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«*^> DÜSSELDORFER AUSSTELLUNG <^^>-
den Wasserstrom eine in flachem Bogen
kühn gespannte Treppe.
Das neue Kunstausstellungsgebäude ist
nach den preisgekrönten Plänen des Architekten
Bender errichtet; aber zuletzt ist
von diesen Plänen nicht viel mehr als die
glückliche Grundrissdisposition übrig geblieben
— der ganze Ausbau und die Ausbildung
der Fassade stammt von dem Frankfurter
Architekten Rückgauer. Die Lage
des Kunstpalastes als Abschluss des langen
Vorgeländes verlangte eine sehr kräftig profilierte
Architektur; die Hauptcäsuren, die
die drei Risalite darstellten, mussten scharf
betont werden. Das hat die 132 m lange
Fassade sicherlich gut gelöst. Das italienische
und süddeutsche Barock hat hier die Wege
gewiesen, aber der Architekt springt ganz
frei mit diesen Formen um. Es ist vielleicht
etwas viel Eklekticismus in den Details, an
den Eckrisaliten Louis XVI.-Formen, in dem
Prachtstück der ganzen Anlage, der wirkungsvollen
mächtigen Vorhalle, die den Beschauer
empfängt, klassizistische Einzelheiten neben
Formen der Otto Wagner-Schule. Der entzückende
feine Binnenhof mit seinen Säulenstellungen
ist eher Klosterhöfen vom Ende
der italienischen Frührenaissance und den
Höfen römischer Paläste, der Cancelleria,
FERDINAND ANDRI SLOVAKEN
Deutsch-Nationale Kunstausstellung zu Düsseldorf
dem kleinen Palazzo di Venezia, dem Palazzo
della Valle als Barockbauten nachgebildet
und fällt so ein wenig aus dem Stil heraus:
aber im ganzen ist dieser Bau doch nichts
weniger als historisch und im historischen
Stile komponiert. Der kupfernen Kuppel,
die ohne vermittelnden Tambour über der
Eingangshalle thront, geht es freilich wie
allen solchen Krönungen: sie tritt erst in
hinlänglicher Entfernung hervor. Aber auch
sie wird sich anders präsentieren, wenn der
mittlere Giebel weniger unvermittelt in sie
einschneidet über dem Mittelrisalit fehlt
noch die figürliche Abschlussgruppe wie der
Schmuck der bronzenen Quadrigen über den
Eckrisaliten. Auch der plastische Flächenschmuck
ist nur zum Teil ausgeführt: das
mittlere Giebelfeld zeigt eine grosse Reliefdarstellung
von Karl Heinz Müller, eine
tüchtige akademische Arbeit, die Stiftung des
rheinischen Kunstvereins, zur Seite rein
dekorative Gruppen des jungen Düsseldorfer
Bildhauers Nieder, weich, mit fliessenden
Umrissen, viel mehr aus dem Stein heraus
geboren.
Umsichtig, nach langem Ausprobieren sind
im Inneren die Erfahrungen der modernen
Ausstellungsgebäude, der deutschen, französischen
und englischen, ausgenutzt. Die langen
Flügel zeigen feste Eisenträger
und zwischen ihnen ein System
von beliebig verstellbaren hölzernen
Wänden, die das Schaffen von
Sälen und Kabinetten jeder Ausdehnung
gestatten. Ein doppeltes
Oberlicht, das untere mit gedämpften
Milchglasplatten, soll
das Velum überflüssig machen —
aber das Licht ist doch noch durchweg
zu intensiv und grell. Auch
die Höhe der Räume ist nicht
immer eine günstige. Aber im
allgemeinen darf doch der neue
Kunstpalast als das beste und praktischste
moderne Kunstausstellungsgebäude
bezeichnet werden.
Ganz eigenartig und neu ist der
in der Mitte der ganzen Anlage
liegende Statuenhof: um einen
stillen und verschwiegenen Garten
mit herrlichen, blühenden
Büschenundein schlichtes,grosses
Brunnenbecken, die hohen Arkaden
eines italienischen Campo
Santo — Marmor wie Bronze und
alles unechte Material kommt hier
gleich gut zur Geltung, die Aufstellung
ist von einer über-
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