Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 542
(PDF, 174 MB)
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DÜSSELDORFER AUSSTELLUNG

Friedrich und zwei anderen Stücken glänzend
vertreten welche Kraft der Farbe entfaltet
hier nicht der doch nun schon zweiund-
sechzigjährige Meister. Pochwalski mit
seinem ungarischen Magnatenporträt, Laszlo
mit seinem Kardinal Rampolla, Joanowits mit
einem feinen frauenhaften Frauenbildnis und
einer kecken und breit hingestrichenen Skizze
zu einem Männerporträt, Koppay mit seiner
ein klein wenig süsslichen Erzherzogin
Elisabeth, geben einen guten Ueberblick über
das sichere Können und einen vollen Begriff
von dieser ganzen vornehmen und aristokratischen
Kunst. Und welche Fülle von feinen
Landschaften: Tomec, Russ, Darnaut,
Charlemont. Die Secession verblüfft zunächst
durch die aparte Einkleidung und die
raffinierte Kunst der Aufmachung. Josef
Hoffmann hat den drei vorderen Räumen
einen einheitlichen Charakter gegeben - - sie
sind ganz in Hell gehalten, in dem Mittelsaal
bis zur halben Höhe eine feingraue Stoffbespannung
, Thürumrahmungen in edlem Holze,
dazwischen buntfarbige Vorhänge. Und dazu
kommen wundervolle Möbel, Bücherschränke
und Salonkasten, in denen die einzig gesunde
Auffassung eines solchen Ausstattungsstückes

herrscht,die
eben einen

solchen
Schrank als
eine Kiste

mit vier
Beinen begreift
, nicht
alseinHaus-
modell mit
einerPalast-
thür davor,
auch nicht

als einen
Dogcartsitz,
wie dies van

de Velde
thut. Josef
Hoffmann
und Koloman
Moser
haben hier
ihr Bestes
geleistet,
Wilhelm
Schmidt,
Sumets-

BERGERUnd

Holzinger
folgen ihren
Fusstapfen.

CARL SEFFNER
Düsseldorfer Ausstellung

BILDNISBUSTE:
MAX KLINGER

In dem einen Eckraum hat der Brunnen Aufstellung
gefunden, zu dem Hoffmann die
Architektur, Luksch die Plastik geliefert
hat — ganz seltsam wirkt in dem stillen
Raum das gespenstige Fallen der Tropfen,
dem die nackten Männer und Frauen lauschen.
Ebenso gross ist die Anziehungskraft des
Mittelraumes des Hagenbundes, den Josef
Urban dekoriert hat. Sein entzückender
achtseitiger Salon in Silbergrau und Seidengelb
, der seltsame Theesalon von Leopold
Bauer mit der Wandverkleidung in irisierenden
Kobaltgläsern und den feinen Möbeln
in Korallen- und Palisanderholz sind wahre
Kabinetstücke der Innenausstattung, sehr
vornehm und von höchst persönlichem Reiz.
Was die beiden Künstlergruppen an Gemälden
ausgestellt haben, ist fast durchweg
schon auf früheren Ausstellungen vertreten
gewesen zumal die Bilder des Hagenbundes
fanden sich fast sämtlich im vorigen
Jahr im Saal 40 des Münchener Glaspalastes,
die ganze Gruppe hat damals in dieser
Zeitschrift (1. Jahrg., Heft 4) eine eingehende
Würdigung erfahren. Die Secession stellt
sich wohl als die raffiniertere dar - in ihr
dominiert das koloristische Genie Klimt's;
sein Geist hat auch den übrigen den
Stempel gegeben. Von Klimt selbst sind
hier nicht weniger als sechs Hauptstücke
vorgeführt, Hauptstücke des malerischen
Könnens - nicht seine grossen sattsam bekannten
Allegorien, die Philosophie und die
Medezin, aber dafür unter anderem sein
köstlicher Schubert mit dem lichtumflossenen
Meister zwischen seinen andächtigen Schülerinnen
vor dem Spinett und das ist ein
wirklich klassischer Klimt. Aber sonst liegt
auch in dieser exotischen, allzu subtilen
Kunst eine grosse Gefahr. L'art robuste
seul a l'eternite hat der goldene Theophil
Gautier einmal gesagt.

Es geht kaum an, aus all den übrigen
Künstlergruppen noch das Bedeutende herauszuheben
. Unter den Stuttgartern sind Carlos
Grethe, Robert Haug (s. S. 541), Graf
Kalckreuth gut vertreten, ein ganz seltsamer
Pyrotechniker der Malerei tritt in Heinrich
Wulff mit seinen wunderlichen Feuerwerken
auf. Die Karlsruher scheinen dies Jahr in der
Heimat selbst ihre Kraft erschöpft zu haben
ihre Kollektivausstellung in Düsseldorf
ist nicht glücklich und noch weniger glücklich
die Dekoration des Raumes. Weisshaupt
und Zügel haben zwei grosse Landschaften
mit Rindvieh gesandt; Zügels Bild
ist eine der besten Leistungen seiner letzten
Jahre, von höchster Farbigkeit. Neben den

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