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-*-5^> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN C^=^
halb realistisch aufgefasste Bildnis von vier jungen
Freunden — Künstlern offenbar — die, beim Wein
versammelt, den Phantasien des einen, eines angehenden
Dichters wohl, nachhängen. Befremdlich
, nicht nur um des abstrusen Gegenstandes
willen, sondern mehr noch wegen ihrer seltsamen
Mischung von stilisierten und realistischen Elementen
, wirken auch diesmal Gallens Kompositionen
aus den altfinnischen Heldensagen: Episoden
aus »Kalevala«; für den gebildeten Mitteleuropäer
völlig unverständlich. Eher verträgt man diese
Seltsamkeiten noch als Gegenstand der Textil-
kunst. Einige Wandbehänge, in Knüpftechnik ausgeführt
, sind mit jener Sicherheit in der farbigen
und linearen Abstraktion entworfen, die man bei
dem nordischen Künstler schon kennt. Den unge-
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ferdinand keller heideröslein
Düsseldorfer Ausstellung — Photographie-Verlag der Photographischen
Union in München
teiltesten Eindruck macht indes auch diesmal wieder
seine landschaftliche Kunst. Namentlich in Gouache
und Aquarell vermag Gallen seiner heimatlichen
Winterlandschaft schöne Stimmungen abzugewinnen.
- Den Vorraum der kleinen Ausstellung, auf der sich
ferner auch einige plastische Versuche von Wilhelm
Hüsgen und Ernst Geiger finden, nimmt eine ansehnliche
Kollektion von Plakat- und Illustrationsentwürfen
von Albert Weisgerber ein. Der junge
Künstler, der als Maler auf der letzten Frühjahr-
Secessions-Ausstellung so vielversprechend hervortrat
, zeigt sich auf diesem seinen bisherigen eigentlichen
Gebiet in allen Sätteln gerecht. Biedermeier-
Art und altdeutscher Holzschnitt, Japan und französische
Plakatkunst spuken hier. Indes kündigt
sich auch genug Eigenart an, so in den kraftvollen
Akten einer Illustration zu Ludwig Scharffs Gedichten
oder in dem originellen Kalender-Entwurf
mit dem Erdkugelstemmer. Seine besondere Domäne
scheint übrigens die Märchenillustration zu sein. Nicht
minder drastisch in den darstellerischen Mitteln wie
Sattler überragt er diesen an lebendigem Humor
und guter Laune. G. H.
1/" RAKAU. Die permanente Aussteilung in unserem
Kunstvereine leidet, gleich anderen permanenten
Ausstellungen, an einer gewissen Monotonie, welche
oft ganz einfach langweilig ist. Manchmal aberfindet
man auf einmal eine grössere Anzahl besonders beachtungswürdiger
Kunstwerke: von einer solchen Kollektion
sei im nachstehenden berichtet. In erster Linie
muss ich da die Porträts von Alexander Augusty-
nowicz erwähnen. Die drei Damenporträts, welche
er jüngst ausgestellt hat, sind vorzüglich in jeder
Beziehung. Besonders das Porträt der Frau S. im
schwarzen und ein zweites einer Dame im rosafarbigen
Kleide gehören zu den besten Werken dieser
Art, welche seit Jahren in unserer Ausstellung zu
sehen waren. Sehr gelungen ist auch das Porträt
des Herrn S., das zufolge seiner kräftigen und einfachen
Faktur, einen packenden Eindruck macht.
Augustynowicz kann schon jetzt zu unseren besten
Porträtmalern gezählt werden: er zeichnet tadellos
und ist ein verwegener Kolorist. Ein polnischer
Künstler, Eduard Lövy, der in Paris lebt, hat ein
gelungenes Herrenporträt, einen jungen Mann,
auf einem Sofa liegend, darstellend, hierhergeschickt
. Dieses Bildnis ist sehr korrekt in französischer
Malmanier ausgeführt und kann als
ein charakteristisches Gegenstück zu den Porträts
Augustynowicz' dienen. Lövy erscheint als ein Franzose
durch und durch, Augustynowicz aber als ein
origineller Maler, der die Natur nicht durch die
Brillen seiner Meister, sondern mit eigenen Augen
sieht. Gar nicht schlecht ist das Reiterporträt von
Sigismund Roywadowski gemalt; besonders das
Pferd verdient volles Lob. Ein junger Bulgare,
Christo Kutew, der die hiesige Kunstakademie
absolvierte, hat das Porträt des Prälaten K., das
sich durch eine frappante Aehnlichkeit und gewissenhafte
Ausführung vorteilhaft auszeichnet, ausgestellt.
Wladimir Tetmajer, ein begabter Beobachter des
polnischen Bauernlebens, beschickte die Ausstellung
mit zwei Genrebildern, zu denen ihm die Ernte
in der Umgegend von Krakau den Stoff geliefert
hat. Diese Bilder sind Pleinair-Stücke im besten
Sinne dieses Ausdruckes. Die gelungene Charakteristik
der Schnitter und die meisterhaft charakterisierte
glühende Mittagshitze des Hochsommers verleihen
ihnen einen besonderen Reiz. Der geniale
doch wie immer rätselhafte Jacek Malczewski
hat ein Triptychon: »Glaube, Hoffnung und Liebe«
ausgestellt. Es fand aber, sogar bei seinen Verehrern
, keine warme Aufnahme, gerade wie sein
anderes Bild >Der Friedhof«. Solche Bilderrätsel,
wenn auch von einem genialen Künstler entworfen,
bleiben immer nur Bilderrätsel. »Der geheimnisvolle
Wald« von Casimir Markiewicz mit zwei
gut gezeichneten und gemalten nackten Figuren ist
sehr flott in französischer Manier ausgeführt. Die
Komposition, welche als Illustration zu einem französischen
an dem Rahmen angebrachten Texte dienen
soll, ist leider unverständlich. Desselben Künstlers
Frauenporträt ist sehr modern gemalt. Eine
wirkliche Kalamität für den guten Ruf der polnischen
Kunst besteht in der Thätigkeit mancher
Maler, welche sich auf eine unerklärte Weise eine
grosse Popularität im Auslande erworben haben und
eine Unmasse minderwertiger Bilder schaffen. Zur
Schar jener Glückspilze gehört z. B. Johann Chel-
minski, der ein Bild unter dem Titel »Fürst Ponia-
towski in der Schlacht bei Leipzig« ausstellte. Wenn
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