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-*^> JAHRES-AUSSTELLUNG IM MUNCHENER GLASPALAST <^^-
mung eines Erntetages. Eine andere mehrfigu-
rige Komposition desselben Künstlers, „Wer
hat dich, du schöner Wald" betitelt, bedeutet
dagegen eine lustige Verspottung des deutschen
Philistertums, ist aber gleichfalls auch malerisch
ausserordentlich geglückt in der Wiedergabe
der sommerlichen Heuernte-Stimmung.
Georgi hat ausser dem erwähnten landschaftlichen
Cyklus eine grössere Märchenkomposition
„Feuerjo" benannt, den Dämon der
Brandstifterei darstellend, in Tempera gemalt;
von Münzer, dem grüblerischen Träumer
und effektreichen Koloristen, ist eine den
„scheidenden Tag" symbolisierende nackte
Frauengestalt da, ein Bild, das trotz zeichnerischer
Schwächen und gegenständlicher
Unklarheiten einen Künstler von eigenartiger
Gestaltungskraft und einen Maler von ebenso
originellem wie vornehmen Farbenempfinden
kennzeichnet. Der temperamentvolle Feldbauer
ist mit einem kühn hingesetzten Reiterstücklein
und einer vorzüglichen Pferdestudie
vertreten, Höfer schliesslich sandte eines
seiner eleganten Herrenporträts. Zu diesen,
den Gründern der „Scholle", gesellt sich auch
in diesem Jahr wieder Erich Erler-Samaden
mit meisterlichen klar und räumlich wirkenden
Landschaften aus dem Engadin.
Die grossen Säle im Fond des Palastes
werden von den umfangreichen Nachlassausstellungen
Faber du Faur's und Ernst Zimmermann
^ eingenommen. Die über hundert
Nummern zählende Kollektion des bisher nur
in München in seiner ganzen Bedeutung gewürdigten
Reitermalers wirkt im ganzen wie ein
Brillantfeuerwerkundhältauch fastin jedem einzelnen
Werk stand. Wir verweisen auf unsere
in Heft 9 des 1. Jahrg. gegebene Würdigung des
glänzenden Koloristen. Die Gesamtausstellung
seiner Werke bestätigt die dort über seinen
Werdegang ausgesprochenen Vermutungen.
Ausser Delacroix, dem er die entscheidenden
Anregungen verdankt, ist, wie einige dekorativ
äusserst wirksame Blumenstücke erweisen,
Makarts Einfluss nicht zu übersehen. In den
bewegten Scenen seiner blendend gemalten
Kavallerieattaken scheint übrigens auch ein
alter Meister, Bourguignon, nicht ohne Eindruck
geblieben zu sein. — Die von den
Angehörigen mit grosser Pietät und nicht
geringer Mühe zusammengebrachte Ausstellung
Ernst Zimmermann's bedeutet für viele eine
ähnliche Ueberraschung wie jene Ausstellung
Deffregger'scher Werke, die zum ersten Male
seine Naturstudien an die Oeffentlichkeit
brachte. Zimmermann war ja als Maler biblischer
Scenen älterer historischer Richtung —
wir vermeiden absichtlich das Wort „Heiligen-
DIE BEGEGNUNG
Münchener Künstlergenossenschaft
ANTON BRAITH
Jahres-Ausstellung im Münchener Glaspalast:
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