http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0590
DÜSSELDORFER AUSSTELLUNG <Ss^
raschenden Wirkung. Dahinter öffnet sich der
grosse Hauptsaal, der mit einer halbrunden
Apsis abschliesst. Hier thront in einsamer
Majestät, wie das Götterbild in der Cella,
Max Klinger's Beethoven, der verspätet, im
Juni erst hier
aufgestellt worden
ist. Ganz
isoliert steht
das Wunderwerk
vor der
13 m breiten
Concha.
Nichts von
jener verblüffenden
Art der
Aufmachung
wie bei der
ersten Ausstellung
im Hause
der Secession
zu Wien, das
im einmütigen
Zusammenarbeiten
der
ganzen Künstlerschar
mit
raffinierter
Kunst zu einem
seltsamen, stimmungsvollen
Tempel umgestaltet war. Aber vielleicht betonte
diese halborientalische Einrahmung auch
zu sehr die Fremdartigkeit des Werkes. In
Düsseldorf ist auf alle solche Zuthat verzichtet,
ganz ruhig hebt sich der Zeus-Beethoven
von dem tief dunkelgrünen, leise schillernden
Sammetvorhang ab, der in langen schweren
Massen die Apsis gleichmässig füllt. Der
ROBERT ENGELS
Düsseldorfer Ausstellung
mächtige Raum, der sich vor dem Bildwerk
öffnet, thut ihm merkwürdigerweise gar nicht
Abbruch, und seine ergreifende Schönheit
spricht hier ganz rein, ohne Trübung, zu dem
Beschauer — zumal wenn er vergisst, was
sonst in dem
Saal Unterkunft
gefunden hat.
Wie in Wien
staut sich eine
leise disputierende
, bewundernde
Menge
vor dem Throne
— der Niederrhein
begrüsst
in dem Beethoven
zugleich
seinen grössten
Landsmann.
Nicht so hart
wie in Wien
platzen hier die
Ansichten aufeinander
, wo
die Ankündigung
und die
Art der Aufstellung
fast
einer Herausforderungglich
.
Aber auch die Widerstrebenden müssen zugeben
, dass es sich hier um ganz ernste und
ganz grosse Kunst handelt. Für die Ausstellung
selbst aber bedeutet der Beethoven
nach wie vor den vornehmsten Anziehungspunkt
.
Welche Bedeutung die durch die erste
deutsch-nationale Kunstausstellung eröffneten
ILLUSTRATION FÜR BEDIER,
TRISTAN UND ISOLDE««*«
EDUARD VEITH
WINTERFLUCHT
Düsseldorfer Ausstellung — Photographieverlag der Photographischen Union in München
533
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0590