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dem waren. Ueber die Annahme oder Abweisung
eines neuen Werkes Böcklins, welcher
Schack das Vorkaufsrecht eingeräumt hatte,
entschieden mehr der Geschmack und die
Gesinnung der Berater des kunsteifrigen
Barons als dieser selbst.
So mögen denn der Schackgalerie durch
fremden Rat manche gute Werke Böcklins
verloren gegangen sein. Von einem derselben
weiss ich das ganz bestimmt. Es ist dies die
„Quelle des Frühlings", jetzt „Frühlingsreigen"
genannt, in der Dresdener Galerie; ich werde
darauf noch zurückkommen.
In seinen brieflichen *) Antworten bewies
Böcklin bei den oft grausamen Enttäuschungen,
welche die Abweisungen Schacks für ihn
brachten, einen bewundernswerten Gleichmut
, eine fast rührende Unterwerfung unter
die Kritik seines Auftraggebers und dessen
Berater. Weit davon entfernt, seine Bilder
als Ausflüsse seines Genies zu erachten und
zu lieben, kümmerte er sich um dieselben
*) Im Familien- und Freundeskreise legte er sich nach H. A.
Schmid, Floerke u.a. in dieser Hinsicht keine Zügel an; doch
scheint sein Unmut sich zwai kräftig, aber vollständig und ohne
Rückstand entladen zu haben.
OTTO H. ENGEL KINDER BEGRÄBNIS IN DER OBERPFALZ
Jahres-Ausstellung im Münchener Glaspalast: Vereinigte Berliner Clubs
nicht mehr, wenn sie aus seinen Händen
waren. Ganz im Gegensatz zu Feuerbach
war er ein Verächter des Ruhmes. Während
jener jedes fertige Werk mit Vaterwonne
ans Herz drückte und vor dem Momente
bangte, wo er es „einsargen", d. h. zum Versenden
in eine Kiste packen musste, stiess
Böcklin es ab wie ein Baum die reife Frucht.
Er wusste auch nicht, welche seiner Werke
sich in dieser und jener Ausstellung befanden
; einem Gespräche darüber hörte er
bei dem erwähnten Besuche mit einer gewissen
komisch wirkenden Neugierde zu.
Bald wechselte er dann das Thema und
sprach von seinen Studien in alten Büchern
über die Farbe van Eycks und von seinen
eigenen Experimenten. Er war überzeugt,
zu seinem langerstrebten Ziele gelangt zu
sein und dadurch, dass er nur Erdfarben verwende
, sie mit Eiweiss und Gummi arabicum
mische und nur auf Holz male, die höchste
Leuchtkraft seines Kolorits zu erzielen. Wer
da den bescheidenen und einfachen Mann über
solche technische Dinge mit einem Eifer reden
hörte, als beruhe auf ihnen seine Kunst,
musste sich mit Gewalt daran erinnern
, dass dies der berühmteste
Maler der Welt sei.
Von den Gemälden, welche
den prunklosen, mit schwarzem
Holze ausgelegten Arbeitsraum
auf dem Zürichberge damals
schmückten, blieb mir ein „Gang
zum Bacchustempel" deshalb am
besten im Gedächtnis, weil der
Meister in Bezug auf eine mit der
Insel Capri endigende Wolkenperspektive
äusserte: „Wie ich das
gemalt habe, habe ich Heimweh
bekommen. Da habe ich denn aufhören
müssen." Aehnlich klingt,
was er einst zu Graf Schack sagte,
als ihn dieser träumend vor seinem
„Heiligen Hain" antraf: „Eben bin
ich in diesem Walde gewesen."
Solche Worte kennzeichnen den
Poeten. Ueber ein im Atelier befindliches
angefangenes Frauenbildnis
bemerkte der originelle
Künstler: „Die Dame war sehr
unglücklich, dass ich die schöne
Farbe ihres Kleides auf dem Bilde
änderte; aber ich Hess ihr keine
Wahl: ,Entweder werden sie so
gemalt, oder gar nicht' und da gab
sie nach."
Von den Briefen, welche Böcklin
in seiner grossen und zügigen
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