Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 551
(PDF, 174 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0608
VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^=^

jemand gewollt hätte, ein grimmiges Zerrbild
unseres Nationalhelden zu malen, der könnte es
nicht besser machen als Chelminski. Seine Maltechnik
erinnert stark an Oeldruck, seine menschlichen
Figuren und seine Pferde an hölzerne Puppen.
Stefan Matejko's »Der Marktplatz« und Apoli-
narius Kotowicz' »Der Mönch« sind zwei sehr
niedliche Genrestücke. Die »Herbstsonne« und
»MelancholischeStimmung« von Eugen Steinsberg
sind saftig gemalte, stimmungsvolle Landschaftsgemälde
. Zum Schlüsse muss ich noch erwähnen
»Die Marienkirche in Krakau« von unserem gediegenen
Aquarellisten Stanislaus Tondos und
eine Skizzenserie aus Hoher Tatra von Alexander
Mroczkowski, des einzigen polnischen Malers, der
sich dem Studium jener wunderschönen Gegend
gewidmet hat. Die polnische Bildhauerei, welche
eine Art von Aschenbrödel im Vergleich mit ihrer
Schwester Malerei ist, ist sehr schwach in der
Ausstellung vertreten. Unter unseren Bildhauern
nimmt, meiner Ansicht nach, Thaddäus Blotnicki
eine hervorragende Stellung ein. Seine prächtige
»Büste des Meisters Paderewski«, seine kolossale
»Mickiewiczbüste«, seine poesievolle Statue »Die
Trauer«, sein »Christuskopf« u. s. w. beweisen die
Richtigkeit dieser Ansicht auf eine unwiderlegliche
Weise. Weiter verdienen noch erwähnt zu werden:
ein »Fragment zum Grabdenkmale«, sehr gut
modelliert von Fräulein Tola Certowicz und eine
schneidig modellierte Porträtbüste von Stanislaus
Ostrowski. Die besondere Ausstellung der sogenannten
Werke des jungen Bildhauers Boleslaus
Biegas, giebt einen traurigen Beweis von der Geschmacklosigkeit
und Inkohärenz, welche auf eine
verheerende Weise in den Reihen unserer »Jüngsten«'
um sich greifen. Alles, was dem gesunden Menschenverstände
und den einfachsten Kunstgrundsätzen
widerspricht, gilt bei ihnen als ein Beweis der Genialität
und der schöpferischen Kraft. Jeder von diesen
»Jüngsten« bildet sich ein, ein kleiner Klinger oder
Rodin zu sein. Von der Gründung einer neuen
Künstlergenossenschaft, des »Salons«, wurde schon
in der »K. f. A.« berichtet. Es ist zu hoffen, dass
diese Genossenschaft, welche aus tüchtigsten Künstlern
besteht, sehr viel zur normalen Entwicklung
unseres Kunstlebens beitragen wird. J. N. Trepka.

^RAZ. Die umfassenden Zubauten am Landes-
museum »Joanneum« sind nunmehr vollendet.
An Stelle des kürzlich verstorbenen Galeriedirektors
Professor Heinrich Schwach wurden die Herren
Maler Professor Alfred von Schrötter und Kunsthistoriker
Diez vom Landesausschusse mit der Neuaufstellung
der Bildergalerie betraut. — Zur Förderung
des hiesigen Kunstlebens haben sich der
Verein bildender Künstler Steiermarks und der Steier-
märkische Kunstverein entschlossen, jeweilig kleinere
Ausstellungen mit nur kurzen Unterbrechungen zu
veranstalten, in welchen vorwiegend die heimische
Produktion Berücksichtigung finden soll. Die erste
diesbezügliche Veranstaltung des Kunstvereinszeich-
nete sich durch besonders sorgfältige Auswahl nach
rein künstlerischen Gesichtspunkten aus. Prof. von
Schrötter mit mehreren seiner Schüler Baronin
Ecker, E. Doelter (beide in Dachau geschult),
Suppanchich und andere brachten Arbeiten von
durchaus anerkennenswerter Qualität. Die lebendigen
Porträts von Helene Birnbacher und Fräulein
von Langentreu (Schülerin Herterichs) hätten
sich in jeder grösseren Ausstellung sehen lassen
können. Aktuelles Interesse bot ein von Konrad
flott ausgeführtes Aquarell der von Architekt SiG-
mundt entworfenen Sängerbunds-Festhalle. In

der zweiten Hälfte Mai wurde die vom Grazer Club der
Amateur- Photographen veranstaltete Internationale
Ausstellung für Amateur-Photographie eröffnet. Abgesehen
von der wissenschaftlichen Verwendung der
Photographie, die in lehrreicher Weise zur Anschauung
gebracht wurde, bot die wohl gegen 2000 Nummern
zählende Ausstellung auch nach der künstlerischen
Seite, insbesondere durch reichliche Verwendung
des Chrom - Gummidruckes erfreuliche
Anregung. Unter den aus dem Schosse des Grazer
Clubs hervorgegangenen Arbeiten fielen durch besondere
künstlerische Vollendung die Tiroler und
italienischen Motive, sowie eine Sammlung grosser
Orientbilder von Dr. H. Bachmann auf. E.

\7ENEDIG. Für die vom 22. April bis 31. Oktober
' 1903 geplante V. Internationale Kunstausstellung
ist von der Stadt Venedig die Summe von
100000 Lire zu Erwerbungen für die Internationale
moderne Kunstgalerie ausgesetzt. Auch ist die
Verleihung von goldenen Medaillen an die hervorragendsten
der ausgestellten Werke in Aussicht genommen
. Der bedeutende finanzielle Erfolg, von
dem die bisherigen Ausstellungen begleitet waren,
ist aus der Aufstellung der Verkaufsresultate ersichtlich
: 1895: 360 000 Lire, 1897: 420000 Lire,
1899: 366 500 Lire, 1901: 380 000 Lire.

DERLIN. Die Nationalgalerie hat neuerdings er-
worben: an Gemälden: ein Bildnis des Kaisers
von Max Koner, »Bauernjunge« von W. Leibl,
»Marktplatz in Hildesheim« von H. Hintze und
»Bildnis Ph. Veiths« von Ed. von Heuss; an
Plastiken: »Marmorbüste Pettenkofers« von Ad.
Hildebrand, Bronzestatuette »Prometheus« von
H. Prell; ferner vierzehn Blatt Studien und Entwürfe
von Arnold Böcklin, und diverse Handzeichnungen
von W. Horstmeyer und H.Ludwig.

FRITZ KLIMSCH BILDNISBÜSTE

Düsseldorfer Ausstellung

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