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-*^> GRAF SCHACK UND BÖCKLIN
FRANZ JÜTTNER
UNSER HERR ENKELSOHN
Jahres-Ausstellung im Münchener Glaspalast: Vereinigte Berliner Clubs
Schrift an Schack schrieb, sind leider nur wenige
erhalten. Es mögen ohnehin nicht viele gewesen
sein, weil er ein säumiger Schreiber war und die
Mitteilungen an Schack häufig durch andere
machen Hess. So hat H. Ludwig nach seiner
eigenen Aussage nicht selten den Vermittler
zwischen den beiden abgegeben. Er war der
Freund mehrerer der damals für Schack in Rom
wirkenden Künstler, vor allem Böcklins, Gun-
kels und des gelehrten Kopisten Schwarzer,
und seine wenigen noch vorhandenen Berichte
über die Thätigkeit derselben (auch über
Lenbach) sind, obschon nicht parteilos, von
grosser Wichtigkeit. In einem Briefe vom
2. April 1865 nimmt er sich Böcklins aufs
wärmste an, nennt ihn sehr fleissig, immer
den alten liebenswürdigen Menschen ohne
falsche Ader, voll feiner treffender Gedanken
und voll innigen Gefühls, an dem untergeordnete
Geister herummäkeln, während sie
doch seine verlästerten Experimente nachahmen
und seine Meinungen nachschwätzen.
Trotz der Tüchtigkeit seiner Frau sei er
über seinem künstlerischen Bestreben in
seinen Verhältnissen in Rückstand gekommen
und die guten Zeiten dauerten noch nicht
lange genug, dass er sich hätte erholen
können. Dass seine neuerfundene Maltechnik
an der „Villa am Meere" (Schack-
galerie, Abendstimmung) sich nicht bewährt
habe, bedauere er selbst am meisten.
Ueber dieses Bild, von dem bei seiner Ankunft
in München Stücke herausgesprungen
waren, hatte Böcklin selbst am 3. Juni 1864
an Schack geschrieben:
„Wie leid es mir ist, Ihnen dies unglückliche
Experiment geschickt zu haben,
brauche ich wohl nicht zu sagen, besonders
, da ich nach Versuchen mit den
Skizzen, die ich in dieser Art gemalt, zu
der Ueberzeugung gekommen bin, dass die
ganze Schuld am Unheil der Oelgrund
trägt, mit dem sich das Wachs nicht verbindet
."
Sofort nachdem er das vereinbarte Honorar
von 1000 fl. für das „verunglückte Experiment
" erhalten hatte, fing er eine Wiederholung
desselben an, deren Ausführung nach
den gleichzeitigen Berichten Lenbachs durch
widrige Verhältnisse, Krankheiten in der
Familie und andere Hindernisse sich sehr
in die Länge zog. Des öftern kam der
Künstler ganz aus der Stimmung und glaubte
Ende 1864 in ein oder zwei Bildern, die er
projektiert hatte, Schacks ganzen Beifalls
noch sicherer zu sein, als wenn er die „Villa"
in seiner damaligen Stimmung vollenden
würde.
Gegen Schluss des Jahres 1865 wurde die
zweite Villa am Meer doch fertig. Böcklin
hatte das Bild sehr durchgeführt und ein
herrliches in der Stimmung ganz verändertes
Gegenstück zur ersten „Villa" geschaffen.
Von denjenigen Kunstgelehrten, die dem toten
Grafen Schack bei jeder Gelegenheit nachrufen
, er habe für seine Bilder zu wenig bezahlt
, wird gerne die Frage ventiliert, ob er
die „Wiederholung" honoriert habe. Leider
sind über diesen Punkt Schriftstücke nicht
vorhanden. Wo es sich um Ausführungen
nach Skizzen handelte, schlug Schack häufig,
wie z. B. ausnahmslos bei Genelli, die Preise
vor, die von diesem mit freudigem Dank
angenommen wurden. Böcklin, welcher
Die Kunst für Alle XVÜ.
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