisches Bild der Genre- der
»Armeleutmalerei«, das Elend einer Proletarierfamilie
in eindringlicher Weise darstellend
. In einigen anderen Sälen hat sich
die »FreieVereinigung Düsseldorfer Künst-
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